Marinedolche mit gekürzter Klinge – warum viele Kriegsmarine-Dolche nach 1945 abgesägt wurden
Die Erklärung dafür, warum so viele Marinedolche mit abgesägter oder gekürzter Klinge auftauchen, liegt wahrscheinlich in der Entmilitarisierung nach dem 8. Mai 1945. Die Briten übernahmen in ihrem Besatzungsgebiet in Nordwestdeutschland die Kontrolle über Verwaltung, Justiz, Internierung und Entwaffnung.
Die Besatzungsmächte forderten die Bevölkerung zur vollständigen Ablieferung von Waffen auf. In Bekanntmachungen und Anordnungen wurde bei Zuwiderhandlung teils mit schweren Strafen bis hin zur Todesstrafe gedroht. Viele gaben aus Angst ihre Waffen ab, andere versteckten, vergruben oder versenkten sie. Betroffen war alles: Schusswaffen wie Pistolen, Revolver, Kleinkalibergewehre, Vorderlader, Schrotflinten und sonstige Gewehre, kurz alles, womit geschossen werden konnte, ebenso Hieb- und Stichwaffen wie Säbel, Degen, Dolche, Bajonette und Hirschfänger – ob als Zivilwaffen, Jagdwaffen oder Militärwaffen.
In der britischen Zone wurde dabei besonders streng vorgegangen. Vieles wurde eingesammelt und vernichtet. Aus einzelnen Regionen in Schleswig-Holstein ist bekannt, dass beschlagnahmte Bestände auf die Straße gelegt und mit schweren Fahrzeugen zerstört wurden, so etwa im Kreis Rendsburg, in Hohenwestedt und im Umland. Anderes wurde in Gewässern versenkt oder verbrannt. Solche Vorgänge sind auch aus dem Raum Kiel, aus Molfsee, Preetz, Lübeck, Flensburg und aus Ostholstein überliefert. Die zahlreichen Funde der vergangenen Jahrzehnte sprechen ebenfalls dafür, dass große Mengen an Blankwaffen nach Kriegsende vernichtet, verbrannt oder auf andere Weise beseitigt wurden.
Für die ehemalige Kriegsmarine ergab sich jedoch ein Sonderfall. Mit der German Mine Sweeping Administration (GMSA) blieben ab Juni 1945 mehrere tausend deutsche Marinesoldaten unter britischem Befehl im Einsatz, um die Seewege von Minen zu räumen. Zur Nachkriegsräumung auf See gehörte auch die Beseitigung von Restmunition in Nord- und Ostsee.
Hierfür wurde das Tragen von Uniformen weiterhin erlaubt. Die Uniformen wurden entnazifiziert: Hoheitsabzeichen an Uniformen und Mützen wurden entfernt; auch Auszeichnungen und Abzeichen wurden, soweit sie nationalsozialistische Symbole trugen, vielfach unkenntlich gemacht oder in entnazifizierter Form weiterverwendet.
Das Tragen von Waffen war verboten. Wahrscheinlich wurden viele Marinedolche deshalb gekürzt. So blieb der Dolch äußerlich erhalten, war aber als Waffe unbrauchbar gemacht. Genau darin dürfte der Grund liegen, warum Marinedolche mit abgesägter oder stark gekürzter Klinge bis heute vergleichsweise häufig auftauchen.
Während Blankwaffen von Heer und Luftwaffe meist abgegeben, beschlagnahmt, versteckt, zerstört oder als Souvenir mitgenommen wurden, blieb der Marinedolch durch diese besondere Nachkriegssituation in größerer Zahl erhalten – allerdings oft nur in entschärfter Form.
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Autor & fachliche Einordnung
Dipl.-Ing. Thomas Huss
Dieser Beitrag basiert auf eigener militärhistorischer Recherche und der Auswertung von Originalen, Primärquellen und Nachlässen aus dem eigenen Archiv. Schwerpunkte meiner Arbeit sind die Bestimmung und historische Einordnung militärischer Blankwaffen, Orden, Ehrenzeichen und maritimer Nachlässe, insbesondere aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Ziel ist die sachliche Dokumentation solcher Stücke in ihrem geschichtlichen Zusammenhang.
Schwerpunkte:
Militärhistorische Recherche · Blankwaffen · Marinedolche · Marineoffiziersdolche · Orden und Ehrenzeichen · Eisernes Kreuz · Ritterkreuz · Pour le Mérite · militärische Nachlässe · maritime Nachlässe · Primärquellen · Soldbücher · Urkunden · Fotonachlässe · Erster Weltkrieg · Zweiter Weltkrieg · Thomas Huss
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