Deutsche Marinesäbel entwickelten sich im 19. Jahrhundert von einer kräftigen Kampf- und Seitenwaffe zu einem festen Bestandteil der Offiziersuniform. Ein wichtiges Vorbild war die britische Royal Navy, deren Marineoffizierssäbel bereits typische Merkmale wie Löwenkopf, Anker, Messinggefäß und Klappgefäß zeigten. Mit dem Verlust seiner praktischen Bedeutung als Kampfwaffe wurde der Marinesäbel zunehmend Dienst-, Standes- und Repräsentationsstück.


Historische Entwicklung

Von der Preußischen Marine zur Kaiserlichen Marine

Die Preußische Marine bildet die Grundlage der späteren deutschen Marinesäbel. Die frühen Säbel waren noch deutlich als tatsächliche Seitenwaffen ausgelegt: kräftige, breite Klingen, vergleichsweise hohes Gewicht, Messinggefäße, Löwenkopf, Ankerdarstellungen, hochwertige Griffausführungen.

Bereits bei der deutschen Reichsflotte von 1848 finden sich an erhaltenen Offizierssäbeln zahlreiche Merkmale, die später typisch wurden: Löwenkopfknauf, Messinggefäß, Anker, Drahtwicklung, kräftige Klinge, teilweise starres Gefäß. Diese Säbel stehen noch deutlich in der Tradition des schweren Kampfsäbels.

Mit der Marine des Norddeutschen Bundes (1867–1871) wurden die preußischen Marinetraditionen weitergeführt. Die Säbel blieben zunächst kräftig und schwer, entwickelten sich aber zunehmend vom Kampfgerät zum Offiziers- und Uniformsäbel – der direkte Übergang zur Kaiserlichen Marine.

Kaiserliche Marine 1871–1918

In der Kaiserlichen Marine entwickelte sich die bekannteste Form des deutschen Marineoffizierssäbels. Typische Merkmale: Löwenkopfknauf, vergoldetes Messinggefäß, weißer Griff, Drahtwicklung, gekrönter Marineanker, leicht gekrümmte Klinge, schwarze Lederscheide, vergoldete Messingbeschläge.

Neben normalen Dienstsäbeln existierten Kammerstücke, Eigentumsstücke, Geschenksäbel, Abschiedssäbel, Ehrenausführungen und Luxussäbel.

Erster Weltkrieg 1914–1918

Während des Ersten Weltkriegs wurden neben hochwertigen Eigentumsstücken auch vereinfachte Ausführungen gefertigt, Material, Vergoldung und Verarbeitung konnten schlichter ausfallen. Der bereits vorher erkennbare Trend zu leichteren und handlicheren Säbeln setzte sich fort.

Reichsmarine 1919/1921–1935

Die Reichsmarine übernahm die traditionelle Grundform des Marineoffizierssäbels: Löwenkopf, weißer Griff, Messinggefäß, schwarze Lederscheide. Monarchische Symbole entfielen oder wurden verändert. Bei dienstlich beschafften Säbeln sind Marineabnahmen und Inventarkennzeichnungen besonders wichtig. Neben Kammerstücken existierten weiterhin privat beschaffte Eigentumssäbel.

Kriegsmarine 1935–1945

Auch die Kriegsmarine führte die traditionelle Form weiter: Löwenkopf, vergoldetes Gefäß, heller Griff, schwarze Lederscheide, Marineabnahmen bei Kammerstücken. Neben schlichten Dienstsäbeln gab es weiterhin hochwertige Eigentums- und Luxusausführungen.

Auf geätzten Klingen kommen unter anderem vor: Anker, Kriegsschiffe, U-Boote, Marine-Ehrenmal, Hoheitszeichen, maritime Ornamente. Auch Namensgravuren und Sonderausführungen sind bekannt.


Ausführung, Gestaltung und Merkmale

Größe und Klingenlänge

Die Entwicklung vom schweren Kampfsäbel zum leichteren Uniformstück lässt sich deutlich an Größe und Gewicht erkennen: Frühere Säbel waren groß, breit, kräftig und schwer; spätere Säbel wurden leichter, schmaler und eleganter. Besonders in den 1910er Jahren kamen kleine und zierliche Ausführungen zunehmend in Mode.

Die Länge eines Marineoffizierssäbels wurde zudem an die Körpergröße des Trägers angepasst, daher kommen bei originalen Säbeln erhebliche Unterschiede in der Klingenlänge vor. Eine kurze Klinge bedeutet deshalb nicht automatisch, dass der Säbel nachträglich gekürzt wurde. Entscheidend ist das Verhältnis von Klinge, Gefäß, Griff und Scheide.

Besonders privat angeschaffte Eigentumsstücke sind häufig kleiner, schmaler und leichter – aus Mode- und Tragekomfortgründen. Sehr große und schwere Eigentumssäbel kommen ebenfalls vor, die Tendenz ging aber deutlich zu handlicheren Waffen. Diese kleinen Säbel waren vollwertige tragbare Marineoffizierssäbel und dürfen nicht mit Miniaturen verwechselt werden.

Klingenbreite und Klingenform

Breite und Form der Klingen unterscheiden sich: breite kräftige Klingen, schmale leichte Klingen, Steckrückenklingen, Klingen mit Schör, gekehlte Klingen, schlichte Stahlklingen, geätzte Klingen, Damastklingen. Die Ausführung hängt von Epoche, Hersteller und Qualität des Säbels ab.

Klappgefäß und starres Gefäß

Viele deutsche Marinesäbel besitzen ein Klappgefäß: Der innere Teil des Gefäßes konnte eingeklappt werden, wodurch der Säbel enger am Körper lag und angenehmer zu tragen war. Auf dem Klappteil befindet sich bei vielen Kaiserliche-Marine-Säbeln der gekrönte Marineanker.

Neben dem einseitigen Klappgefäß sind auch doppelte Klappgefäße bekannt, bei denen beide Teile beweglich ausgeführt sind – besonders bei hochwertigeren oder besonderen Ausführungen.

Daneben existieren Marinesäbel mit starrem Gefäß ohne Klappmechanismus, besonders bei frühen Stücken, aber auch bei späteren Sonderausführungen. Ein starres Gefäß ist deshalb grundsätzlich kein Hinweis auf eine falsche Waffe.

Löwenkopf

Der Löwenkopf ist eines der auffälligsten Merkmale des deutschen Marinesäbels. Je nach Hersteller und Qualität unterscheiden sich die Ausführungen erheblich: Löwenköpfe ohne Augen, mit eingesetzten roten oder anderen farbigen Glasaugen, einfach oder sehr fein ausgearbeitet. Bei Luxusausführungen ist die Ausarbeitung oft besonders hochwertig.

Geätzte Klingen

Viele Eigentums-, Geschenk- und Luxussäbel besitzen geätzte Klingen. Typische Motive: Anker, Kaiserkrone, Segelschiffe, Kriegsschiffe, Flaggen, maritime Ornamente, militärische Symbole. Auch normale Eigentumsstücke konnten mit geätzten Klingen bestellt werden – eine Ätzung macht einen Säbel deshalb nicht automatisch zum Geschenksäbel.

Namensgravuren, Sondergravuren und Widmungen

Namensgravuren sind bei Marinesäbeln besonders wichtig. Sie können sich auf Klinge, Gefäß, Klappteil, Mundblech oder Scheidenbeschlägen befinden. Möglich sind vollständiger Name, Initialen, Dienstgrad, Schiff, Einheit, Jahreszahl oder persönliche Widmung.

Eine originale Namensgravur kann die genaue Zuordnung zu einem Marineoffizier ermöglichen, wodurch sich häufig Dienstlaufbahn, Schiffe und Einsätze des Trägers recherchieren lassen. Bei der Prüfung einer Gravur müssen Schriftart, Gravurtechnik, Position und Alterung zum Säbel passen.

Bei Geschenk- und Abschiedssäbeln kommen häufig umfangreichere Widmungen vor: Empfänger, Schenkende, Schiff, Einheit, Dienstzeit, Beförderung, Versetzung, Abschied, Jubiläum. Solche Säbel können historisch besonders interessant sein, wenn sich die Widmung eindeutig belegen lässt.

Damastklingen

Zu den hochwertigsten Ausführungen gehören Marinesäbel mit Damastklinge, vor allem bei hochwertigen Eigentumsstücken, Geschenk-, Abschieds- sowie Ehren- und Luxussäbeln. Zusätzlich können solche Klingen mit Vergoldungen, Ätzungen, Wappen, Monogrammen, Namenszügen oder Widmungen versehen sein.


Kammerstücke, Eigentumsstücke und Sonderausführungen

Kammerstücke und Eigentumsstücke

Kammerstücke waren dienstlich beschaffte und inventarisierte Säbel, meist schlichter und zweckmäßiger als hochwertige Eigentumsstücke. Mögliche Kennzeichnungen: Marineabnahmen, Inventarnummern, Stationsnummern. Bei Reichsmarine und Kriegsmarine finden sich unter anderem Kennzeichnungen für Nordsee und Ostsee. Besonders wichtig ist die Nummerngleichheit von Säbel und Scheide.

Eigentumsstücke wurden vom Träger privat gekauft, der Größe, Gewicht und Ausstattung stärker nach eigenen Vorstellungen wählen konnte. Daher finden sich hier häufiger kleine und leichte Ausführungen, bessere Vergoldung, geätzte Klingen, Namensgravuren, hochwertige Griffe, Sondergefäße und Damastklingen. Gerade die kleinen und zierlichen Säbel des frühen 20. Jahrhunderts sind häufig solche privat beschafften Stücke.

Geschenk-, Abschieds- und Luxussäbel

Geschenksäbel wurden zu besonderen Anlässen überreicht: Beförderung, Versetzung, Abschied, Dienstjubiläum, gemeinsamer Dienst auf einem Schiff. Sie tragen häufig Namensgravuren oder persönliche Widmungen – ein Geschenksäbel konnte ein normaler Marineoffizierssäbel mit Widmung sein oder eine besonders aufwendige Sonderanfertigung.

Luxusausführungen stellen die hochwertigsten Marineoffizierssäbel dar. Mögliche Merkmale: Damastklinge, besonders hochwertige Vergoldung, Sonderätzungen, Wappen, Monogramme, Namensgravuren, persönliche Widmungen, hochwertige Griffmaterialien, besonders fein gearbeitetes Löwenkopfgefäß, besonderes oder doppeltes Klappgefäß. Luxussäbel konnten privat beschafft oder als Geschenk angefertigt werden.

Miniatur-Marinesäbel

Neben den tragbaren Säbeln existieren auch Miniatur-Marinesäbel, hergestellt als Erinnerungsstücke, Geschenke oder Dekorationsstücke. Sie dürfen nicht mit den kleinen und zierlichen, aber vollwertig tragbaren Eigentumssäbeln verwechselt werden.


Hersteller deutscher Marinesäbel

  • Weyersberg, Kirschbaum & Co., WKC.
  • E. & F. Hörster
  • Carl Eickhorn
  • F. W. Höller
  • Alexander Coppel, ACS.
  • Clemen & Jung
  • Alcoso

Herstellerzeichen sind wichtige Hinweise bei der Datierung – dabei muss die jeweilige Herstellermarke zur angenommenen Fertigungszeit passen. Weiterführende Beiträge zu einzelnen Objekten und Herstellern finden sich in der Militaria-Infothek.


Bestimmung eines deutschen Marinesäbels

Bei der Bestimmung sollten immer folgende Merkmale gemeinsam betrachtet werden: Epoche, Hersteller, Herstellerzeichen, Klingenlänge, Körpergröße des ursprünglichen Trägers, Klingenbreite, Klingenform, Gewicht, Klappgefäß oder starres Gefäß, einfaches oder doppeltes Klappgefäß, Löwenkopf, Griffmaterial, Klingenätzung, Damastklinge, Namensgravur, Widmung, Marineabnahme, Kammernummer, Nummerngleichheit von Säbel und Scheide, Scheidenbeschläge, Provenienz.

Erst das Zusammenspiel dieser Merkmale erlaubt eine genaue Einordnung als Kammerstück, Eigentumsstück, Geschenk-, Abschieds- oder Luxussäbel.


Ankauf & Bewertung

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Kontakt

Thomas Huss & Söhne / German Historica

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Autor / fachliche Verantwortung
Thomas Huss · Dipl.-Ing. · German Historica / Militaria Kiel

Sammler und Händler für militärhistorische Objekte.