Goebbels Sommerfest 1936 auf der Pfaueninsel – Original-Einladung

Das Goebbels Sommerfest 1936 begann mit einer Einladungskarte, einem Namen, einem Datum – und dahinter ein Abend, an dem sich die deutsche Politführung inmitten der Olympiade der Welt zeigen wollte. Genau ein solches Stück findet sich im Bestand von Thomas Huss (German Historica): Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, bittet darin im Namen der Reichsregierung, anlässlich der XI. Olympischen Spiele Berlin 1936, „Herrn von Levetzow" zum Sommerfest auf der Pfaueninsel am 15. August 1936, 19 Uhr.

Es war kein Fest unter vielen. Ribbentrop, seit kurzem Botschafter in London, bald darauf Reichsaußenminister, hatte bereits sein Gartenfest gegeben. Göring, Ministerpräsident Preußens und Reichsluftfahrtminister, hatte mit seiner Veranstaltung im Garten seines Ministeriums die Messlatte noch höher gelegt – exquisiter, aufwendiger, mehr Gäste. Goebbels wollte das nicht auf sich sitzen lassen. Was er plante, sollte alles übertreffen, was Berlin bis dahin erlebt hatte.

Am 15. August 1936, während die Olympischen Spiele noch liefen, ließ er rund 1000 Ehrengäste auf die Pfaueninsel bringen. Pioniere hatten eigens eine Schiffsbrücke zur Insel gebaut, damit niemand nasse Füße bekam. Junge Frauen in Kostümen des 15. Jahrhunderts standen als Pagen Spalier, das Opernballett tanzte im Fackelschein, tausende Lampions hingen in den Bäumen – eine „Italienische Nacht", wie Goebbels sie nannte. Am Ende stieg ein Feuerwerk auf, das größte, das man in Berlin je gesehen hatte, so wollten es Goebbels und Göring.

Unter den Gästen: ein König, ein Herzog, mehrere Kronprinzen, das komplette Internationale Olympische Komitee, die gesamte Reichsregierung, Botschafter aus aller Welt, auch die Söhne Mussolinis. Manchen war der demonstrative Aufwand sichtlich unangenehm.

Wer war der Mann, an den diese Karte ging? Werner von Levetzow, geboren 1886 in Frankfurt an der Oder, gestorben 1967 in Marbella. Dazwischen eine Laufbahn im deutschen auswärtigen Dienst, die ihn 1936 offenbar in genau den Kreis brachte, den die Reichsregierung an diesem Abend präsentieren wollte. Sein Vater, Joachim von Levetzow-Sielbeck, hatte als preußischer Offizier und oldenburgischer Landtagsabgeordneter selbst gesellschaftliches Gewicht; seine Mutter Walburg Clara Cornelia entstammte dem Haus Hohenwalde der Familie von Kalckreuth.

Auch der Name Kalckreuth taucht an diesem Abend noch einmal auf: Barbara von Kalckreuth, Bildhauerin, die mehrfach den Kopf von Joseph Goebbels modellierte und ihm gesellschaftlich nahestand, war ebenfalls unter den Gästen auf der Pfaueninsel. Zur Olympiade 1936 hatte sie selbst beigetragen – im Olympischen Dorf stand eine von ihr geschaffene Figur des Till Eulenspiegel. Ihre Nähe zur NS-Führung ging dabei über die Kunst hinaus: Sie war auch mit Magda Goebbels befreundet – eine Verbindung, die mehr als nur ein Künstlerkontakt war.

So ein unscheinbares Stück Papier erzählt viel – wenn man es erkennt und sich die Zeit nimmt, es zu studieren und zu deuten. Weltoffenheit wurde hier zur Schau gestellt, während im Hintergrund längst die Waffen geschmiedet und der nächste Krieg vorbereitet wurde. Dieser Widerspruch hat mich nicht mehr losgelassen. Deshalb dieser Beitrag.