Der DRK-Hauer M1938 – in der Literatur und im Handel auch als Rotkreuz-Hauer, Rotkreuz-Mannschaftshauer oder umgangssprachlich „Knochensäge" bezeichnet – gehörte zur uniformierten Ausstattung männlicher Angehöriger des Deutschen Roten Kreuzes von 1938 bis 1945. Er ist heute ein gesuchtes Sammlerstück, besonders wenn Scheide und Trageschuh vollständig erhalten sind.


DRK-Hauer M1938 – Einordnung und Bezeichnung

Was ist das?

Der korrekte Begriff für dieses Stück ist DRK-Hauer Modell 1938 für Mannschaften und Unterführer. Die Bezeichnungen Rotkreuz-Mannschaftshauer, Rotkreuz-Hauer oder „Knochensäge" sind in der Sammlerszene und im Handel geläufig, aber nicht offiziell. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich nicht um eine klassische Blankwaffe im militärischen Sinn, sondern um ein Ausrüstungsstück mit Werkzeugcharakter.

Historischer Zusammenhang

Mit dem Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz vom 9. Dezember 1937 wurde das DRK zentralisiert und ab 1938 stärker in staatliche und militärische Strukturen eingebunden. Frühere Gliederungen wurden zusammengefasst; das DRK erhielt die Anerkennung als freiwillige Hilfsgesellschaft im amtlichen Sanitätsdienst der Wehrmacht. Der Hauer war in diesem Zusammenhang nicht nur ein Werkzeug, sondern auch ein sichtbares Zeichen dieser militärisch geprägten Organisation – repräsentativ nach außen, in der Praxis vermutlich nur selten wirklich benutzt.

Ausführung und Merkmale

Typisch für den Mannschafts- und Unterführerhauer sind folgende Merkmale:

  • Griff — schwarz, mit verschraubten Griffschalen aus Zinkdruckguss
  • Klinge — breit, einschneidig, mit Sägerücken
  • Spitze — abgeflacht und stumpf (wichtiges Erkennungsmerkmal)
  • Scheide — schwarz, Metall
  • Trageschuh — passender Leder-Koppelschuh

Die stumpfe Spitze unterscheidet den Hauer klar von einer Hieb- oder Stichwaffe. Er war nach damaliger Auffassung primär als Ausrüstungsgegenstand gedacht.

Unterschied zum DRK-Führerdolch

Der DRK-Führerdolch ist nicht mit dem Mannschaftshauer zu verwechseln. Der Führerdolch war feiner ausgeführt, besaß keine stumpfe Hauerform und wurde mit Gehänge getragen. Der Mannschafts- und Unterführerhauer ist dagegen deutlich robuster, besitzt den typischen Sägerücken und schwarzen Griff und wurde mit Koppelschuh bzw. Trageschuh getragen.

Hersteller und Markierungen

Bei originalen Stücken finden sich unterschiedliche Markierungen:

  • „Ges. Gesch." / „Ges. Geschützt" — auf der Fehlschärfe; bedeutet „gesetzlich geschützt" und ist kein Herstellerhinweis
  • Ungemarkte Klingen — kommen vor
  • Herstellerangaben — bekannt vor allem Robert Klaas, Solingen
  • Inventar- und Stationsstempel — gelegentlich Ortsnummern oder Depotmarkierungen
Hinweis: „Ges. Gesch." darf nicht mit einer Herstellerangabe verwechselt werden. Die Markierung schützte das Design – mehr nicht.

Erhaltung und Seltenheit

Gut erhaltene DRK-Hauer, vollständig mit Scheide und passendem Trageschuh, sind heute deutlich seltener, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Viele dieser Hauer wurden nach dem Krieg nicht mehr als Ausrüstungs- oder Sammlerstück behandelt, sondern landeten auf Bauernhöfen oder in privaten Haushalten in der Werkzeugkiste.

Dafür war der Hauer eigentlich nicht gedacht. Der Griff aus Zinkdruckguss mit verschraubten Griffschalen war für schwere Arbeiten ungeeignet. Wurde der Hauer zweckentfremdet, kam es entsprechend schnell zu Brüchen. Gerade deshalb sind vollständig erhaltene Stücke mit originaler Scheide und passendem Trageschuh heute besonders gesucht.


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Kontakt

Thomas Huss & Söhne / German Historica

Direkter Draht für Fragen rund um Ankauf, Bewertung und historische Einordnung militärhistorischer Objekte.

Autor / fachliche Verantwortung
Thomas Huss · Dipl.-Ing. · German Historica / Militaria Kiel

Grundlage: eigene Objektkenntnis mit DRK-Ausrüstung; Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz vom 9. Dezember 1937.