Schnellboot-Kriegsabzeichen zählt zu den seltensten Auszeichnungen der Kriegsmarine überhaupt. Geschätzte 3.000 bis 4.000 Exemplare beider Formen zusammen wurden im Krieg verliehen – eine im Vergleich zu anderen Kriegsabzeichen der Kriegsmarine geringe Zahl. Besonders die 1. Form, die nur von Mai 1941 bis Januar 1943 ausgegeben wurde, ist heute nur schwer zu bekommen.
Inhalt dieses Beitrags
Stiftung und Hintergrund
Gestiftet wurde das Abzeichen am 30. Mai 1941 von Großadmiral Erich Raeder, dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine. Der Stiftungserlass wurde am selben Tag im Reichsgesetzblatt veröffentlicht.
Vor diesem Datum konnten Schnellbootbesatzungen lediglich das Zerstörer-Kriegsabzeichen erhalten, das seit dem 12. August 1940 verliehen wurde – eine Regelung, die bei den Besatzungen auf erhebliche Unzufriedenheit stieß, da sie sich eine eigene, ihrem speziellen Einsatzgebiet entsprechende Auszeichnung wünschten.
Das Design stammte von Wilhelm Ernst Peekhaus aus Berlin, einem der bedeutendsten Gestalter militärischer Auszeichnungen im Dritten Reich.
Aufbau des Abzeichens
Beide Formen zeigen ein hochovales Abzeichen mit einem zentral nach links fahrenden, stilisierten Schnellboot. Umgeben wird die Darstellung von einem unten gebundenen, goldenen Eichenkranz, wie er für Marine-Kampfabzeichen typisch ist. Oben mittig sitzt der Hoheitsadler der Kriegsmarine mit dem Hakenkreuz in den Fängen.
1. Form (30. Mai 1941 bis 28. Januar 1943)
Die 1. Form zeigt das Schnellboot mit fast geradem Bug. Bei den Besatzungen war diese Darstellung nicht sonderlich beliebt – sie empfanden das Boot als zu klobig dargestellt. Auf Initiative von Korvettenkapitän Rudolf Petersen, dem Kommandeur der Schnellbootstreitkräfte, wurde das Design überarbeitet.
Hersteller 1. Form (Material: Buntmetall):
- C. Schwerin & Sohn, Berlin — Prägung „Schwerin Berlin 68".
Diesen Hersteller habe ich bislang ausschließlich in Nachlässen aus privater Hand bekommen bzw. gesehen. Alle anderen in der Literatur genannten Hersteller der 1. Form bezweifle ich persönlich, bzw. handelt es sich dabei – wenn überhaupt – um nachgekaufte Stücke. Logisch wäre das ohnehin nicht: Die 1. Form war bei den Schnellbootfahrern extrem unbeliebt, jeder war bestrebt, eines der neuen Abzeichen der 2. Form zu bekommen.
2. Form (ab 28. Januar 1943)
Grund für die Überarbeitung waren die Beschwerden der Schnellbootfahrer über die Bootsdarstellung der 1. Form. Die 2. Form zeigt das Boot mit spitzem Bug. Ein Umtausch bereits verliehener Abzeichen der 1. Form fand nicht statt, sie durften weitergetragen werden.
Hersteller 2. Form (Material immer Zink):
| Hersteller | Merkmal |
|---|---|
| C. Schwerin & Sohn, Berlin | Prägung „Fec. W. E. Peekhaus Ausf. Schwerin Berlin" |
| Rudolf Souval, Wien | Marke „R.S.", meist Feinzink versilbert/vergoldet |
| Adolf Scholze | — |
Sonderform mit Brillanten
Neben den beiden regulären Ausführungen gab es eine Sonderform mit Brillanten – neun Diamanten, gefasst im Hakenkreuz des Abzeichens. Diese Ausführung war die höchste Steigerungsstufe des Schnellboot-Kriegsabzeichens und blieb einem denkbar kleinen Kreis vorbehalten: Sie wurde ausschließlich an Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub verliehen, also an Kommandanten, die bereits mit der höheren Tapferkeitsauszeichnung ausgezeichnet worden waren.
Nachgewiesen sind lediglich acht Verleihungen dieser Brillanten-Sonderform – womit sie im Vergleich zur 1. Form und 2. Form noch einmal deutlich seltener ist. Die erste Verleihung erfolgte am 13. November 1942 an Kapitänleutnant Werner Töniges.
Verleihungsvoraussetzungen
Mindestens 12 Feindfahrten bzw. Einsatzfahrten gegen feindliche Schiffe oder Anlagen, alternativ eine besonders erfolgreiche Einzelmission, eine herausragende Führungsleistung oder eine im Einsatz erlittene Verwundung. Posthume Verleihung war möglich, auch bei Totalverlust der Besatzung. Ein Umtausch des Zerstörer-Kriegsabzeichens gegen das Schnellboot-Kriegsabzeichen war unter bestimmten Bedingungen möglich. Die Verleihung wurde in Soldbuch oder Wehrpass eingetragen.
Verleihungszahlen
Für beide Formen zusammen werden in der Literatur 3.000 bis 4.000 verliehene Exemplare geschätzt. Damit gehört das Schnellboot-Kriegsabzeichen neben dem Hilfskreuzer-Kriegsabzeichen und der U-Boot-Frontspange zu den seltensten Auszeichnungen der Kriegsmarine.
Eine gesonderte Zahl für die 1. Form ist quellenseitig nicht überliefert. Aufgrund der kurzen Ausgabezeit von nur etwa 20 Monaten gilt sie als deutlich seltener als die 2. Form; nach eigener Einschätzung dürften es rund 1.200 Stück gewesen sein.
Tragweise
Das Abzeichen wurde an der linken Brusttasche getragen, unterhalb des Eisernen Kreuzes 1. Klasse, sofern dieses verliehen worden war. Bis zu zwei Kriegsabzeichen der Kriegsmarine durften gemeinsam getragen werden.
Weitere Beiträge zu Auszeichnungen der Kriegsmarine finden Sie in der Militaria-Infothek und im Militaria-Blog.
Ankauf & Bewertung
Wenn Sie Kriegsabzeichen, Orden oder andere Auszeichnungen der Kriegsmarine verkaufen möchten, können Sie sich gerne unverbindlich an uns wenden. Wir garantieren eine seriöse Abwicklung, faire Preise und eine gesetzeskonforme Behandlung nach den geltenden Vorschriften (§ 86a StGB). Haben Sie Fotografien, Dolche, Abzeichen, Uniformen oder maritime Kunst anzubieten?
Wenn Sie historische Nachlässe, maritime Gemälde oder Marinemalerei verkaufen möchten, können Sie sich gerne an uns wenden. Wir sind im nördlichen Deutschland tätig, insbesondere im Raum Kiel, Rendsburg, Schleswig, Husum, Flensburg, Lübeck sowie Hamburg.
Wir gewährleisten eine sachliche Bewertung, transparente Provenienzangaben und eine seriöse Abwicklung. Mehr zum Ankauf unter Militaria-Ankauf und Militaria-Ankauf Schleswig-Holstein.
Thomas Huss & Söhne / German Historica
Direkter Draht für Fragen rund um Ankauf, Bewertung und historische Einordnung militärhistorischer Objekte.
Dieser Beitrag dient der historischen Aufklärung und Objektdokumentation. Auf die Darstellung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen wird verzichtet bzw. erfolgt ausschließlich im Rahmen der Sozialadäquanzklausel (§ 86a Abs. 3 StGB) zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen sowie der Wissenschaft und Forschung.
eigene fachliche Recherche und Einschätzung zu Stiftung, Ausführungsformen, Herstellern und Verleihungspraxis des Schnellboot-Kriegsabzeichens.