Graf Zeppelin: Der Stapellauf des ersten deutschen Flugzeugträgers in Kiel
Hier zeigen wir eine Serie von Fotokarten, die für die Teilnehmer des Stapellaufs des Flugzeugträgers Graf Zeppelin am 8. Dezember 1938 von den Deutschen Werken in Kiel herausgegeben wurde.
Am 8. Dezember 1938 wurde in Kiel der Flugzeugträger Graf Zeppelin vom Stapel gelassen. Gebaut wurde er in den Deutschen Werken. Für die Stadt war es ein Ereignis mit spürbarer Wirkung: Absperrungen im Hafen, Musikkorps, offizielle Reden. Für einen Tag rückte Kiel ins nationale Rampenlicht.
Die Graf Zeppelin war der erste – und in der Bauphase am weitesten fortgeschrittene – deutsche Flugzeugträger. Sein späterer Betrieb hätte ein Zusammenspiel von Marine und Luftwaffe erfordert: Die Kriegsmarine stellte das Schiff, die Luftwaffe die Flugzeuge. Dieses Modell war neu, organisatorisch anspruchsvoll und von Beginn an konfliktbeladen. Parallel mussten Flugzeuge für den Trägerbetrieb angepasst werden, darunter die Ju 87C mit Klappflügeln und Fanghaken. Für die schiffsgebundene Fliegereinheit war die Trägergruppe 186 vorgesehen.
Der Stapellauf verlief plangerecht – der Rumpf glitt vom Trockendock ins Wasser. Mehr war es nicht. Das Schiff blieb ein Rohbau. Wichtige Komponenten fehlten: Maschinenanlagen, Katapulte, Inneneinrichtung und Hangars. Kiel erhielt einen imposanten Stahlkörper, aber keinen einsatzfähigen Träger. Die Werft wurde durch dieses Großereignis stark belastet. Die Helling war eigentlich durch andere Projekte gebunden. Der Stapellauf wurde politisch priorisiert, Baugruppen mussten verlegt werden. Für die Arbeiter bedeutete das zusätzliche Schichten, Unterbrechungen und Verschiebungen. In den Abläufen zeigte sich deutlich: Prestige stand über Produktionslogik – wie bei vielen militärischen Großprojekten.
Nach dem Stapellauf änderte sich das Bild schnell. Der Schiffsrumpf wurde in einen Seitenbereich geschoben, und der Werftbetrieb lief normal weiter. Die öffentliche Inszenierung war vorbei. Die Realität des Projekts zeigte sich sofort: Die Prioritäten verlagerten sich, andere Bauprogramme hatten Vorrang. Der Weiterbau verzögerte sich und wurde später vollständig gestoppt. Der Rumpf diente zeitweise als Lagerfläche für Material. In Kiel sprach man später vom „teuersten Abstellplatz der Werft“.
Nach dem Stapellauf blieb die Graf Zeppelin zunächst in Kiel, doch die Arbeiten blieben schleppend. 1940 wurde der Rumpf nach Gotenhafen verlegt, weil die Werft in Kiel für andere Projekte benötigt wurde. Dort ruhte der Weiterbau weitgehend; zeitweise nutzte man das Schiff nur als schwimmende Lagerfläche. 1945 versenkte die deutsche Seite den Rumpf in Stettin, um ihn nicht der heranrückenden Roten Armee zu überlassen. Die Sowjets hoben ihn 1946, schleppten ihn ab und setzten ihn 1947 als Zielschiff ein, wobei er endgültig sank.
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