Erinnerungskreuz 1848/49 – Pionier J. C. D. Mess der schleswig-holsteinischen Armee, in einer alten, privat angefertigten Silbermontierung mit Gravur. Die beiden Leisten nennen die Truppenzugehörigkeit und den Namen des Trägers: „Schl. Holst. Pionier C." und „J. C. D. Mess". Der Familienname ist als Mess zu lesen, die genaue Pionier-Kompanie lässt sich anhand des Stückes nicht feststellen.
- Das Erinnerungskreuz für die schleswig-holsteinische Armee 1848/49
- Aus den Kanonen des dänischen Kriegsschiffes „Christian VIII."
- Die Schleswig-Holsteinische Erhebung 1848 bis 1851
- Die Pioniere der schleswig-holsteinischen Armee
- Der Pionier J. C. D. Mess
- Die Silbermontierung mit Gravur
- Bezeichnung
- Quellen
Das Erinnerungskreuz für die schleswig-holsteinische Armee 1848/49
Das Erinnerungskreuz wurde am 2. Juli 1850 für Angehörige der schleswig-holsteinischen Armee gestiftet, die an den Kämpfen der Jahre 1848 und 1849 teilgenommen hatten.
Das Kreuz besteht aus geschwärztem Eisen. Auf den seitlichen Kreuzarmen stehen die Jahreszahlen 1848 und 1849. Im runden Mittelschild befinden sich die Wappen von Schleswig und Holstein. Getragen wurde die Auszeichnung am blau-weiß-roten Band.
Die Rückseite ist glatt und ebenfalls geschwärzt. Neben der Ausführung mit den Jahreszahlen 1848 und 1849 sind auch Kreuze ohne Jahreszahlen bekannt.
Das hier vorgestellte Erinnerungskreuz 1848/49 gehört eindeutig zur Schleswig-Holsteinischen Erhebung von 1848 bis 1851. Mit dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 oder dem Deutschen Krieg von 1866 hat diese Auszeichnung nichts zu tun.
Aus den Kanonen des dänischen Kriegsschiffes „Christian VIII."
Nach der ordenskundlichen Überlieferung wurden die Erinnerungskreuze aus dem Eisen erbeuteter Geschütze des dänischen Linienschiffes Christian VIII. hergestellt.
Die Christian VIII. gehörte zu einem dänischen Geschwader, das am 5. April 1849 die schleswig-holsteinischen Küstenbatterien bei Eckernförde angriff. Das Linienschiff wurde während des Gefechts in Brand geschossen und explodierte am Abend. Die ebenfalls beteiligte dänische Fregatte Gefion wurde erbeutet.
Das Gefecht hatte auf den weiteren Verlauf des Krieges nur begrenzten militärischen Einfluss, wurde aber zu einem der bekanntesten Ereignisse der Schleswig-Holsteinischen Erhebung.
Die Schleswig-Holsteinische Erhebung 1848 bis 1851
Schleswig und Holstein gehörten zum dänischen Gesamtstaat, besaßen jedoch unterschiedliche staatsrechtliche Stellungen. Holstein war Mitglied des Deutschen Bundes, Schleswig dagegen nicht. Gleichzeitig unterstanden beide Herzogtümer dem dänischen König.
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts verschärfte sich der Gegensatz zwischen der deutschen und der dänischen Nationalbewegung. Die dänischen Nationalliberalen wollten Schleswig enger an Dänemark binden. Die deutsch gesinnten Schleswig-Holsteiner forderten dagegen die gemeinsame Zugehörigkeit beider Herzogtümer und die Aufnahme Schleswigs in den Deutschen Bund.
Am 24. März 1848 wurde in Kiel eine Provisorische Regierung für Schleswig-Holstein ausgerufen — mehr zur Geschichte der Stadt in dieser Zeit im Kiel-Blog. Am folgenden Tag besetzten die Aufständischen die Festung Rendsburg und übernahmen die dort vorhandenen Waffen, Geschütze und militärischen Einrichtungen. Rendsburg bildete damit die Grundlage für die Aufstellung einer eigenen schleswig-holsteinischen Armee.
Die ersten schleswig-holsteinischen Truppen bestanden aus Soldaten der bisherigen dänischen Verbände, Freiwilligen, Studenten und Turnern. Nach der Niederlage bei Bau am 9. April 1848 griffen Preußen und weitere Truppen des Deutschen Bundes in den Krieg ein.
Am 23. April 1848 besiegten preußische und schleswig-holsteinische Truppen die dänische Armee bei Schleswig. Der weitere Vormarsch nach Jütland führte jedoch zum Eingreifen der europäischen Großmächte. Auf deren Druck schlossen Preußen und Dänemark am 26. August 1848 den Waffenstillstand von Malmö. Die Schleswig-Holstein-Frage blieb ungelöst.
Im Frühjahr 1849 wurden die Kämpfe wieder aufgenommen. In diese Kriegsphase fiel das Gefecht bei Eckernförde am 5. April 1849.
Nach dem Rückzug der preußischen und übrigen deutschen Bundestruppen führte die schleswig-holsteinische Armee den Krieg 1850 weitgehend allein weiter. Am 25. Juli 1850 erlitt sie bei Idstedt eine schwere Niederlage. Auch der Angriff auf Friedrichstadt im Oktober 1850 scheiterte.
Anfang 1851 wurde die schleswig-holsteinische Armee aufgelöst. Die Herzogtümer blieben zunächst Bestandteil des dänischen Gesamtstaates. Der Konflikt um Schleswig und Holstein war damit jedoch nicht beendet und führte 1864 erneut zum Krieg.
Die Pioniere der schleswig-holsteinischen Armee
Die Gravur weist J. C. D. Mess als Angehörigen der schleswig-holsteinischen Pioniertruppe aus.
Die Pioniere wurden für Schanzarbeiten, Feldbefestigungen, Brückenbau, Übergänge und weitere technische Arbeiten eingesetzt. Zu den Pioniertruppen gehörten neben den eigentlichen Pionieren auch Sappeure und Pontonniere.
Die Akten der schleswig-holsteinischen Armee nennen eine 1., 2. und 3. Pionier-Kompanie sowie das Ingenieurkorps. Erhalten sind unter anderem Personalunterlagen, Militärgerichtsakten und Angaben zu einzelnen Pionieren, Sappeuren und Pontonnieren.
Aus den Akten geht außerdem hervor, dass Angehörige der Pionier-Kompanien 1848 bis 1850 bei Schanzarbeiten und anderen technischen Aufgaben eingesetzt waren. Die Pioniertruppe unterstand der militärischen Führung der schleswig-holsteinischen Armee und war nicht mit dem späteren preußischen Schleswig-Holsteinischen Pionier-Bataillon Nr. 9 zu verwechseln.
Der Pionier J. C. D. Mess
Die untere Gravur lautet: „J. C. D. Mess".
Die Initialen der Vornamen des Pioniers Mess lassen sich anhand des Stückes nicht auflösen. Auch die genaue Pionier-Kompanie ist auf der Brosche nicht genannt.
Im Landesarchiv Schleswig-Holstein befindet sich unter der Signatur Abt. 55 Nr. 2380 eine Namensliste der Kombattanten und Nichtkombattanten des Ingenieurkorps, die zum Tragen des Erinnerungskreuzes berechtigt waren. Daneben sind weitere Verleihungslisten, Verzeichnisse bereits ausgezeichneter Soldaten sowie Unterlagen über ausgegebene Kreuze, Bänder und Verleihungsurkunden erhalten.
Über diese Unterlagen könnte möglicherweise der vollständige Name von J. C. D. Mess und seine genaue Einheit ermittelt werden. Ein sicherer personeller Nachweis liegt bisher nicht vor.
Die Silbermontierung mit Gravur
Die rechteckige Montierung wurde über das Band gesetzt und gehörte nicht zur offiziellen Ausführung des Erinnerungskreuzes.
Auf der Rückseite befindet sich eine lange Nadel mit Scharnier und Haken. Die beiden gravierten Leisten halten das gefaltete Band in der Fassung.
Die obere Gravur nennt die Truppenzugehörigkeit, die untere den Namen des Trägers. Die Schreibweise lautet vollständig:
„Schl. Holst. Pionier C."
„J. C. D. Mess"
Bezeichnung
Schleswig-Holsteinisches Erinnerungskreuz 1848/49 in alter Silbermontierung des Pioniers J. C. D. Mess, Schleswig-Holsteinische Pioniertruppe. Weitere Objekte dieser Art finden sich in unserer Militaria-Infothek.
Quellen
- Nimmergut, Jörg: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945. Standardkatalog (Erinnerungskreuz für die schleswig-holsteinische Armee 1848/49, Kat.-Nr. 2734).
- Scharfenberg, Gerd / Merta, Klaus-Peter: „Das Erinnerungszeichen für die schleswig-holsteinische Armee an die Kriegsjahre 1848/1849". In: Orden und Ehrenzeichen – Das Magazin für Sammler und Forscher, 2. Jg., Heft 9 (Oktober 2000), S. 24–30.
- Merta, Klaus-Peter / Scharfenberg, Gerd: „Ehrenzeichen erinnern an den Feldzug des Deutschen Bundes von 1848 und 1849 in Schleswig-Holstein". In: BDOS-Jahrbuch 2000, S. 26–38.
- Landesarchiv Schleswig-Holstein, Abt. 55 Nr. 2380.
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Thomas Huss & Söhne / German Historica
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Quellen: siehe Abschnitt „Quellen" oben (Nimmergut; Scharfenberg/Merta; Merta/Scharfenberg; Landesarchiv Schleswig-Holstein, Abt. 55 Nr. 2380).