U-Boot-Kriegsabzeichen 1939 heißt die Auszeichnung, die am 13. Oktober 1939 durch den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Erich Raeder, gestiftet wurde. Verliehen wurde sie im Bereich des Befehlshabers der U-Boote, dessen Dienststelle unter Karl Dönitz den operativen Einsatz der deutschen U-Boote führte. Die Auszeichnung galt für sämtliche Dienstgrade einer vor dem Feind eingesetzten U-Boot-Besatzung, also nicht nur für Kommandanten und Offiziere, sondern ebenso für Unteroffiziere und Mannschaftsdienstgrade.
Inhalt
- Stiftung und Vorgeschichte
- Verleihungsbedingungen
- Verleihungsurkunde und Nachlassunterlagen
- Entwurf, Gestaltung und Maße
- Materialien und Fertigungsarten
- Hersteller im Überblick
- Einzelne Hersteller im Detail
- Unmarkierte Abzeichen
- Bekannte Varianten
- U-Boot-Kriegsabzeichen mit Brillanten
- Trageweise
- Verleihungszahlen
- Abgrenzung zur U-Boot-Frontspange
- Originale und Kopien unterscheiden
- Beschädigte und entnazifizierte Stücke
- Die Ausführung von 1957
- Bedeutung für Sammler und Familiennachlässe
- Wert eines U-Boot-Kriegsabzeichens
- Häufige Fragen
Das U-Boot-Kriegsabzeichen 1939
Stiftung und Vorgeschichte
Das U-Boot-Kriegsabzeichen 1939 war die 1939 geschaffene Fortsetzung des am 1. Februar 1918 gestifteten U-Boot-Kriegsabzeichens der Kaiserlichen Marine. Das frühere Abzeichen verlangte grundsätzlich drei Feindfahrten und zeigte oberhalb des U-Bootes die Kaiserkrone. Die Neustiftung von 1939 orientierte sich an dieser Vorgängerform, wurde aber an die Symbolik der Kriegsmarine nach 1933 angepasst.
Verleihungsbedingungen
Als reguläre Voraussetzung galt die Teilnahme an mindestens zwei Feindfahrten. Daneben mussten allgemeine Würdigkeit, gute Führung und Bewährung im Dienst gegeben sein. In den sechs Monaten vor der Verleihung sollte keine Arreststrafe verbüßt worden sein.
Von der vorgeschriebenen Anzahl der Feindfahrten konnte abgewichen werden:
- Verwundung — während einer Feindfahrt erlitten.
- Besondere Einzeltat — herausragende Einzelleistung im Einsatz.
- Außergewöhnliche Bewährung — im Operationsgebiet gezeigt.
- Besonders erfolgreiche erste Feindfahrt — bereits nach einer Unternehmung möglich.
- Tod oder Verwundung im Einsatz — auch postume Verleihung.
Entscheidend war somit nicht ausschließlich die Zahl der Unternehmungen. In begründeten Ausnahmefällen konnte das Abzeichen bereits nach einer Feindfahrt verliehen werden. Die Verleihungsdaten zahlreicher U-Boot-Fahrer und Kommandanten sind heute noch in Personalunterlagen, Wehrpässen, Soldbüchern, Urkunden und Verleihungslisten nachweisbar.
Verleihungsurkunde und Nachlassunterlagen
Mit dem Abzeichen wurde gewöhnlich eine Urkunde oder ein Besitzzeugnis ausgehändigt. Die Ausführungen unterscheiden sich nach Zeitraum und ausstellender Dienststelle. Bekannt sind gedruckte Urkunden mit handschriftlich oder maschinenschriftlich ergänztem Namen, Dienstgrad und Verleihungsdatum.
Bei geschlossenen Nachlässen sind insbesondere folgende Unterlagen wichtig:
- Verleihungsurkunde
- Soldbuch oder Wehrpass
- U-Boot-Fahrerabzeichen im Original
- Fotografien mit getragenem Abzeichen
- Feldpost und persönliche Dokumente
- Angaben zum U-Boot und zu den Feindfahrten
Ein belegbarer Zusammenhang zwischen Abzeichen, Urkunde und Träger erhöht die historische Aussagekraft eines Nachlasses erheblich. Näheres zur Bestimmung von Nachlässen findet sich in der Militaria-Infothek.
Entwurf, Gestaltung und Maße
Der Entwurf wird dem Berliner Grafiker und Künstler Paul Casberg zugeschrieben. Die Form orientierte sich deutlich an der Auszeichnung von 1918, wurde jedoch an die Symbolik der Kriegsmarine nach 1933 angepasst. Das querovale Abzeichen zeigt ein nach links fahrendes U-Boot, einen umlaufenden Lorbeerkranz mit Schleife am unteren Ende, den Hoheitsadler der Kriegsmarine sowie das unterhalb des Adlers angeordnete Hakenkreuz. Das dargestellte U-Boot ist keine in allen technischen Einzelheiten maßstabsgerechte Wiedergabe eines bestimmten Bootes. Abhängig vom Hersteller unterscheiden sich Turm, Geschütz, Bug, Heck, Reling, Wellen und weitere Einzelheiten deutlich voneinander.
Die meisten Ausführungen liegen ungefähr bei einer Breite von 47 bis 49 Millimetern und einer Höhe von 38 bis 40 Millimetern. Geringfügige Abweichungen sind aufgrund verschiedener Werkzeuge und Hersteller normal, einzelne Ausführungen können auch außerhalb dieser Werte liegen. Ein Maß allein reicht deshalb nicht zur Bestimmung eines Herstellers oder zur Echtheitsprüfung aus. Museumsexemplare und dokumentierte Vergleichsstücke bestätigen die annähernd 48 Millimeter breite Grundform.
Materialien und Fertigungsarten
Die frühen Ausführungen wurden überwiegend aus Buntmetall beziehungsweise Tombak gefertigt. Diese Stücke besitzen häufig eine kräftige und gleichmäßige Prägung, scharf ausgearbeitete Einzelheiten, ein höheres Gewicht, eine widerstandsfähigere Vergoldung sowie massive und sauber verlötete Nadelteile. Die Färbung kann je nach Hersteller und Erhaltungszustand von hellem Gold bis zu einem dunkleren, bronzefarbenen Ton reichen.
Im weiteren Verlauf des Krieges wurde zunehmend Feinzink verwendet. Zinkabzeichen sind häufig leichter und besitzen eine empfindlichere Oberflächenveredelung, die stark verblassen, dunkel werden oder nahezu vollständig verschwinden kann. Ein heute grau erscheinendes Zinkabzeichen war deshalb ursprünglich nicht zwingend unvergoldet. Häufig haben sich Reste der Vergoldung nur noch in Vertiefungen, zwischen den Lorbeerblättern oder auf der Rückseite erhalten. Dokumentierte Stücke von Friedrich Orth, Rudolf Souval und weiteren Herstellern zeigen diesen typischen Verlust der Oberflächenveredelung.
Neben massiven Abzeichen sind auch hohlgeprägte Fertigungen bekannt. Die Herstellungsart ist vom jeweiligen Hersteller und dessen Fertigungsserie abhängig. Hohlgeprägte Stücke sind nicht grundsätzlich minderwertig oder nachgefertigt, ebenso ist eine schwere massive Ausführung allein kein Beweis für ein Original.
Hersteller im Überblick
Das U-Boot-Kriegsabzeichen wurde von mehreren Firmen gefertigt. Einige Stücke tragen eine Herstellerkennzeichnung, andere wurden unmarkiert ausgeliefert. Bei unmarkierten Abzeichen erfolgt die Zuordnung anhand der verwendeten Prägewerkzeuge, der Gestaltung und der rückseitigen Beschläge. Eine vollständige amtliche Herstellerliste ist nicht überliefert, einige Zuordnungen beruhen daher auf langjähriger Forschung und dem Vergleich gesicherter Stücke.
| Hersteller | Ort | Bekannte Kennzeichnung |
|---|---|---|
| C. Schwerin & Sohn | Berlin | „SCHWERIN BERLIN 68" |
| C. E. Juncker | Berlin | meist unmarkierte, zugeschriebene Ausführungen |
| Paul Meybauer | Berlin | L/13 |
| Wilhelm Deumer | Lüdenscheid | überwiegend unmarkierte Zuordnungen |
| Steinhauer & Lück | Lüdenscheid | häufig unmarkiert, teilweise zugeschriebene Nummern- oder Herstellerformen |
| Gebrüder Wegerhoff | Lüdenscheid | GWL |
| B. H. Mayer | Pforzheim | L/18 |
| Foerster & Barth | Pforzheim | L/21 oder „fo" |
| Friedrich Orth | Wien | f.o. |
| Rudolf Souval | Wien | R.S. |
| Hermann Wernstein | Jena-Lobeda | „W" im Kreis |
| Hymmen & Co. | Lüdenscheid | L/53 |
| Funcke & Brüninghaus | Lüdenscheid | L/56 |
| Rudolf Wächtler & Lange | Mittweida | häufig unmarkierte Zuordnungen |
Die aufgeführten Hersteller und Kennzeichnungen sind durch erhaltene Stücke, Sammlerforschung und Fachveröffentlichungen in unterschiedlicher Belegdichte dokumentiert. Besonders bei unmarkierten Abzeichen müssen Werkzeugmerkmale und Beschläge miteinander verglichen werden.
Einzelne Hersteller im Detail
C. Schwerin & Sohn, Berlin
Die Firma C. Schwerin & Sohn gehörte zu den ersten Herstellern des neu gestifteten Abzeichens. Die Fertigung begann nach den überlieferten Angaben am 1. November 1939, bereits im November wurden erste Stücke ausgeliefert. Typisch ist die rückseitige Kennzeichnung „SCHWERIN BERLIN 68", wobei sich die Zahl 68 auf die damalige Anschrift der Firma bezieht. Schwerin-Fertigungen sind sowohl aus Buntmetall als auch aus Zink bekannt, frühe Stücke besitzen häufig eine hochwertige Prägung und eine kräftige Vergoldung. Es existieren jedoch zahlreiche Kopien mit Schwerin-Markierung, die Beschriftung allein bestätigt deshalb keine Originalität.
Objektbeispiel aus dem Bestand: U-Boot-Kriegsabzeichen 1939, Hersteller Schwerin, neuwertiges Abzeichen aus Buntmetall, feuervergoldet, Kanten poliert. Verliehen im Dezember 1939, frühe Ausführung mit rundem Nadelhaken.
B. H. Mayer, Pforzheim
Die Kunstprägeanstalt B. H. Mayer verwendete die LDO-Kennzeichnung L/18. Die Abzeichen sind in verschiedenen Varianten bekannt, neben markierten Stücken existieren unmarkierte Ausführungen, die anhand des Prägebildes und der Beschläge zugeordnet werden. Typisch sind je nach Variante eine Fertigung aus Buntmetall, kräftige Vergoldung, markante U-Boot- und Adlergestaltung, unterschiedliche Nadelformen sowie gelegentliche Kennzeichnung L/18 auf der Nadel oder Rückseite. Dokumentierte Stücke bestätigen die Verwendung der Kennzeichnung L/18 auf U-Boot-Kriegsabzeichen.
Paul Meybauer, Berlin
Abzeichen von Paul Meybauer können mit der Kennzeichnung L/13 versehen sein. Meybauer fertigte bereits während des Kaiserreiches Orden und Ehrenzeichen und stellte auch Auszeichnungen der Kriegsmarine her. Bei der Bestimmung müssen die Form des U-Bootes, die Gestaltung des Adlers und das Nadelsystem berücksichtigt werden, L/13-Markierungen werden ebenfalls auf Kopien verwendet.
Steinhauer & Lück, Lüdenscheid
Steinhauer & Lück fertigte verschiedene militärische Orden und Abzeichen. U-Boot-Kriegsabzeichen dieser Firma sind häufig unmarkiert und werden hauptsächlich anhand ihres charakteristischen Prägebildes und des rückseitigen Nadelsystems bestimmt. Die Firma stellte nach dem Krieg außerdem Auszeichnungen in der Fassung von 1957 her, deshalb muss zwischen Kriegsfertigungen, frühen Nachkriegsstücken und späteren 1957er-Ausführungen unterschieden werden.
Gebrüder Wegerhoff, Lüdenscheid
Die Firma Gebrüder Wegerhoff verwendete das Zeichen GWL. Bekannt sind vor allem Zinkausführungen mit rückseitiger GWL-Markierung. Auch von dieser Variante existieren moderne Kopien, bei verdächtigen Stücken fallen häufig unscharfe Einzelheiten, unruhige Gussoberflächen oder abweichende Nadelteile auf.
Friedrich Orth, Wien
Friedrich Orth verwendete die Kennzeichnung f.o.. Die bekannten Stücke bestehen überwiegend aus Zink, bei vielen Exemplaren ist die Vergoldung heute nur noch teilweise erhalten. Charakteristisch ist die kleine, rückseitig auf dem U-Boot angebrachte Herstellerkennzeichnung, das verwendete Nadelsystem und die Position der Markierung können je nach Fertigungsserie variieren.
Rudolf Souval, Wien
Die Wiener Firma Rudolf Souval kennzeichnete Stücke gewöhnlich mit R.S.. Bekannte U-Boot-Kriegsabzeichen bestehen überwiegend aus Feinzink und zeigen häufig deutliche Verluste der Vergoldung. Bei Souval ist besondere Vorsicht notwendig, denn die Firma stellte auch nach 1945 weiterhin Auszeichnungen und Ersatzstücke her. Nicht jedes Abzeichen mit R.S.-Markierung ist deshalb automatisch eine Kriegsfertigung.
Unmarkierte Abzeichen
Viele originale Abzeichen besitzen keinerlei Herstellerkennzeichnung. Eine Bestimmung erfolgt dann über die Gestaltung des Adlers, Form und Neigung des Hakenkreuzes, Bug und Heck des U-Bootes, Ausführung des Turms, Form der Lorbeerblätter, Oberflächenstruktur der Rückseite, Scharnier, Nadel und Nadelhaken, verwendetes Material sowie Art der Vergoldung. Die Bezeichnung „ohne Hersteller" bedeutet daher lediglich, dass keine sichtbare Kennzeichnung vorhanden ist, nicht dass der tatsächliche Hersteller grundsätzlich unbekannt bleiben muss.
Bekannte Varianten
Metallausführung
Die reguläre Metallausführung war die eigentliche verliehene Form und wurde als Steckabzeichen an der Uniform getragen. Abhängig vom Hersteller kommen Buntmetall oder Tombak, Feinzink, massive oder hohlgeprägte Fertigung, unterschiedliche Vergoldungen, senkrechte oder waagerechte Nadelsysteme sowie markierte und unmarkierte Rückseiten vor.
Stoffausführung
Neben den Metallabzeichen sind gestickte beziehungsweise gewebte Stoffausführungen bekannt. Sie konnten praktischer an Bord getragen werden und beschädigten die Kleidung weniger als ein Metallabzeichen. Die bekannten Ausführungen bestehen unter anderem aus Kunstseide und Baumwolle, ihre genaue dienstliche Einordnung und der Zeitpunkt ihrer Einführung sind nicht in allen Punkten geklärt. Viele Stücke dürften privat beschafft worden sein. Stoffabzeichen müssen besonders sorgfältig geprüft werden, da zahlreiche Nachkriegsanfertigungen und moderne Kopien existieren.
Miniaturen
Für den Zivilanzug wurden verkleinerte Anstecknadeln hergestellt. Bekannt sind ungefähr 16 Millimeter breite Miniaturen sowie kleine Anhänger für Frackketten. Miniaturen waren häufig privat beschaffte Ersatz- oder Zweitstücke und tragen nicht immer eine Herstellerkennzeichnung.
U-Boot-Kriegsabzeichen mit Brillanten
Das U-Boot-Kriegsabzeichen mit Brillanten war keine regulär im Stiftungserlass festgelegte Stufe. Es wurde als besondere persönliche Auszeichnung an besonders erfolgreiche U-Boot-Kommandanten vergeben und stand gewöhnlich im Zusammenhang mit der Verleihung des Eichenlaubs zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Das Hakenkreuz wurde dabei mit kleinen Brillanten besetzt. Die bekannten Stücke bestanden aus hochwertigen Edelmetallausführungen und wurden unter anderem mit den Firmen Schwerin und Godet in Verbindung gebracht.
In der Literatur werden meist 28 nachweisbare Verleihungen sowie eine besondere Ausführung für Karl Dönitz genannt, teilweise wird vereinfachend von 29 Verleihungen gesprochen. Da es sich nicht um eine regulär gestiftete eigene Klasse handelte, unterscheiden sich Zählweise und Bezeichnung in der Fachliteratur. Zu den bekannten Trägern gehörten unter anderem:
- Günther Prien
- Otto Kretschmer
- Joachim Schepke
- Engelbert Endrass
- Heinrich Liebe
- Wolfgang Lüth
- Erich Topp
- Albrecht Brandi
- Heinrich Bleichrodt
- Carl Emmermann
- Friedrich Guggenberger
- Karl-Friedrich Merten
Für Karl Dönitz wurde eine besondere Ausführung angefertigt, die sich von den gewöhnlichen Brillantenausführungen unterschied.
Trageweise
Das U-Boot-Kriegsabzeichen wurde als Steckabzeichen auf der linken Brustseite getragen, sowohl im Dienst als auch außer Dienst. Es konnte unter anderem am dunkelblauen Rock, am blauen oder weißen Jackett, an der Messejacke, am Überzieher sowie am blauen oder weißen Hemd getragen werden. Beim gleichzeitigen Tragen des Eisernen Kreuzes I. Klasse wurde das U-Boot-Kriegsabzeichen gewöhnlich darunter angeordnet. Zeitgenössische Fotografien zeigen allerdings abhängig von Uniform, Platz und vorhandenen Auszeichnungen unterschiedliche Anordnungen.
Verleihungszahlen
Eine vollständige und verlässliche Gesamtzahl ist nicht bekannt. In älterer Literatur wird häufig die Zahl von 9.536 Verleihungen genannt, diese Angabe ist jedoch umstritten und wahrscheinlich unvollständig. Während des Krieges dienten annähernd 40.000 Männer in der deutschen U-Boot-Waffe, zahlreiche Besatzungsmitglieder erfüllten die Voraussetzung von zwei Feindfahrten. Die genaue Zahl lässt sich heute unter anderem deshalb nicht mehr feststellen, weil Verleihungsunterlagen verloren gingen, Verleihungen teilweise durch unterschiedliche Dienststellen dokumentiert wurden, Abzeichen auch postum oder unter Ausnahmebedingungen verliehen wurden und zahlreiche Personal- und Bootsunterlagen nicht vollständig erhalten sind. Die Zahl 9.536 sollte daher nicht als gesicherte Gesamtzahl übernommen werden.
Abgrenzung zur U-Boot-Frontspange
Das U-Boot-Kriegsabzeichen darf nicht mit der später gestifteten U-Boot-Frontspange verwechselt werden. Das U-Boot-Kriegsabzeichen bestätigte grundsätzlich die Bewährung nach den vorgeschriebenen Feindfahrten. Die U-Boot-Frontspange wurde erst 1944 eingeführt und sollte eine besonders lange und belastende Frontbewährung kennzeichnen. Beide Auszeichnungen konnten gleichzeitig getragen werden.
Originale und Kopien unterscheiden
Das U-Boot-Kriegsabzeichen gehört zu den häufig kopierten Kriegsmarineauszeichnungen. Kopien existieren bereits seit der frühen Nachkriegszeit, hinzu kommen spätere Sammleranfertigungen, veränderte Originale und Abzeichen mit nachträglich angebrachten Herstellerkennzeichnungen. Für eine Beurteilung müssen immer mehrere Merkmale zusammen betrachtet werden.
Vorderseite
Zu prüfen sind Prägequalität, Gestaltung des Adlers, Form des Hakenkreuzes, Einzelheiten des U-Boot-Turms, Geschütz und Reling, Bug und Heck, Form der Lorbeerblätter, Übergänge zwischen Kranz und Adler sowie die Oberflächenstruktur. Weiche oder verwaschene Einzelheiten können auf einen Guss nach einem Originalabzeichen hinweisen, sie können bei stark getragenen oder korrodierten Zinkstücken allerdings ebenfalls auftreten.
Rückseite
Wichtig sind Materialoberfläche, Werkzeug- und Prägespuren, Scharnierform, Nadelquerschnitt, Nadelhaken, Lötstellen, Position der Beschläge, Herstellerkennzeichnung sowie künstliche Alterung oder nachträgliche Reparaturen. Moderne, glänzende Lötstellen sind verdächtig, können aber ebenso auf eine spätere Reparatur eines echten Abzeichens hinweisen.
Herstellerkennzeichnung
Eine vorhandene Markierung ist kein Echtheitsnachweis. Häufig kopiert werden insbesondere Schwerin Berlin 68, GWL, f.o., R.S., L/13, L/18 und L/21. Schriftform, Größe, Position und Einschlagtiefe müssen zur jeweiligen Originalvariante passen.
Gewicht, Maße und Vergoldung
Gewicht und Maße sind nur Vergleichswerte, Abweichungen können durch unterschiedliche Materialien, Fertigungsserien, Reparaturen, Korrosion oder fehlende Nadelteile entstehen. Eine Echtheitsbestimmung ausschließlich anhand des Gewichts ist nicht möglich. Starke Vergoldung beweist kein gut erhaltenes Original, moderne Kopien werden häufig künstlich vergoldet und anschließend gealtert. Umgekehrt kann ein fast vollständig graues Zinkabzeichen original sein, wenn die empfindliche Vergoldung im Laufe der Jahrzehnte verloren gegangen ist.
Beschädigte und entnazifizierte Stücke
Bei vielen erhaltenen Abzeichen wurde das Hakenkreuz nach 1945 entfernt, ausgeschliffen oder abgebrochen. Solche Stücke sind von der offiziellen Ausführung von 1957 zu unterscheiden. Ein nachträglich entferntes Hakenkreuz macht aus einem Kriegsabzeichen keine 1957er-Fertigung, es handelt sich weiterhin um ein ursprünglich vor 1945 gefertigtes Abzeichen, das nachträglich verändert wurde. Weitere häufige Veränderungen sind ersetzte Nadeln, erneuerte Nadelhaken, nachgelötete Scharniere, nachträgliche Vergoldungen, gereinigte oder polierte Oberflächen sowie nachträglich eingeschlagene Herstellerzeichen. Solche Veränderungen sollten bei einer Beschreibung immer ausdrücklich genannt werden.
Die Ausführung von 1957
Mit dem Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen vom 26. Juli 1957 wurde das Tragen bestimmter militärischer Auszeichnungen aus dem Zweiten Weltkrieg in veränderter Form zugelassen. Die Auszeichnungen durften nur ohne nationalsozialistische Embleme getragen werden. Beim U-Boot-Kriegsabzeichen entfielen deshalb Hoheitsadler und Hakenkreuz, das U-Boot und der umlaufende Kranz blieben als wesentliche Gestaltungselemente erhalten. Bekannte 1957er-Fertigungen stammen unter anderem von Steinhauer & Lück, je nach Herstellungszeit unterscheiden sich frühe hochwertige Stücke deutlich von späteren, vereinfachten Fertigungen.
Unterschied zur nachträglichen Entnazifizierung
Die offizielle 1957er-Ausführung wurde von Anfang an ohne NS-Symbole hergestellt, folgt einem eigenen, genehmigten Gestaltungsmodell, zeigt meist eine sauber überarbeitete obere Kranzpartie und ist grundsätzlich eine Nachkriegsfertigung. Ein nachträglich verändertes Kriegsabzeichen wurde dagegen ursprünglich mit Adler und Hakenkreuz gefertigt, die Symbole wurden später entfernt oder abgeschliffen, häufig sind Bearbeitungsspuren sichtbar, und der Grundkörper stammt möglicherweise noch aus der Zeit vor 1945.
Bedeutung für Sammler und Familiennachlässe
Das U-Boot-Kriegsabzeichen erscheint häufig in militärischen Nachlässen gemeinsam mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse, der U-Boot-Frontspange, dem Verwundetenabzeichen, U-Boot-Erinnerungsabzeichen und Traditionsstücken, Soldbuch oder Wehrpass, Verleihungsurkunden, Fotografien, U-Boot-Abzeichen und Mützenbändern sowie persönlichen Aufzeichnungen über Feindfahrten. Für die historische Einordnung ist der belegte Träger meist wichtiger als ein außergewöhnlich guter Erhaltungszustand. Der Name, das eingesetzte U-Boot und die dokumentierten Unternehmungen ermöglichen häufig eine genaue Rekonstruktion des militärischen Weges. Unterlagen zu ehemaligen Angehörigen der Kriegsmarine und zu einzelnen U-Booten befinden sich unter anderem im Bundesarchiv, wo Kriegstagebücher, Personalunterlagen und Bestände der Dienststelle des Befehlshabers der U-Boote überliefert sind.
Wert eines U-Boot-Kriegsabzeichens
Der Sammlerwert hängt insbesondere von Hersteller, Material, Fertigungsvariante, Erhaltung der Vergoldung, Zustand des Nadelsystems, Reparaturen, Seltenheit der Ausführung, vorhandener Herstellerkennzeichnung, Verleihungsurkunde, belegbarem Träger und geschlossenem Nachlass ab. Ein unmarkiertes Abzeichen kann seltener und wertvoller sein als ein markiertes Stück, entscheidend ist nicht die Kennzeichnung allein, sondern die jeweilige Hersteller- und Werkzeugvariante. Brillantenausführungen gehören aufgrund ihrer Seltenheit und historischen Bedeutung zu einer völlig anderen Kategorie. Bei angeblichen Brillantenstücken ist eine umfassende Prüfung und lückenlose Herkunft besonders wichtig.
Häufige Fragen
Wann wurde das U-Boot-Kriegsabzeichen 1939 gestiftet?
Am 13. Oktober 1939 durch den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Erich Raeder.
Wer erhielt das U-Boot-Kriegsabzeichen?
Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften einer vor dem Feind eingesetzten U-Boot-Besatzung.
Wie viele Feindfahrten waren notwendig?
Gewöhnlich mindestens zwei Feindfahrten. Bei Verwundung, besonderen Leistungen oder außergewöhnlicher Bewährung waren Ausnahmen möglich.
Aus welchem Material besteht das Abzeichen?
Frühe Stücke wurden überwiegend aus Buntmetall oder Tombak gefertigt, spätere Ausführungen bestehen häufig aus Feinzink.
Waren alle Abzeichen markiert?
Nein. Zahlreiche originale U-Boot-Kriegsabzeichen besitzen keine Herstellerkennzeichnung.
Gab es eine Ausführung mit Brillanten?
Ja. Sie wurde als besondere persönliche Auszeichnung an besonders erfolgreiche U-Boot-Kommandanten vergeben, war jedoch keine regulär gestiftete eigene Klasse.
Darf das Abzeichen heute getragen werden?
In Deutschland ist das öffentliche Tragen nur in der gesetzlich vorgesehenen Form ohne nationalsozialistische Embleme zulässig.
Ist ein abgeschliffenes Abzeichen eine 1957er-Ausführung?
Nein. Ein ursprünglich vor 1945 gefertigtes und nachträglich verändertes Stück ist von einer regulären Nachkriegsfertigung nach dem Muster von 1957 zu unterscheiden.
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Rechtlicher Hinweis: Nach dem Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen vom 26. Juli 1957 dürfen Auszeichnungen dieser Art in der Bundesrepublik Deutschland nur ohne nationalsozialistische Embleme getragen werden. Der Ankauf und Verkauf erfolgt gesetzeskonform nach den geltenden Vorschriften des § 86a StGB.
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