Luft-Navigationskarte Merkator Nordwestrußland: Diese originale Karte stammt aus dem Bestand der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Blatt „Nordwestrußland“, Maßstab auf 51° Breite 1:2.000.000, gummiert und auf Stoff aufgezogen, mit dem Vermerk „Vorläufige Ausgabe!“.
Luft-Navigationskarte Merkator Nordwestrußland der deutschen Luftwaffe
Verwendung der Karte
Diese großformatigen Merkator-Karten dienten der Flugnavigation, Einsatzplanung und militärischen Orientierung über große Entfernungen.
Die Merkatorprojektion war für die Navigation besonders geeignet, da sich Kurse und Richtungen gut in die Karte übertragen ließen. Der Maßstab von 1:2.000.000 entspricht ungefähr 20 Kilometern pro Zentimeter auf der Karte.
Dargestellt sind unter anderem Städte, Küsten, Seen, Flüsse, Eisenbahnlinien, Verkehrswege und weitere wichtige Orientierungspunkte. Je nach Ausgabe konnten zusätzlich Flugplätze, Funknavigationseinrichtungen, Sperrgebiete und weitere luftfahrtrelevante Angaben eingetragen sein.
„Vorläufige Ausgabe!“
Der auffällige rote Vermerk „Vorläufige Ausgabe!“ bedeutet nicht, dass es sich um einen Probedruck handelt.
Die Karte war bereits für den militärischen Dienstgebrauch vorgesehen, ihr kartographischer Informationsstand galt jedoch noch nicht als endgültig. Gerade bei neu erschlossenen oder sich schnell verändernden Einsatzräumen mussten Karten teilweise kurzfristig zur Verfügung gestellt werden. Spätere Berichtigungen und überarbeitete Ausgaben waren daher möglich.
Gummierte Stoffausführung
Eine Besonderheit des vorliegenden Exemplars ist die robuste Ausführung. Die Karte ist gummiert und auf ein textiles Gewebe aufgezogen.
Diese Konstruktion machte sie widerstandsfähiger gegen häufiges Falten, Feuchtigkeit, Schmutz und die Belastungen des praktischen Flugbetriebes. Das Material zeigt heute eine leicht bräunliche bis beige Färbung, wie sie bei gealterten gummierten Stoffkarten vorkommen kann.
Das Luftwaffen-Planquadratnetz
Besonders auffällig ist das über die Karte gelegte rote Planquadrat- beziehungsweise Meldenetz.
Zu erkennen sind beispielsweise die Bezeichnungen 47 Ost und 57 Ost.
Dieses Raster diente dazu, Positionen schnell und eindeutig anzugeben. Große Gebiete wurden in immer kleinere Felder unterteilt. Dadurch konnten Beobachtungen und Positionen über Funk in kurzer Form weitergegeben werden.
Solche Planquadrate konnten beispielsweise verwendet werden für:
- Flugzeugpositionen
- Feindbeobachtungen
- Ziele
- Schiffspositionen
- Aufklärungsergebnisse
- Absturz- oder Notlandestellen
Damit war die Karte nicht nur eine reine Navigationskarte, sondern gleichzeitig eine militärische Meldekarte.
Vergleich mit den U-Boot-Planquadraten
Das Prinzip ist sehr gut mit den bekannten Planquadratkarten der deutschen U-Boote vergleichbar.
Auch die Kriegsmarine teilte große Seegebiete in ein festgelegtes Raster ein. Die bekannten Marinequadrate trugen beispielsweise Bezeichnungen wie AN, AM, BF oder CG und wurden anschließend durch Zahlen weiter unterteilt.
Der Zweck war bei beiden Systemen ähnlich: Positionen sollten möglichst schnell, kurz und eindeutig über Funk gemeldet werden können.
Gerade bei U-Booten war dies von großer Bedeutung. Statt lange geographische Koordinaten zu übertragen, konnte eine Position über das entsprechende Marinequadrat angegeben werden.
Das Luftwaffen-Meldenetz und das Marinequadratnetz waren jedoch zwei verschiedene Systeme. Die Planquadrate auf der Luftwaffenkarte dürfen daher nicht unmittelbar mit den U-Boot-Quadraten gleichgesetzt werden.
Besonders interessant wird dies im Zusammenhang mit der Seeaufklärung der Luftwaffe. Fernaufklärer konnten beispielsweise Schiffe oder Geleitzüge entdecken und deren Position an Befehlsstellen melden. Solche Meldungen waren auch für die Kriegsmarine und den U-Boot-Krieg von Bedeutung.
Historische Einordnung
Das Blatt „Nordwestrußland“ war somit gleichzeitig Luft-Navigationskarte, großräumige Übersichtskarte und militärische Meldekarte.
Die Kombination aus Merkatorprojektion, Planquadratnetz, dem Hinweis „Vorläufige Ausgabe!“ und der robusten gummierten Stoffausführung zeigt sehr deutlich, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Landkarte, sondern um ein praktisches Arbeitsmittel der deutschen Luftwaffe handelte. Diese Luft-Navigationskarte Merkator Nordwestrußland ist damit ein anschauliches Zeugnis der militärischen Kartographie des Zweiten Weltkriegs.
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