Vizeadmiral Karl Thäter (Ing.) – Der Wehrpass eines Marineingenieurs: Wieder einmal hatten wir das Glück, einen wirklich besonderen Wehrpass eines Vizeadmirals (Ing.) der Kriegsmarine vorliegen zu haben: Karl Thäter, geboren am 13. September 1886 in Kallies, Kreis Dramburg, gestorben am 14. Oktober 1962. Thäter durchlief die Laufbahn eines Ingenieuroffiziers – eine Laufbahn, die parallel zur klassischen Seeoffizierslaufbahn verlief und sich auf Schiffbau, Werftaufsicht und die Erprobung von Neubauten konzentrierte. Das hier vorgestellte Stück finden Sie in unserem Shop: Wehrpass eines Vizeadmirals (Ing.) der Kriegsmarine.


Erster Weltkrieg: Dienst auf U-Booten

Thäter trat um 1908/09 in die Kaiserliche Marine ein. Zu den frühen Bordkommandos zählten die Nassau und der Linienschiffskreuzer Kaiser Wilhelm der Große. Ab 1915 war er auf U 17 kommandiert, einem der ersten deutschen Hochsee-U-Boote überhaupt. Das Boot war 1910 bei der Kaiserlichen Werft Danzig in Auftrag gegeben und 1912 in Dienst gestellt worden, noch zu einer Zeit, als die Marineführung um Tirpitz dem U-Boot als Waffe skeptisch gegenüberstand. Diese Skepsis änderte sich, nachdem U 17 im Oktober 1914 mit der Versenkung des britischen Dampfers Glitra die erste Handelsschiffversenkung des Ersten Weltkriegs überhaupt gelang.

Später diente Thäter auf U 107, einem dieselelektrischen Boot der Germaniawerft Kiel, das im August 1917 in Dienst gestellt und der IV. U-Flottille in Emden und Borkum zugeteilt wurde. U 107 operierte im östlichen Nordatlantik und versenkte während seiner Einsätze mehrere Handelsschiffe, darunter mit der Flavia auch ein britisches Passagierschiff.

Der Dienst auf beiden Booten ist im Wehrpass durch die Bordkommando-Einträge belegt, ebenso durch das U-Boots-Kriegsabzeichen (verliehen am 7. April 1918) und das Eiserne Kreuz I. Klasse (verliehen am 22. September 1918). Als Ingenieuroffizier war Thäter dabei nicht für die Kommandoführung, sondern für Antrieb und Technik des Bootes verantwortlich, eine Aufgabe, die auf den engen, technisch anspruchsvollen Booten der damaligen Zeit ebenso gefährlich war wie der Kampfeinsatz selbst.

Zwischenkriegszeit: Reichsmarine

Nach 1918 setzte sich die Laufbahn in der Reichsmarine fort. Landkommandos folgten unter anderem an der Ingenieur- und Waffenschule Kiel, den Marineschulen Berlin und mehrfach an der Marineschule Kiel-Wik. Bordkommandos folgten auf Königsberg, Hamburg, Karlsruhe und Emden.

Flottenkommando und Erprobungskommando für Kriegsschiffneubauten

Von September 1936 bis Februar 1937 war Thäter dem Flottenkommando der Kriegsmarine zugeteilt. Anschließend übernahm er als Kapitän zur See, später als Konteradmiral, die Leitung des Erprobungskommandos für Kriegsschiffneubauten in Kiel, zuständig für die technische Abnahme neu gebauter Kriegsschiffe. Diese Position hatte er bis Ende November 1939 inne. Mehr zu Objekten dieser Zeit finden Sie in unserer Militaria-Infothek.

Konteradmiral, Vizeadmiral, Entlassung

Am 1. November 1938 wurde Thäter zum Konteradmiral (Ing.) befördert, am 1. Februar 1942 zum Vizeadmiral (Ing.). Am 31. August 1942 schied er aus dem aktiven Wehrdienst aus und trat am folgenden Tag zur Ergänzung der Kriegsmarine über.

Beförderungen

DatumRang
8.2.1922Kapitän (Ing.)
1.11.1928Korvettenkapitän (Ing.)
1.4.1933Fregattenkapitän (Ing.)
1.10.1934Kapitän zur See (Ing.)
1.11.1938Konteradmiral (Ing.)
1.2.1942Vizeadmiral (Ing.)
31.8.1942aus aktivem Wehrdienst entlassen
1.9.1942Übertritt zur Ergänzung der Kriegsmarine

Auszeichnungen

AuszeichnungDatum
Eisernes Kreuz II. Klasse1916
Eisernes Kreuz I. Klasse22.9.1918
U-Boots-Kriegsabzeichen 19187.4.1918
Kriegsverdienstkreuz I. Klasse30.1.1942
Kriegsverdienstkreuz II. Klasse16.4.1940
Frontkämpferehrenkreuz 14–181936

Einordnung: Vizeadmirale (Ing.) in Reichsmarine und Kriegsmarine

Der Rang eines Vizeadmirals (Ing.) war in Reichsmarine und Kriegsmarine selten. Laut einer Auszählung der Wikipedia-Liste deutscher Admirale gab es zwischen 1919 und 1945 rund 45 Flaggoffiziere mit dem Zusatz „(Ing.)": 2 Admirale, 12 Vizeadmirale, 31 Konteradmirale. Karl Thäter zählt zu den 12 Vizeadmiralen (Ing.).

Der Ing.-Zusatz kennzeichnete eine eigenständige, technisch ausgerichtete Laufbahn mit Schwerpunkt auf Schiffbau und Werftaufsicht statt Kommandoführung, in der der Aufstieg bis in Admiralsränge deutlich seltener war als bei den Seeoffizieren. Der Wehrpass des Vizeadmirals (Ing.) Karl Thäter ist damit ein seltener Beleg für die technische Seite der Marinelaufbahn zwischen Kaiserlicher Marine und Kriegsmarine. Weitere Objekte zur Ingenieuroffizierslaufbahn und U-Boot-Geschichte finden Sie im Militaria-Blog.

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Thomas Huss · Dipl.-Ing. · German Historica / Militaria Kiel

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