Robert Schmidt-Hamburg – Das Schulschiff „Horst Wessel“ in der Kieler Förde
Dieses um 1936 entstandene Gemälde des Marinemalers Robert Schmidt-Hamburg (1895–1963) zeigt das Segelschulschiff „Horst Wessel“ unter vollen Segeln in der Kieler Förde. Das Werk ist in Tempera auf Karton ausgeführt, misst 25 × 35 cm, ist gerahmt unter Glas und trägt die Signatur „R. S. Laboe“.
Robert Schmidt-Hamburg und die Kieler Förde
Der in Berlin geborene Künstler ließ sich nach dem Ersten Weltkrieg in Laboe bei Kiel nieder, wo er bis zu seinem Tod 1963 lebte und arbeitete. Die unmittelbare Nähe zur Kieler Förde prägte sein Schaffen entscheidend. Viele seiner Gemälde zeigen Schiffe, die hier täglich verkehrten, ergänzt um Eindrücke, die er auf Segeltouren in der Förde sammelte. Darüber hinaus nahm er Eindrücke von Reisen mit den großen Reedereien seiner Zeit – etwa dem Norddeutschen Lloyd – mit in sein Werk auf.
Dadurch entstand eine einzigartige Mischung aus lokaler Beobachtung und internationaler Erfahrung, die seinen Bildern ihre Authentizität und Vielseitigkeit verlieh.
Künstlerische Laufbahn
Schmidt-Hamburg zählt zu den angesehensten deutschen Marinemalern seiner Zeit, in einer Reihe mit Holst, Stöwer, Bock oder Bohrdt.
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Im Ersten Weltkrieg arbeitete er als Auftragsmaler für Offiziere der Kaiserlichen Marine und als Illustrator für Zeitungen und Zeitschriften.
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In den 1920er- und 1930er-Jahren war er ein gefragter Künstler für Reedereien. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Schiffsgemälde, illustrierte Speisekarten, Postkarten und Drucksachen.
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Große Bekanntheit erlangte er mit den Zigaretten-Sammelbilderalben Reedereiflaggen der Welthandelsflotte und Flottenbilder der Welthandelsflotte, die vollständig aus seiner Hand stammten.
Verhältnis zur Kriegsmarine
Obwohl Schmidt-Hamburg in den 1930er Jahren auch Schiffe der Reichs- bzw. Kriegsmarine darstellte – darunter die „Horst Wessel“ –, blieb es bei wenigen Arbeiten. Weitere Aufträge blieben aus, da er nicht bereit war, sich den künstlerischen Vorgaben der NS-Kulturpolitik unterzuordnen. Sein Schwerpunkt lag weiterhin auf zivilen maritimen Motiven und Aufträgen aus der Handelsschifffahrt.
Gerade deshalb besitzt das Gemälde der „Horst Wessel“ besonderen Seltenheitswert: Es dokumentiert die Präsenz dieses Schiffes in der Kieler Förde und gehört zu den wenigen erhaltenen Werken Schmidt-Hamburgs mit direktem Bezug zur Kriegsmarine.
Spätere Jahre
Auch nach 1945 blieb Schmidt-Hamburg seiner maritimen Thematik treu. Er arbeitete weiterhin für Reedereien und private Auftraggeber, bis er 1963 in Laboe verstarb. Heute gelten seine Werke nicht nur als künstlerisch wertvoll, sondern auch als visuelles Archiv der maritimen Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Literaturhinweis
Das Leben und Werk von Robert Schmidt-Hamburg ist ausführlich dokumentiert in:
Jörg-M. Hormann / Heinz Otto Müller: Robert Schmidt-Hamburg. Vom Seemann zum Marinemaler, Hamburg 1987.
Sammlung Thomas Huss
Das hier vorgestellte Bild ist bislang unveröffentlicht und befindet sich in meiner Sammlung,
Thomas Huss.