Bandenkampfabzeichen: Diese Auszeichnung unterschied sich deutlich von den üblichen Kampfauszeichnungen von Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine. Während Auszeichnungen wie das Infanterie-Sturmabzeichen oder das Panzerkampfabzeichen vor allem für Einsätze regulärer militärischer Verbände an der Front verliehen wurden, bezog sich das Bandenkampfabzeichen ausdrücklich auf den Kampf gegen Partisanen und Widerstandsgruppen.

Diese operierten häufig hinter der Front oder in besetzten Gebieten, griffen aus dem Hinterhalt an, führten Sabotage durch und waren nicht eindeutig als Gegner zu erkennen. Für diese besondere Form des Kampfes wurde das Bandenkampfabzeichen geschaffen.


Stiftung des Bandenkampfabzeichens

Das Bandenkampfabzeichen wurde am 29. Januar 1944 durch Adolf Hitler gestiftet und in den drei Stufen Bronze, Silber und Gold verliehen.

Anrechenbare Kampftage konnten rückwirkend ab dem 1. Januar 1943 berücksichtigt werden.

Warum sprach man von „Banden"?

Der Begriff „Banden" war Teil des nationalsozialistischen Sprachgebrauchs.

Die Bezeichnung „Partisanen" wurde von der deutschen Führung bewusst zurückgedrängt, da sie zu sehr nach einem militärischen Gegner oder Widerstandskämpfer klang. Mit Begriffen wie „Banden" und „Banditen" sollten diese Gegner dagegen als irreguläre, außerhalb der normalen militärischen Ordnung stehende Kräfte bezeichnet werden.

Aus dem Kampf gegen Partisanen wurde im offiziellen Sprachgebrauch die „Bandenbekämpfung".

Unterschied zwischen Frontkampf und Bandenkampf

Beim klassischen Frontkampf standen sich reguläre militärische Verbände gegenüber. Soldaten trugen Uniformen, gehörten erkennbaren Einheiten an und kämpften innerhalb einer militärischen Befehlsstruktur.

Beim Partisanenkrieg war die Situation häufig anders. Partisanengruppen konnten sich zusammensetzen aus:

  • bewaffneten Zivilisten
  • Männern und Frauen aus Widerstandsorganisationen
  • ehemaligen oder versprengten Soldaten
  • entflohenen Kriegsgefangenen
  • örtlichen Widerstandsgruppen
  • größeren militärisch organisierten Partisanenverbänden

Nicht alle Partisanen trugen eine einheitliche Uniform. Für die deutschen Truppen war deshalb nicht immer unmittelbar erkennbar, wer zur Zivilbevölkerung gehörte und wer am bewaffneten Widerstand beteiligt war.

Typische Formen des Partisanenkampfes waren:

  • Angriffe aus dem Hinterhalt
  • Überfälle auf einzelne Soldaten oder kleinere Einheiten
  • Sabotage
  • Sprengungen von Bahnstrecken und Brücken
  • Angriffe auf Nachschub und Transporte
  • Anschläge auf militärische Einrichtungen
  • Störungen von Nachrichten- und Verkehrsverbindungen

Nach einem Angriff konnten sich Partisanen in Wälder, Gebirge oder schwer zugängliches Gelände zurückziehen oder sich wieder unter die örtliche Bevölkerung mischen.

Partisanen und Widerstandsbewegungen in Europa

Partisanen- und Widerstandsbewegungen bestanden in nahezu allen größeren von Deutschland besetzten Gebieten Europas, darunter die Sowjetunion, Jugoslawien und der Balkan, Griechenland und Kreta, Polen, Frankreich mit den verschiedenen Gruppen der Résistance, Dänemark, Norwegen sowie weitere besetzte Gebiete.

Umfang und Organisation unterschieden sich erheblich. Einige Gruppen beschränkten sich auf Informationsbeschaffung und Sabotage, während insbesondere in der Sowjetunion und auf dem Balkan größere, militärisch organisierte Partisanenverbände entstanden.

Deutsche Reaktion und Vergeltungsmaßnahmen

Die deutschen Besatzungskräfte versuchten, Partisanenverbände aufzuspüren, ihre Versorgung zu unterbrechen und Unterstützer ausfindig zu machen.

Die Bevölkerung wurde teilweise aufgefordert, Partisanen zu melden oder auszuliefern. Nach Anschlägen und Angriffen kam es jedoch immer wieder zu Vergeltungs- und sogenannten Sühnemaßnahmen gegen die Zivilbevölkerung.

Dabei wurden Geiseln erschossen, Bewohner festgenommen oder verschleppt sowie Häuser und ganze Ortschaften zerstört. Vielfach trafen diese Maßnahmen auch Menschen, die selbst nicht am bewaffneten Widerstand beteiligt waren. Unter den Opfern befanden sich Männer, Frauen, Kinder und alte Menschen.

Militärische Partisanenbekämpfung, Besatzungspolitik und Vergeltungsmaßnahmen gingen dadurch in vielen Gebieten ineinander über.

Wer führte die sogenannte Bandenbekämpfung durch?

Die Bandenbekämpfung war nicht Aufgabe einer einzelnen Organisation. Beteiligt waren unter anderem Ordnungspolizei, Sicherheitspolizei und SD, SS- und Waffen-SS-Verbände, Sicherungseinheiten der Wehrmacht, Feldgendarmerie, reguläre Verbände des Heeres, Einheiten der Luftwaffe, Angehörige der Kriegsmarine sowie einheimische Hilfs- und Sicherungsverbände.

Bekannt sind auch entsprechende Einsätze von Marineangehörigen und Kampfschwimmern in Italien.

Polizei- und SS-Verbände spielten besonders in den rückwärtigen besetzten Gebieten eine große Rolle. Die Bandenbekämpfung war jedoch nicht auf diese Organisationen beschränkt. Auch reguläre Wehrmachtverbände wurden gegen Partisanen eingesetzt und waren an Vergeltungsmaßnahmen beteiligt.

Kreta – Galatas und der Widerstand der Bevölkerung

Ein frühes Beispiel war Kreta im Mai 1941.

Bei den Kämpfen um Galatas bei Chania beteiligten sich neben britischen, neuseeländischen und griechischen Soldaten auch bewaffnete kretische Zivilisten am Kampf gegen die deutschen Fallschirmjäger.

Die deutsche Führung reagierte auf die Beteiligung der Bevölkerung mit Vergeltungsmaßnahmen. In der Folge kam es unter anderem in Kondomari, Kandanos und weiteren Orten zu Erschießungen und Zerstörungen.

Kreta zeigt damit früh den Übergang vom Kampf regulärer Truppen zum Widerstands- und Partisanenkrieg.

Das Bandenkampfabzeichen und seine Wirkung auf den Träger

Das Bandenkampfabzeichen machte seinen Träger unmittelbar als Teilnehmer an der sogenannten Bandenbekämpfung erkennbar.

Von ehemaligen Soldaten ist überliefert, dass Träger gegen Ende des Krieges teilweise ihre Bandenkampfabzeichen ablegten, versteckten oder wegwarfen, insbesondere wenn eine Gefangennahme bevorstand.

Gegenüber sowjetischen Soldaten, Partisanen oder ehemaligen Widerstandskämpfern zeigte die Auszeichnung, dass der betreffende Soldat an Einsätzen gegen Partisanen beteiligt gewesen war. Damit konnte das Abzeichen bei einer Gefangennahme selbst zu einem Risiko für seinen Träger werden.

Auch darin unterschied es sich von gewöhnlichen Frontkampfauszeichnungen: Das Bandenkampfabzeichen stellte eine direkte Verbindung zum Partisanenkampf her.

Einordnung

Das Bandenkampfabzeichen steht für eine besondere Form der Kriegführung des Zweiten Weltkriegs, bei der feste Frontlinien und eindeutig erkennbare Gegner häufig fehlten.

Dieser historische Hintergrund ist entscheidend, um die Auszeichnung und ihre besonderen Verleihungsbedingungen in Bronze, Silber und Gold einordnen zu können. Weitere Hintergründe und Objektbeispiele folgen in Teil 2 dieser Reihe, unter anderem in der Militaria-Infothek.


Ankauf & Bewertung

Das Bandenkampfabzeichen zählt zu den selteneren und historisch bedeutsamen Auszeichnungen des Zweiten Weltkriegs. Für die Veräußerung hochwertiger Einzelstücke oder Nachlässe bieten wir eine Bewertung auf Basis von Fachkenntnis und Marktrelevanz.

Kontakt

Thomas Huss & Söhne / German Historica

Direkter Draht für Fragen rund um Ankauf, Bewertung und historische Einordnung militärhistorischer Objekte.

Dieser Beitrag dient ausschließlich der historischen Aufklärung, Forschung und Dokumentation gemäß §§ 86, 86a StGB. Die dargestellten Auszeichnungen und Objekte werden im geschichtlichen Kontext des Zweiten Weltkriegs eingeordnet; eine Verherrlichung findet nicht statt.

Autor / fachliche Verantwortung
Thomas Huss · Dipl.-Ing. · German Historica / Militaria Kiel

Fachhandel, Ankauf und Einordnung militärhistorischer Objekte, Orden, Ehrenzeichen und Nachlässe. Kiel, Schleswig-Holstein.