Marinemützen und Marineuniformen der deutschen Marine haben eine lange Geschichte. Von der Kaiserlichen Marine über die Reichsmarine und Kriegsmarine bis zur Bundesmarine blieben viele traditionelle Uniformformen erhalten. Veränderungen betrafen vor allem die Hoheitsabzeichen, Kokarden, Mützenbänder und einzelne Ausführungsdetails.

Weniger bekannt ist, dass Marineuniformen und Schirmmützen häufig über mehrere Jahrzehnte getragen wurden. Besonders Offiziere verwendeten ihre hochwertigen, privat beschafften Uniformstücke oft über einen langen Zeitraum. Bei Änderungen der Uniformvorschriften ließen sie diese entsprechend anpassen. So konnten Schirmmützen aus der Kaiserzeit noch in der Reichsmarine getragen werden und ältere Reichsmarinemützen später in der Kriegsmarine. Auch nach 1945 wurden Teile der bisherigen Marinebekleidung weiterverwendet.

Für die Bestimmung, die Bewertung und den Ankauf historischer Marinemützen und Marineuniformen sind diese Übergänge von besonderem Interesse.

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Marinemützen und Marineuniformen – Schirmmützen, Tellermützen, Schiffchen und Mützenbänder

Die deutsche Marine verwendete je nach Dienstgrad, Anzugsart und Einsatzgebiet unterschiedliche Kopfbedeckungen.

KopfbedeckungVerwendung
SchirmmützeOffiziere, Deckoffiziere und bestimmte Unteroffiziersdienstgrade
Tellermütze / MatrosenmützeMannschaften und Unteroffiziere ohne Portepee
Bordmütze / SchiffchenBord-, Arbeits- und Gefechtsdienst
FeldmützeInsbesondere Marineeinheiten im Landdienst
Tropenmütze und TropenhelmDienst in warmen Klimazonen
SüdwesterWetterschutz an Bord
Zweispitz / ZweimasterHistorische Gala- und Paradeuniformen
StahlhelmMarineartillerie, Küstenartillerie und Gefechtsdienst

Die bekanntesten Kopfbedeckungen sind die Schirmmützen der Offiziere und die Tellermützen der Mannschaften.

Kaiserliche Marine 1871–1918

Die Kaiserliche Marine übernahm zahlreiche Uniformtraditionen der preußischen Marine. Dunkelblaue und weiße Uniformen gehörten ebenso zum Erscheinungsbild wie die schirmlosen Tellermützen der Mannschaften.

Tellermützen und Mützenbänder

Die Tellermütze besaß einen flachen, runden Mützendeckel, eine Kokarde in den Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot und ein schwarzes Mützenband.

Auf den Bändern standen unter anderem Schiffsnamen, Marineeinheiten oder die Bezeichnung „Kaiserliche Marine“. Seit 1890 wurde den Schiffsnamen auf den Mützenbändern die Bezeichnung „S.M.S.“ für „Seiner Majestät Schiff“ vorangestellt. Die Mützenbänder ermöglichen teilweise eine Zuordnung zu bestimmten Schiffen, Ausbildungsstätten oder Marineverbänden.

Schirmmützen der Kaiserlichen Marine

Offiziere, Deckoffiziere und höhere Unteroffiziere trugen Schirmmützen in unterschiedlichen Ausführungen. Kennzeichnend für die Schirmmützen der Seeoffiziere waren die Kaiserkrone, die Nationalkokarde und der goldfarbene Eichenlaubkranz.

Daneben gab es weiße Schirmmützen sowie besondere Ausführungen für verschiedene Laufbahnen und Dienststellungen. Zur Galauniform bestimmter Offiziere gehörte außerdem der Zweispitz, auch Zweimaster genannt.

Warum Marineoffiziersuniformen oft jahrzehntelang getragen wurden

Marineuniformen waren keineswegs billige Kleidungsstücke. Besonders die Uniformen der Offiziere wurden häufig aus hochwertigen Stoffen gefertigt und waren entsprechend kostspielig.

Während Mannschaften ihre Bekleidung überwiegend dienstlich erhielten, mussten Offiziere ihre Uniformen und Schirmmützen grundsätzlich selbst beschaffen und bezahlen. Viele ließen ihre Uniformen bei spezialisierten Schneidern und ihre Schirmmützen bei Mützenmachern anfertigen. Feine Wollstoffe, hochwertige Innenfutter, Leder und aufwendige Stickereien bestimmten den Preis. Hinzu kam, dass Offiziere für unterschiedliche Anlässe mehrere Uniformen benötigten.

Diese Bekleidungsstücke wurden deshalb sorgfältig gepflegt und möglichst lange getragen. Änderten sich die Uniformvorschriften, konnten häufig Abzeichen, Knöpfe oder andere Bestandteile ausgetauscht werden, ohne die gesamte Uniform ersetzen zu müssen.

Diese Praxis erklärt, warum manche historischen Marinemützen wesentlich älter sind als die zuletzt an ihnen getragenen Abzeichen.

Kieler Uniformschneider und Marineausstatter

Viele Offiziersuniformen und Schirmmützen tragen Etiketten der Schneider, Mützenmacher oder Ausstatter, die sie angefertigt oder geliefert haben. Gerade Kieler Firmen begegnen bei Marineuniformen immer wieder. Bekannte Kieler Firmen sind unter anderem:

  • Kort, Kiel
  • Karstadt, Kiel
  • Geiger, Kiel
  • J. Robrecht, Kiel. Kaiserliche Marine und Kriegsmarine, später mit dem Zusatz „Inh. Hans Thiele“.
  • Wilh. Witte, Kiel
  • Hermann Holstein, Kiel und Wilhelmshaven
  • Gutscher & Merkert, Kiel und Flensburg
  • Jul. C. Schneider, Kiel. Knöpfe und Effekten.

Daneben finden sich Etiketten der Offizierskleiderkasse der Kriegsmarine Kiel und des Marinebekleidungsamts Kiel.

Firmenname, Inhaberangabe und Ort können bei der Einordnung einer Uniform oder Mütze helfen, wenn sie mit der übrigen Ausführung zeitlich zusammenpassen.

Von der Kaiserlichen Marine zur Reichsmarine

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 wurden zahlreiche Angehörige der Kaiserlichen Marine in die nachfolgenden Marineorganisationen übernommen. Mit der Aufstellung der Reichsmarine blieben viele bisherige Uniformformen bestehen. Vorhandene Schirmmützen konnten nach Anpassung an die neuen Vorschriften weitergetragen werden.

Bei älteren Offiziersmützen wurden beispielsweise die kaiserlichen Abzeichen entfernt und durch die nun vorgeschriebenen Ausführungen ersetzt. Damit konnte eine bereits vor 1918 angeschaffte Schirmmütze noch während der Reichsmarinezeit verwendet werden.

Eine Schirmmütze mit Reichsmarineabzeichen muss deshalb nicht zwangsläufig zwischen 1919 und 1935 hergestellt worden sein.

Auch die Mützenbänder der Mannschaften wurden den neuen Verhältnissen angepasst. Neben der Bezeichnung „Reichsmarine“ gab es weiterhin Bänder mit Schiffsnamen und Einheitsbezeichnungen.

Von der Reichsmarine zur Kriegsmarine 1935

Am 1. Juni 1935 wurde die Reichsmarine offiziell in Kriegsmarine umbenannt. Die bisherigen Marineangehörigen wurden übernommen, und auch große Teile der vorhandenen Uniformbekleidung blieben zunächst in Gebrauch.

Besonders bei privat beschafften Offiziersuniformen bestand kein Anlass, brauchbare und kostspielige Kleidungsstücke vollständig zu ersetzen, sofern eine vorschriftsmäßige Weiterverwendung möglich war. Ältere Schirmmützen konnten mit den neuen Hoheitsabzeichen versehen werden.

Deshalb finden sich bei Kriegsmarine-Schirmmützen gelegentlich Merkmale, die auf eine Herstellung während der Reichsmarinezeit oder sogar auf noch ältere Fertigungen hinweisen. Ob eine solche Veränderung tatsächlich während der Dienstzeit vorgenommen wurde, muss allerdings am einzelnen Stück geprüft werden.

Marinemützen der Kriegsmarine 1935–1945

Schirmmützen der Kriegsmarine

Die Kriegsmarine verwendete dunkelblaue und weiße Schirmmützen. Unterschiede bestanden zwischen den Ausführungen für Unteroffiziere mit Portepee, Offiziere, Stabsoffiziere und Admirale.

Wichtige Merkmale waren die Hoheitsabzeichen, der Eichenlaubkranz mit Kokarde sowie die Verzierungen des Mützenschirms. Bei höheren Offiziersdienstgraden kamen zusätzliche goldfarbene Schirmstickereien hinzu.

Ein Teil der weißen Schirmmützen besaß abnehmbare Bezüge. Daneben gab es privat beschaffte Ausführungen mit unterschiedlich aufwendiger Verarbeitung. Mützenform, Materialqualität und Innenausstattung können Hinweise auf Hersteller und Fertigungszeitraum geben.

Tellermützen und Mützenbänder der Kriegsmarine

Die Mannschaften und Unteroffiziere ohne Portepee trugen weiterhin die traditionelle Tellermütze. Vor Kriegsbeginn waren Mützenbänder mit Schiffsnamen und Bezeichnungen verschiedener Marineeinheiten gebräuchlich.

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde im September 1939 aus Geheimhaltungsgründen die allgemeine Beschriftung „Kriegsmarine“ angeordnet. Die bisherigen Bänder wurden nach und nach ersetzt.

Ältere Mützenbänder mit Schiffsnamen sind deshalb besonders interessant, wenn sich ihre Herkunft und ursprüngliche Verwendung nachvollziehen lassen.

Bordmützen und Schiffchen

Für den täglichen Borddienst wurden praktische Kopfbedeckungen benötigt. Dazu gehörten dunkelblaue Schiffchen in verschiedenen Ausführungen. Unterschiede bestanden bei den Materialien und Abzeichen, bei bestimmten Dienstgradgruppen auch in der Paspelierung.

Auch U-Boot-Besatzungen verwendeten solche Kopfbedeckungen. Die häufig anzutreffende Bezeichnung „U-Boot-Mütze“ ist jedoch kein Beweis für eine tatsächliche Verwendung auf einem U-Boot.

Marineartillerie, Marineflak und Küstenartillerie trugen außerdem feldgraue Uniformen mit entsprechenden Schirm- und Feldmützen.

Marineuniformen nach 1945 – Weiterverwendung ohne Abzeichen

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verschwanden die bisherigen Kriegsmarineuniformen nicht. Viele ehemalige Marineangehörige besaßen weiterhin ihre Uniformen und Schirmmützen. Besonders hochwertige Offiziersbekleidung wurde nicht einfach weggeworfen. In der unmittelbaren Nachkriegszeit herrschte zudem großer Mangel an Bekleidung.

Zahlreiche Uniformstücke wurden deshalb nach Entfernung der militärischen beziehungsweise nationalsozialistischen Abzeichen weiterverwendet oder für zivile Zwecke abgeändert. Das betraf auch Schirmmützen.

Heute findet man deshalb gelegentlich ältere Marineoffiziersmützen, bei denen Hoheitsadler, Kokarden oder andere Abzeichen fehlen. Solche Stücke sind nicht zwangsläufig unvollständig gewordene Sammlerstücke. Die Entfernung der Abzeichen kann bereits unmittelbar nach Kriegsende erfolgt sein.

Der Deutsche Minenräumdienst (GMSA)

Ein bekanntes Beispiel ist der Deutsche Minenräumdienst, die German Mine Sweeping Administration (GMSA). Nach Kriegsende wurden ehemalige Angehörige der Kriegsmarine unter alliierter Aufsicht zur Räumung der zahlreichen Seeminen in Nord- und Ostsee eingesetzt.

Anfangs trugen sie ihre bisherigen Marineuniformen weiter, allerdings ohne die nationalsozialistischen Kennzeichen. Erst im Mai 1946 wurden neue Arbeitsuniformen und eigene Dienstgradabzeichen eingeführt. Damit wurden Uniformen der früheren Kriegsmarine auch nach 1945 noch dienstlich getragen.

Eine alte Kriegsmarine-Schirmmütze ohne Hoheitsabzeichen lässt sich allerdings nicht allein deshalb dem Deutschen Minenräumdienst zuordnen. Hierfür sind weitere Anhaltspunkte erforderlich.

Bundesmarine ab 1956

Mit der Gründung der Bundesmarine 1956 wurden traditionelle Formen der deutschen Marinebekleidung wieder aufgegriffen. Zahlreiche ehemalige Angehörige der Kriegsmarine traten erneut in den Marinedienst ein. Die klassische Offiziersschirmmütze, die Tellermütze der Mannschaften und das Schiffchen blieben Bestandteil der Marineuniform.

Aufgrund der ähnlichen Grundformen ist eine Weiterverwendung einzelner älterer Schirmmützen grundsätzlich denkbar. Ob tatsächlich eine ehemalige Kriegsmarine-Mütze in der Bundesmarine weitergetragen wurde, muss jedoch anhand des jeweiligen Stücks oder seiner Herkunft nachgewiesen werden. Die bloße Ähnlichkeit zwischen beiden Ausführungen genügt dafür nicht.

Kopfbedeckungen der Volksmarine der DDR

Auch die Volksmarine verwendete traditionelle Marinekopfbedeckungen. Neben Schirmmützen gehörten Tellermützen und Bordmützen zur Uniformausstattung. Die Unterschiede gegenüber der Bundesmarine bestanden insbesondere in den Kokarden, Hoheitsabzeichen und Mützenbändern.

Die Ausführungen der frühen DDR-Seestreitkräfte und der späteren Volksmarine bilden ein eigenes Sammelgebiet.

Alte Marinemützen erkennen und bestimmen

Bei der Bestimmung historischer Marinekopfbedeckungen sollte nicht nur auf die vorhandenen Abzeichen geachtet werden. Wichtige Merkmale sind:

  • Form und Verarbeitung des Mützenkörpers
  • Material und Stoffqualität
  • Mützenschirm und Schirmverzierungen
  • Kokarde und Hoheitsabzeichen
  • Mützenband und dessen Beschriftung
  • Innenfutter und Schweißleder
  • Herstellerkennzeichnungen
  • Ursprüngliche Nähte und Befestigungsspuren
  • Zeitgenössische Reparaturen und Veränderungen

Besonders bei Offiziersschirmmützen können Innenausstattung und Verarbeitung Hinweise auf den Fertigungszeitraum geben.

Eine alte Schirmmütze mit späteren Abzeichen muss nicht zwangsläufig eine nachträgliche Sammlerzusammenstellung sein. Ebenso wenig beweisen originale Abzeichen, dass diese bereits während der Dienstzeit an der Mütze angebracht waren. Die gesamte Ausführung muss zeitlich zusammenpassen.

Marinemützen ohne Abzeichen

Alte Marineoffiziersmützen ohne Abzeichen lassen sich häufig noch anhand ihrer Konstruktion und Verarbeitung einordnen. Befestigungsspuren, frühere Nähte oder Verfärbungen können Hinweise auf entfernte Abzeichen geben. Gerade bei Stücken aus der unmittelbaren Nachkriegszeit sollte eine mögliche Weiterverwendung berücksichtigt werden.

Auch fehlende oder beschädigte Mützenbänder bedeuten nicht automatisch, dass eine Tellermütze keinen Sammlerwert mehr besitzt.

Marineuniformen, Marinemützen und Mützenbänder – Originalität und Wert

Der Wert historischer Marineuniformen und Kopfbedeckungen hängt vor allem von ihrer Ausführung, Originalität, Seltenheit und Erhaltung ab. Eine besondere Bedeutung kann die nachweisbare Herkunft haben. Das gilt beispielsweise für Schirmmützen, die sich einem bestimmten Offizier zuordnen lassen, oder für geschlossene Marinenachlässe mit Uniformen, Mützenbändern, Fotografien und Dokumenten.

Auch zeitgenössisch abgeänderte Uniformstücke können sammlerisch interessant sein. Bei der Beurteilung muss allerdings zwischen Veränderungen während der tatsächlichen Verwendung und späteren Ergänzungen unterschieden werden.

Historische Uniformen sollten möglichst im vorgefundenen Zustand belassen werden. Unsachgemäße Reinigung oder das Ergänzen vermeintlich fehlender Abzeichen kann die historische Substanz und den Sammlerwert beeinträchtigen.


Historische Marineuniformen, Schirmmützen und Mützenbänder – Bestimmung und Ankauf

Kontakt

Thomas Huss & Söhne / German Historica

Direkter Draht für Fragen rund um Ankauf, Bewertung und historische Einordnung militärhistorischer Objekte.

Rechtlicher Hinweis (§§ 86, 86a StGB): Hoheitsabzeichen der Kriegsmarine zeigen ein Hakenkreuz. Abbildung und Beschreibung erfolgen ausschließlich zur historischen Dokumentation und staatsbürgerlichen Aufklärung im Sinne von § 86 Abs. 4 StGB.