Lübeck war bis 1937 ein eigenständiger Stadtstaat – eine der drei Hansestädte mit eigener Militärgeschichte, eigenen Regimentern und einem eigenen Orden. Militaria aus dem Lübecker Raum hat deshalb eine unverwechselbare Signatur, die sich in Nachlässen, Ordensspangen, Militärpässen und Fotos bis heute ablesen lässt.
Infanterie-Regiment „Lübeck" Nr. 162
Das militärisch bedeutsamste Regiment mit direktem Lübeck-Bezug ist das 3. Hanseatische Infanterie-Regiment Nr. 162, aufgestellt 1897. Es war das Lübecker Regiment schlechthin. In Militärpässen, Urkunden, Fotos und Ordensspangen aus Lübecker Nachlässen taucht die Regimentsnummer 162 regelmäßig auf. Wer einen Nachlass aus dem Ersten Weltkrieg aus dem Lübecker Raum in Händen hält, sollte diesen Regimentsbezug immer prüfen – er ist oft der Schlüssel zur Einordnung einzelner Stücke und ihrer Geschichte.
Lübeckisches Hanseatenkreuz
Der wichtigste Orden mit direktem Lübeck-Bezug ist das Lübeckische Hanseatenkreuz, gestiftet 1915 gemeinsam mit Hamburg und Bremen. Verliehen wurde es für Verdienste im Ersten Weltkrieg. Die Vorderseite zeigt das Lübecker Stadtwappen auf einem rot emaillierten Kreuz, die Rückseite trägt die Inschrift „Für Verdienst im Kriege 1914". Das Band ist rot-weiß geteilt.
In Lübecker Ordensspangen findet es sich regelmäßig in Kombination mit dem Eisernen Kreuz 1914, dem Verwundetenabzeichen 1918 und dem Frontkämpfer-Ehrenkreuz. Es ist das eindeutigste Erkennungsmerkmal eines Lübecker Kriegsteilnehmers aus dem Ersten Weltkrieg und für die Bewertung eines kompletten Nachlasses von zentraler Bedeutung.
Lübecker Nachlässe aus dem Ersten Weltkrieg
Lübecker Soldaten des Ersten Weltkriegs hinterließen Nachlässe, die bis heute in Familien erhalten sind: Militärpässe, Ordensspangen, Feldspangen, Fotos, Feldpost, Sterbebilder, Urkunden und Erinnerungsstücke. Das Regiment 162 war an der Westfront eingesetzt und erlitt hohe Verluste.
Weimarer Zeit und Zwischenkriegszeit
Nach 1918 blieb Lübeck von der Kriegserinnerung geprägt. Veteranenvereine, Kriegerdenkmäler und Regimentsgedenken hielten das Gedächtnis an das Regiment 162 und die Gefallenen wach. 1934 wurde das Frontkämpfer-Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer von 1914–1918 eingeführt – ein Stück, das in nahezu jedem Lübecker Nachlass aus dieser Generation vorkommt.
Lübeck im Zweiten Weltkrieg
1937 verlor Lübeck seine Eigenständigkeit. Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt kein klassischer Frontort, aber militärisch und industriell bedeutsam: durch den Hafen, durch die Flender-Werke in Lübeck-Herrenwyk als Rüstungsstandort und durch den Bau von U-Booten für die Kriegsmarine. Marine-Nachlässe aus dem Lübecker Raum können daher direkte Verbindungen zur Werftarbeit und zum U-Boot-Krieg aufweisen.
In der Nacht vom 28. auf den 29. März 1942 – bekannt als Palmarum 1942 – traf ein schwerer britischer Luftangriff die historische Altstadt. Die Zerstörungen an Kirchen, Bürgerhäusern und der Altstadtinsel waren erheblich. Dokumente, Fotos und Nachlässe aus dem Luftschutz, der Feuerwehr und den Hilfsdiensten stammen häufig aus dieser Zeit.
Am 2. Mai 1945 erreichten britische Truppen Lübeck. Die Stadt war zu diesem Zeitpunkt überfüllt mit Flüchtlingen, Verwundeten, Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. Nachlässe aus dem Kriegsende 1945 sind oft gemischter Natur: Wehrmacht, Kriegsmarine, Zivilverwaltung, Luftschutz und Flüchtlingsunterlagen liegen in denselben Kisten.
Militaria Lübeck – was in Nachlässen typischerweise vorkommt
Orden und Auszeichnungen
Lübeckisches Hanseatenkreuz, Pour le Mérite, Eisernes Kreuz 1914 und 1939, Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz, Deutsches Kreuz in Gold und Silber, Verwundetenabzeichen, Kriegsverdienstkreuz, Frontkämpfer-Ehrenkreuz, Feldspangen, Ordensspangen, Etuis, Verleihungstüten, Urkunden.
Uniformteile, Kopfbedeckungen und Ausrüstung
Pickelhauben, Stahlhelme, Schulterstücke, Kragenspiegel, Mützen, Koppelschlösser, Säbel, Dolche, Bajonette, Ferngläser, Kompasse, Offiziers-Silbergeschenke.
Dokumente und Fotos
Soldbücher, Wehrpässe, Militärpässe, Fotos, Fotoalben, Feldpost, Marineunterlagen, Luftschutzunterlagen, Sterbebilder, Entlassungspapiere.
Marine-Spezifika
Mützenbänder, Marinefotos, Werftunterlagen, Soldbücher Kriegsmarine, Effekten.
Militaria Lübeck verkaufen – Ankauf & Bewertung
Wer Militaria, Orden oder einen kompletten Nachlass aus dem Lübecker Raum verkaufen möchte, sollte sich an einen militärhistorisch bewanderten Händler wenden, der den regionalen Kontext kennt – das Regiment 162, das Hanseatenkreuz, die Flender-Werke, den Marinebezug. Nur dort ansässig zu sein ist noch lange keine Garantie für Expertise. Nur wer diese Zusammenhänge wirklich studiert hat, kann Stücke korrekt einordnen und bewerten.
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Thomas Huss & Söhne / German Historica
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Beitrag von Thomas Huss — Grundlage: eigene Fachkenntnis und Erfahrung aus dem Ankauf Lübecker Militaria-Nachlässe; ergänzt durch regimentshistorische Quellen zum IR 162