Die Stücke stammen aus dem Kostümfundus eines kleinen Theaters. Dort wurden sie über viele Jahre als Requisiten für unterschiedlichste Inszenierungen verwendet – von „Räuber Hotzenplotz" bis zu historischen Bühnenstücken wie „Der Hauptmann von Köpenick". Irgendwann verschwanden sie wieder im Fundus und lagen dort viele Jahre unbeachtet zwischen anderen Kostümteilen.
Der Fund – drei Stücke aus dem Theaterfundus
Zum Fund gehören:
- Die Helmglocke eines Kürassierhelms der preußischen Garde mit Resten der Schuppenkette
- Ein Paradeadler für diesen Helm
- Ein Ringkragen des Leibgarde-Kürassier-Regiments Nr. 1 mit den Jahreszahlen 1842 und 1892
Bei Theaterrequisiten kommen Veränderungen und Reparaturen vor. Teile wurden angepasst, umgebaut oder mit einfachen Mitteln instand gesetzt, damit sie weiter auf der Bühne verwendet werden konnten. Das ist bei Fundus-Stücken dieser Art nicht ungewöhnlich und mindert ihren historischen Erkenntniswert nicht grundsätzlich.
Kürassierhelme der preußischen Garde
Regimenter und Helmtyp
Dieser Helmtyp wurde von zwei Regimentern der schweren preußischen Gardekavallerie getragen: dem Regiment der Garde du Corps (Garnison Berlin, später Potsdam) und dem Garde-Kürassier-Regiment (Garnison Berlin). Beide nutzten denselben Helmtyp.
Material und Ausführung
Die Helmglocke bestand aus Tombak, einer Kupfer-Zink-Legierung, die hoch poliert einen goldfarbenen Glanz zeigte. Die Beschläge bestanden aus Neusilber. Damit unterschieden sich die Helme der Garderegimenter deutlich von denen der übrigen Kürassierregimenter, bei denen Helmglocken aus Stahlblech verwendet wurden. Auch der Kürass der Gardekürassiere war mit Tombakblech beschlagen – bei den Linienregimentern nicht der Fall.
Die hier erhaltene Helmglocke stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und zeigt die typische hohe Form mit sogenanntem Treppenschirm. Da vom ursprünglichen Helm nur noch die Glocke mit Resten der Schuppenkette vorhanden ist, lässt sich eine eindeutige Zuordnung zum Regiment der Garde du Corps oder zum Garde-Kürassier-Regiment heute nicht mehr treffen.
Der Helmbeschlag bestand aus einem Gardestern oder einem Reichsadler (sogenannter Linienadler). Die Schuppenketten waren aus Messing gefertigt und leicht gewölbt. Bei Paraden wurde die Helmspitze gegen einen großen Adleraufsatz ausgetauscht.
Der Paradeadler
Der Paradeadler ist aus Neusilber gefertigt – im Gegensatz zu späteren Ausführungen, die häufig aus Zinkblech hergestellt wurden. Viele dieser Adler zeigen tragebedingte Beschädigungen: Durch ihre Höhe kam es beim Tragen immer wieder zu Stößen, etwa beim Durchgehen von Türen oder unter niedrigen Durchgängen. Kaum ein Türsturz war hoch genug, um solche Berührungen vollständig zu vermeiden.
Der Ringkragen
Zum Fund gehört außerdem ein Ringkragen des Leibgarde-Kürassier-Regiments Nr. 1 mit den Jahreszahlen 1842 und 1892. Das Regiment hatte seine Garnison in Potsdam. Ringkragen dieser Art wurden bei Paraden, Wachdiensten und anderen repräsentativen Anlässen getragen. Der Ringkragen zeigt den preußischen Adler mit militärischen Emblemen sowie die beiden Jahreszahlen.
| Stück | Beschreibung |
|---|---|
| Helmglocke | Tombak, Mitte 19. Jh., hohe Form mit Treppenschirm, Reste Schuppenkette |
| Paradeadler | Neusilber, für Garde du Corps / Garde-Kürassiere, tragebedingte Beschädigungen |
| Ringkrogen | Leibgarde-Kürassier-Regiment Nr. 1, Jahreszahlen 1842 und 1892, Garnison Potsdam |
Hinweis an Theater, Sammlungen und kleine Museen
In vielen Theaterfundus, Kostümkammern oder kleineren Museumssammlungen finden sich noch heute ältere Requisiten, deren Herkunft oft längst vergessen ist. Gerade militärische Ausrüstungsstücke, Uniformteile, Helme, Orden oder Ausrüstungsteile wurden über Jahrzehnte als Bühnenrequisiten verwendet. Wenn Theater aufgelöst werden, Fundusbestände verkleinert oder alte Requisiten ausgesondert werden, gehen solche Stücke häufig verloren – nicht selten im Müll, obwohl sich darunter historisch interessante Objekte befinden können.
Sollten sich in Ihrem Fundus militärhistorische Gegenstände befinden, die nicht mehr benötigt werden, lohnt es sich, diese vor einer Entsorgung fachkundig prüfen zu lassen. Weitere Informationen zum Militaria-Ankauf und zur Einordnung solcher Objekte finden Sie auf militaria-kiel.de.
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Thomas Huss & Söhne / German Historica
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Eigene Recherche und Dokumentation. Literatur: Rolf Selzer – Die Pickelhaube; Klaus-U. Keubke / Ralf-U. Keubke – Die deutsche Armee 1871–1914.