Der Dolch für Offiziere der Wasserschutzpolizei von Alcoso gehört zu den seltensten Blankwaffen des Dritten Reiches. Woran das liegt, zeigt ein Blick auf die Wasserschutzpolizei selbst.
Die Wasserschutzpolizei im Dritten Reich
Die Wasserschutzpolizei war im Dritten Reich kein Teil der Kriegsmarine, sondern ein kleiner Spezialzweig der Ordnungspolizei. Sie gehörte damit zum polizeilichen Bereich und nicht zur Wehrmacht. Ihre Beamten waren Polizeibeamte, keine Marinesoldaten.
Der Ursprung lag im Reichswasserschutz der Weimarer Zeit. Dieser hatte 1919 eine Stärke von etwa 2.150 Mann und verfügte über zahlreiche Motor-, Dampf-, Schlepp- und Ruderboote. Nach der Auflösung des Reichswasserschutzes 1931 wurde der größte Teil des Personals und Materials von der preußischen Schutzpolizei übernommen. 1937 wurden die preußische Wasserschutzpolizei sowie die Rheinpolizeien von Baden, Bayern und Hessen wieder unmittelbar dem Reich unterstellt.
Reichsweit dürfte die Wasserschutzpolizei im Kernbestand nur etwa 2.000 bis 3.000 Beamte umfasst haben. Während des Krieges kann man durch Erweiterung der Aufgaben, Abordnungen und Einsatzstellen in besetzten Gebieten vorsichtig von etwa 3.000 bis 4.000 Mann im erweiterten Kriegsbestand ausgehen. Eine exakte Gesamtzahl ist bisher nicht sauber belegt, die Größenordnung ist aber realistisch.
Die Zahl der Offiziere und Führer war entsprechend klein. Im Kernbestand dürfte sie nur im niedrigen dreistelligen Bereich gelegen haben, etwa bei 100 bis 200 Offizieren und Führern. In der Kriegszeit, mit zusätzlichen Kommandos und Einsätzen außerhalb des Reichsgebietes, kann man vorsichtig von etwa 150 bis 300 Offizieren und Führern ausgehen. Der Kreis der höheren Führerstellen, also Major, Oberstleutnant oder Oberst der Wasserschutzpolizei, dürfte nur wenige Dutzend Personen umfasst haben.
Einsatzraum und Aufgaben
Der Einsatzraum der Wasserschutzpolizei lag auf Binnenwasserstraßen, Flüssen, Kanälen, Häfen, Schleusen, Küstenabschnitten und wichtigen Schifffahrtswegen. Dazu gehörten unter anderem Rhein, Elbe, Weser, Oder, Ostsee- und Nordseeküste sowie große Hafenplätze wie Hamburg, Bremen, Kiel, Lübeck, Stettin und Königsberg. In Schleswig-Holstein bestanden während der NS-Zeit unter anderem WSP-Reviere in Flensburg, Kiel und Lübeck mit Station Travemünde; ab 1941 ist in Kiel ein WSP-Kommando „Westliche Ostsee" genannt.
Die Aufgaben lagen in der Überwachung des Schiffsverkehrs, der Kontrolle von Besatzungen und Ladungen, der Bekämpfung von Schmuggel, Diebstahl und unerlaubtem Verkehr, der Sicherung von Häfen, Schleusen, Wasserstraßen und kriegswichtigen Anlagen sowie in Ermittlungs- und Kontrollaufgaben im Bereich der Schifffahrt.
Während des Krieges erweiterten sich diese Aufgaben deutlich. Zur normalen Hafen- und Wasserpolizeiarbeit kamen Küsten- und Hafensicherung, Kontrollen im Zusammenhang mit kriegswichtigen Transporten, Überwachung von Schiffsbewegungen, Sicherung besetzter Hafenanlagen und Einsätze in besetzten Gebieten hinzu.
Belegt sind Einsätze von Wasserschutzpolizisten unter anderem in Norwegen, Dänemark, den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Später kamen auch Einsätze im Osten hinzu, unter anderem im Raum Kiew, Pinsk und Bobruisk sowie auf dem Dnjepr mit Booten. In der Literatur werden außerdem auswärtige Einsatzräume wie Donau, Weichsel, Niederlande/IJsselmeer, Ostland, Adria, Serbien, Weißrussland, Ukraine, Ungarn, Dänemark und Norwegen genannt.
Kiel und der Kaiser-Wilhelm-Kanal
Kiel war dabei kein beliebiger Standort: Die Stadt lag am Übergang zwischen Ostsee und Kaiser-Wilhelm-Kanal, einer der meistbefahrenen Kunstwasserstraßen Europas, über die ziviler wie militärischer Schiffsverkehr zwischen Nord- und Ostsee lief. Kontrolle und Sicherung dieses Nadelöhrs gehörten damit zu den Aufgaben, die dem WSP-Revier Kiel zufielen.
Zur Kriegsmarine bestanden praktische Überschneidungen, besonders in Häfen, an der Küste und bei Sicherungsaufgaben. Die Abgrenzung blieb aber klar: Die Kriegsmarine führte den militärischen Seekrieg mit Kriegsschiffen, U-Booten, Minenverbänden und Marineeinheiten. Die Wasserschutzpolizei war für polizeiliche Überwachung, Kontrolle, Sicherung und Ermittlungen auf dem Wasser und in den Häfen zuständig.
Warum Führerdolche der Wasserschutzpolizei so selten sind
Trotz der erweiterten Kriegsaufgaben blieb die Wasserschutzpolizei zahlenmäßig klein. Sie war keine große Truppe, sondern ein spezialisierter Polizeizweig mit begrenztem Personalbestand und wenigen Führerstellen. Genau daraus erklärt sich, warum Führer- oder Offiziersstücke der Wasserschutzpolizei nur in sehr geringer Zahl benötigt wurden — und warum ein Stück wie dieser Alcoso-Dolch heute entsprechend selten ist.
Zum Dolch selbst
Das Griffemblem entspricht grundsätzlich dem bekannten Abzeichen des Polizei-Führerdegens. Es dürfte aus Cupal gefertigt sein, weicht jedoch in Details von anderen bekannten Stücken ab. Der Griff besitzt einen Holzkern und ist mit Leder überzogen. Klinge, Parierstange und Scheide entsprechen in Ausführung und Verarbeitung der bekannten Alcoso-Fertigung. Nach meiner Einschätzung dürfte Alcoso der alleinige Hersteller dieser Dolche gewesen sein. Der Dolch zeigt die typischen Altersspuren.
Quellen
Georg Tessin: Die Stäbe und Truppeneinheiten der Ordnungspolizei im 2. Weltkrieg, in: Neufeldt, Huck, Tessin, Zur Geschichte der Ordnungspolizei 1936–1945, Schriftenreihe des Bundesarchivs 3, Teil II, Koblenz 1957. — Philippe Müller: Polizisten oder „Polizeisoldaten". Planung und Einsatz der Ordnungspolizei während des Dritten Reiches, Verlag für Polizeiwissenschaft, Frankfurt a. M. 2019. — Peter Bröhl: Vom Nordkap bis zum Asowschen Meer: Deutsche Wasserschutzpolizei im Zweiten Weltkrieg, Verlag für Polizeiwissenschaft. — Rudolf Absolon: Die Wehrmacht im Dritten Reich, Schriften des Bundesarchivs, Band V, Boppard 1988. — Werner Fox / Günther Meyer: Der Reichswasserschutz (R.W.S.). Eine Weimarer Episode.
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Thomas Huss & Söhne / German Historica
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Quellen: Tessin, Müller, Bröhl, Absolon, Fox/Meyer (vollständige Angaben siehe oben)