Die Urkunde wurde am 9. August 1913 in Kiel für den ehemaligen Oberheizer Herbert Johannsen ausgestellt. Sie betrifft die Verleihung der Kolonialdenkmünze für die Teilnahme an der militärischen Unternehmung vor und auf den Inseln Ponape und Dschokadsch 1910/11.
Der handschriftliche Eintrag lautet:
„Dem ehemaligen Oberheizer Herbert Johannsen für die Teilnahme an der militärischen Unternehmung vor und auf den Inseln Ponape und Dschokadsch 1910/11 verliehen worden. Kiel, den 9.8.1913"
Damit gehört die Urkunde zur Gefechtsspange PONAPE 1910/11 der Kolonialdenkmünze.
Kolonialdenkmünze PONAPE 1910/11 - Urkunde für Oberheizer Herbert Johannsen
Kolonialdenkmünze und Spange PONAPE 1910/11
Die Kolonialdenkmünze wurde am 13. Juni 1912 durch Kaiser Wilhelm II. gestiftet. Sie war für Teilnehmer an militärischen Unternehmungen in den deutschen Kolonien sowie bei entsprechenden Einsätzen außerhalb des Reichsgebietes vorgesehen.
Zur Medaille konnten Gefechtsspangen getragen werden. Für den Zeitraum von 1884 bis 1914 wurden insgesamt 91 verschiedene Spangen für 273 militärische Unternehmungen gestiftet.
Die Spange PONAPE 1910/11 ist als Marine-Unternehmung geführt. Der Zeitraum wird mit dem 19. Dezember 1910 bis 23. Februar 1911 angegeben. Die offizielle Bezeichnung lautet: „Militärische Unternehmung vor und auf den Inseln Ponape und Dschokadsch."
Ponape, heute Pohnpei, gehörte damals zu Deutsch-Neuguinea. Dschokadsch war die deutsche Bezeichnung für den Sokehs-Bereich auf Ponape.
Der Einsatz vor Ponape und Dschokadsch
Hintergrund war der Aufstand der Sokehs 1910/11. Deutsche Verwaltungsangehörige und Aufseher waren auf Ponape mit Wegebaumaßnahmen und Arbeitsverpflichtungen befasst. Nach einer Bestrafung mit Stockhieben verweigerten Sokehs-Arbeiter die weitere Arbeit. Im Verlauf der Eskalation wurden mehrere Deutsche und einheimische Bootsleute getötet.
Daraufhin wurden deutsche Marineeinheiten, Landungskorps und melanesische Polizeisoldaten eingesetzt. Die Kämpfe konzentrierten sich zunächst auf Dschokadsch, später auch auf Bereiche der Hauptinsel Ponape.
Genannt werden bei der Unternehmung vor allem folgende Schiffe:
| Schiff | Einordnung |
|---|---|
| S.M.S. Emden | Kleiner Kreuzer |
| S.M.S. Nürnberg | Kleiner Kreuzer |
| S.M.S. Cormoran | Kreuzer / später Kanonenboot |
| S.M.S. Planet | Vermessungsschiff |
Ein zeitgenössischer Bericht erschien 1911 in der Marine-Rundschau unter dem Titel: „Der Aufstand in Ponape und seine Niederwerfung durch S. M. Schiffe Emden, Nürnberg, Cormoran und Planet".
Die andere Seite der Unternehmung
Die Bezeichnung „Marine-Unternehmung" beschreibt nur den militärischen Rahmen. Tatsächlich handelte es sich um einen kolonialen Konflikt. Den deutschen Kräften standen keine regulären Truppen gegenüber, sondern Sokehs, darunter Arbeiter und Einheimische, die sich gegen Zwangsarbeit, Eingriffe der Kolonialverwaltung und die deutsche Besatzung auflehnten.
Der Widerstand richtete sich gegen Verwaltungsangehörige, Aufseher und deren Helfer. Dabei wurden mehrere Deutsche und einheimische Bootsleute getötet. Die deutsche Antwort war hart: Marineeinheiten, Landungskorps und Polizeitruppen wurden eingesetzt, Stellungen beschossen, Dörfer und Pflanzungen zerstört.
Nach der Niederschlagung folgten Gerichtsverfahren, Hinrichtungen, Deportationen und Zwangsarbeit. Die Spange PONAPE 1910/11 steht deshalb nicht nur für eine Auszeichnung der Kaiserlichen Marine. Sie verweist auch auf einen gewaltsamen kolonialen Konflikt und auf die Folgen für die Sokehs.
Verleihungszahl und Seltenheit
Eine genaue Verleihungszahl der Spange PONAPE 1910/11 ist nicht sicher belegt. Für den Einsatz werden 745 Marineangehörige genannt. Damit dürfte die Zahl der möglichen Verleihungen deutlich unter 1.000 gelegen haben.
Im Handel und in der Literatur wird die Spange als selten geführt. Besonders Stücke mit namentlicher Urkunde sind deutlich besser einzuordnen als lose Spangen oder Medaillen ohne Herkunft.
Einordnung der Urkunde
Die Urkunde ist namentlich auf Herbert Johannsen ausgestellt. Als Dienstgrad ist ehemaliger Oberheizer angegeben. Der Ausstellungsort Kiel passt zum Marinebezug.
Aus dem erhaltenen Text geht nicht hervor, auf welchem Schiff Johannsen eingesetzt war. In Frage kommen die an der Unternehmung beteiligten Marineeinheiten. Ein genauer Nachweis wäre nur über Stammrollen, Besatzungslisten oder weitere Personalunterlagen möglich.
Weitere Gefechtsspangen zur Kolonialdenkmünze
Die Kolonialdenkmünze wurde nicht nur mit der Spange PONAPE 1910/11 verliehen. Insgesamt gab es 89 Gefechtsspangen für 273 anerkannte militärische Unternehmungen zwischen 1884 und 1914, gegliedert nach den jeweiligen Einsatzgebieten:
Deutsch-Ostafrika
Größte Gruppe, von 1888 bis 1912. Spangen jahrgangsweise (z. B. „DEUTSCH-OSTAFRIKA 1888/89", „1892", „1897/98" usw.), zuständige Truppe meist Schutztruppe (S), teils Marine (M) oder Wissmanntruppe (W). Deckt u. a. die Kämpfe gegen Wahehe, Massai, den Maji-Maji-Aufstand 1905/07 und spätere Unruhen in Urundi/Ruanda bis 1912 ab.
Südwestafrika
Kleinere Gruppe, 1893–1904: „SÜDWESTAFRIKA 1893/95", „1896", „1897", „1897/98", „1901", „1903/04" — u. a. Feldzüge gegen Khauas-Hottentotten, Hereros, Bondelzwart-Hottentotten. Der große Herero-/Nama-Krieg 1904–08 selbst ist nicht eingeschlossen — dafür gab es die gesonderte Südwestafrika-Denkmünze.
Kamerun
Umfangreichste Einzelgruppe, 1884–1912. Spangen wie „KAMERUN 1884", „1886/91", „1891/94" bis „1912" — Dutzende Einzelexpeditionen gegen verschiedene Volksgruppen (Bafuts, Bangwas, Ngolos-Batangas u. v. a.), Truppe meist Schutztruppe, teils Polizeitruppe oder Marine.
Togo
1894–1903, ausschließlich Polizeitruppe (P): „TOGO 1894/95" bis „TOGO 1903" — Feldzüge gegen Kabure, Konkomba, Dagomba, Lama-Tessi u. a.
Deutsch-Neuguinea
1893–1914, durchgehend Polizeitruppe: „DEUTSCH-NEUGUINEA 1893" bis „1913/14" (Neumecklenburg-Expedition) — meist kurze Strafexpeditionen gegen einzelne Dörfer/Inselgruppen.
Sonstige (außerhalb der Kolonialgebiete)
Drei Spangen, alle Marine (M):
- SAMOA 1888 — Militärische Aktion gegen Samoa
- VENEZUELA 1902/03 — Blockade von Venezuela
- PONAPE 1910/11 — die in diesem Beitrag behandelte Spange
Diese drei Spangen sind die einzigen, die außerhalb der eigentlichen deutschen Schutzgebiete liegen — entsprechend gelten sie im Sammlermarkt als besonders selten.
Kurzfassung
Urkunde zur Kolonialdenkmünze für den ehemaligen Oberheizer Herbert Johannsen, ausgestellt in Kiel am 9. August 1913. Verliehen für die Teilnahme an der Unternehmung Ponape und Dschokadsch 1910/11. Zugehörig zur seltenen Gefechtsspange PONAPE 1910/11 — einer von nur drei Spangen der Kolonialdenkmünze, die außerhalb der deutschen Kolonialgebiete verliehen wurden.
Quellenhinweise
- Gefechtsspangen zur Kolonialdenkmünze: Traditionsverband - Gefechtsspangen PDF
- Bundesarchiv zum Aufstand auf Ponape: Aufruhr auf Ponape
- Zeitgenössischer Bericht: Gartzke, „Der Aufstand in Ponape und seine Niederwerfung durch S. M. Schiffe Emden, Nürnberg, Cormoran und Planet", Marine-Rundschau 1911.
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Thomas Huss & Söhne / German Historica
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Quellen: Traditionsverband - Gefechtsspangen PDF; Bundesarchiv - Aufruhr auf Ponape; Gartzke, „Der Aufstand in Ponape und seine Niederwerfung durch S. M. Schiffe Emden, Nürnberg, Cormoran und Planet", Marine-Rundschau 1911.