Kaiserlicher Flieger-Nachlass mit Beobachterabzeichen und Schlesischem Adler: Bei einer Haushaltsauflösung wurde eine blaue Schachtel mit sehr interessantem Inhalt gefunden. Leider ohne weitere Dokumente und Belege, eben nur diese Schachtel. Was lässt sich nun daraus ableiten? Welche Geschichte verbirgt sich dahinter, und was erzählt uns diese Kombination an Auszeichnungen?

Die Schachtel enthält den Nachlass eines kaiserlichen Fliegeroffiziers, der während des Ersten Weltkriegs als Flugzeugbeobachter eingesetzt war. Neben einem Beobachterabzeichen des Herstellers C. E. Juncker aus Berlin gehören ein Eisernes Kreuz 1. Klasse, ein schwarzes Verwundetenabzeichen, zwei Schlesische Adler, eine Ordensspange, eine Bandspange und kleine Spangen dazu. Hier geht es zum Angebot.

Interessant ist vor allem die Verbindung zwischen den Auszeichnungen des Ersten Weltkriegs und dem Schlesischen Adler, der erst nach 1918 gestiftet wurde.


Kaiserlicher Flieger-Nachlass mit Beobachterabzeichen und Schlesischem Adler

Das Beobachterabzeichen der kaiserlichen Fliegertruppe

Die Flugzeugbeobachter gehörten zu den wichtigen Besatzungsmitgliedern der deutschen Militärfliegerei im Ersten Weltkrieg. Ihre Aufgaben umfassten unter anderem die Luftaufklärung, die Beobachtung feindlicher Truppenbewegungen, die Anfertigung von Luftbildern und die Unterstützung der Artillerie.

Während der Flugzeugführer für die Steuerung der Maschine verantwortlich war, übernahm der Beobachter die eigentliche Aufklärungsarbeit. Je nach Flugzeugtyp und Einsatz konnte er außerdem für die Bedienung der Bordbewaffnung zuständig sein.

Das Abzeichen für Beobachtungsoffiziere aus Flugzeugen wurde am 27. Januar 1914 von Wilhelm II. gestiftet. Das im Nachlass vorhandene Beobachterabzeichen stammt vom Berliner Hersteller C. E. Juncker. Es handelt sich um eine verbödete Ausführung aus 800er-Silber. Die Emailleauflage ist beschädigt und sitzt etwas lose. Das Abzeichen befindet sich ansonsten im überlieferten Zustand.

Juncker gehörte zu den bekannten Herstellern deutscher Militär- und Fliegerabzeichen. Seine Fertigungen aus der Kaiserzeit weisen unterschiedliche Konstruktionsmerkmale auf, darunter auch hohl gearbeitete, rückseitig geschlossene Ausführungen.

Der Schlesische Adler, eine Auszeichnung aus der Nachkriegszeit

Das Schlesische Bewährungsabzeichen, allgemein als Schlesischer Adler bezeichnet, wurde am 16. Juni 1919 durch das Generalkommando des VI. Armeekorps gestiftet.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war die politische und militärische Lage in den östlichen Grenzgebieten des Deutschen Reiches äußerst angespannt. Vor allem in Schlesien kam es zu Auseinandersetzungen über die künftige staatliche Zugehörigkeit verschiedener Gebiete.

Deutsche Grenzschutzverbände und Freikorps standen dabei polnischen Aufständischen und bewaffneten Verbänden gegenüber. Die Konflikte erreichten während der oberschlesischen Aufstände zwischen 1919 und 1921 mehrfach ihren Höhepunkt.

Der Schlesische Adler wurde zur Auszeichnung von Angehörigen der deutschen Grenzschutzformationen geschaffen. Anders als das Eiserne Kreuz war er keine reguläre Kriegsauszeichnung des Kaiserreichs, sondern entstand erst nach der deutschen Niederlage.

Die beiden Klassen des Schlesischen Adlers

Der Schlesische Adler wurde in zwei Klassen beziehungsweise Stufen verliehen. Die Unterscheidung erfolgte sowohl nach den Verleihungsvoraussetzungen als auch nach der Trageweise.

Schlesischer Adler 2. Klasse

Die 2. Klasse wurde ursprünglich für eine vorbildliche Dienstzeit von mindestens drei Monaten im schlesischen Grenzschutz verliehen. Sie war mit einer Bandöse versehen und wurde an einem gelb-weiß-gelben Band getragen.

Schlesischer Adler 1. Klasse

Für die 1. Klasse waren sechs Monate vorbildlicher Dienst im gleichen Grenzschutzverband erforderlich. Im Gegensatz zur 2. Klasse wurde diese Auszeichnung als Steckabzeichen mit rückseitiger Nadel an der Uniform getragen.

Beide Klassen zeigen den schlesischen Adler mit der charakteristischen Mondsichel und dem Kreuz auf der Brust. Unter dem Adler befindet sich ein Schriftband mit der Aufschrift „FÜR SCHLESIEN“.

Ab 1921 kamen zusätzliche Ausführungen mit Schwertern und Eichenlaub hinzu. Die Schwerter kennzeichneten Verdienste im Kampf, während Eichenlaub unter anderem bei erneuter Auszeichnung Verwendung fand.

Neben den einfacheren geschwärzten Ausführungen entstanden auch versilberte und emaillierte Stücke, die von den Trägern privat beschafft werden konnten.

Die Besonderheit der Schlesischen Adler in diesem Nachlass

Der hier vorgestellte Offiziersnachlass enthält gleich zwei Schlesische Adler. Bei einem handelt es sich um ein Abzeichen der 1. Klasse, das als Steckabzeichen getragen wurde.

Der zweite Schlesische Adler befindet sich an einer Ordensspange, zusammen mit dem Ehrenkreuz für Frontkämpfer und dem Eisernen Kreuz 2. Klasse. Hierfür wurde ein Abzeichen der 1. Klasse verwendet, das nachträglich zur 2. Klasse umgearbeitet wurde.

Da beide Klassen unterschiedliche Befestigungen besaßen, ist diese Veränderung bemerkenswert. Weshalb die Umarbeitung vorgenommen wurde, lässt sich heute nicht mehr eindeutig feststellen.

Was erzählt uns diese Kombination an Auszeichnungen?

Das Beobachterabzeichen zeigt, dass der Offizier im Ersten Weltkrieg als Beobachter geflogen ist. Mit dem Eisernen Kreuz 2. und 1. Klasse wurde er für seine militärischen Leistungen zweimal ausgezeichnet. Das schwarze Verwundetenabzeichen von 1918 erhielt, wer im Krieg ein- oder zweimal verwundet worden war.

Nach 1918 diente er offenbar weiter. Der Schlesische Adler 1. Klasse setzte sechs Monate Dienst im schlesischen Grenzschutz voraus. Ob der ehemalige Fliegeroffizier in den Jahren danach einem Freikorps oder einem Grenzschutzverband angehörte, ist ohne persönliche Unterlagen nicht zu klären.

Das Ehrenkreuz für Frontkämpfer wurde am 13. Juli 1934 von Reichspräsident Paul von Hindenburg gestiftet und auf Antrag verliehen. Die Schwerter stehen für den Fronteinsatz. Der Offizier hat den Krieg also überlebt und das Ehrenkreuz Mitte der 1930er-Jahre noch erhalten.

Historische Einordnung des Offiziersnachlasses

Mit der Niederlage im November 1918 endete auch die Geschichte der kaiserlichen Fliegertruppe. Der Versailler Vertrag verbot 1919 deutsche Luftstreitkräfte. Viele ehemalige Soldaten und Offiziere kehrten ins Zivilleben zurück. Andere dienten zeitweise in der vorläufigen Reichswehr, in Grenzschutzformationen oder Freikorps.

Die Kämpfe in Oberschlesien waren dabei Teil der politischen und territorialen Auseinandersetzungen nach dem Ersten Weltkrieg. Sie betrafen nicht nur die bewaffneten Verbände beider Seiten, sondern hatten auch erhebliche Folgen für die Zivilbevölkerung. Der Schlesische Adler erinnert an diese unruhige Zeit.

Quellen


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Thomas Huss & Söhne / German Historica

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Rechtlicher Hinweis (§§ 86, 86a StGB): Unter den Kleinabzeichen in der Schachtel befindet sich ein Abzeichen mit Hakenkreuz. Abbildung und Beschreibung erfolgen ausschließlich zur historischen Dokumentation und staatsbürgerlichen Aufklärung im Sinne von § 86 Abs. 4 StGB.