Offiziersdolch eines Admirals der Kaiserlichen Marine: Dieser Marinedolch stammt aus dem persönlichen Besitz von Alfred Meyer-Waldeck (1864–1928), dem letzten deutschen Gouverneur von Tsingtau. Wir konnten ihn in Kiel erwerben. Meyer-Waldeck leitete 1914 die Verteidigung des Pachtgebiets Kiautschou gegen japanische und britische Truppen. Seine Laufbahn führte ihn über Kiel und Berlin bis nach Ostasien. Mit Kiel war er auch privat eng verbunden.
Inhalt
- Offiziersdolch eines Admirals der Kaiserlichen Marine
- Herkunft und Buchstaben auf der Fehlschärfe
- Luxusausführung mit geätzter Klinge
- Alfred Meyer-Waldeck: der Träger des Dolchs
- Herkunft und Beginn der Marinekarriere
- Marineakademie und Familie in Kiel
- Erster Aufenthalt in China auf SMS Geier
- Admiralstab, Namensänderung und Rückkehr nach Tsingtau
- Gouverneur von Kiautschou
- Die Belagerung von Tsingtau 1914
- Kriegsgefangenschaft und Lebensende
- Sammlerische Bedeutung
- Quellen
- Ankauf & Bewertung
Herkunft und Buchstaben auf der Fehlschärfe
Die Zuordnung zu Alfred Meyer-Waldeck beruht auf der Überlieferung der Familie. Ob der Dolch schon früher innerhalb der Familie in Kiel verblieben war oder auf anderem Weg dorthin kam, lässt sich ohne weitere Unterlagen nicht sicher sagen.
Auf der Fehlschärfe der Klinge sind Buchstaben eingeritzt, die als „W M A“ gelesen werden. Je nach Betrachtung und Leserichtung liegt eine Verbindung zu Alfred Meyer-Waldeck nahe. Die Buchstaben allein sind kein endgültiger Beweis, zusammen mit der Überlieferung aber ein wichtiges Indiz.
Luxusausführung mit geätzter Klinge
Der Dolch ist keine einfache Standardausführung, sondern eine aufwendig gefertigte Luxusausführung. Die Klinge trägt eine dekorative Ätzung mit teilweise vergoldeten Partien. Griff und Krone sind deutlich aufwendiger gearbeitet als bei gewöhnlichen Stücken.
Bei Marineoffizieren des Kaiserreichs finden sich neben regulären Dienststücken immer wieder solche hochwertigen Ausführungen. Sie heben sich durch Material, Vergoldung und Ornamentik deutlich ab.
Alfred Meyer-Waldeck: der Träger des Dolchs
Herkunft und Beginn der Marinekarriere
Alfred Meyer-Waldeck wurde am 27. November 1864 als Alfred Meyer in St. Petersburg geboren, als achtes von zehn Kindern. Sein Vater Friedrich Meyer war Professor für deutsche Literatur und Herausgeber der Deutschen Zeitung in St. Petersburg, seine Mutter war Dorothea von Boursy. 1874 zog die Familie nach Heidelberg. Der Vater war dort an der Universität tätig und nannte sich als Autor auch Meyer von Waldeck.
Nach dem Abitur 1883 studierte Alfred Meyer zwei Semester in Heidelberg. 1884 trat er als Kadett in die Kaiserliche Marine ein. Es folgten die üblichen Ausbildungs- und Bordverwendungen. 1887 wurde er Leutnant zur See, 1890 Oberleutnant zur See. Ab Herbst 1893 war er zwei Jahre beim Oberkommando der Marine eingesetzt, 1897 folgte die Beförderung zum Kapitänleutnant.
Marineakademie und Familie in Kiel
Von 1897 bis 1899 besuchte er die Marineakademie in Kiel, eine der wichtigsten Ausbildungsstätten für Marineoffiziere des Kaiserreichs. Am 11. Oktober 1898 heiratete er in Kiel Johanna Ney. Das Ehepaar hatte drei Kinder: den Sohn Hans und die Töchter Hertha und Dagmar. Dagmar Meyer-Waldeck kam am 25. Juni 1908 in Kiel zur Welt. Weitere Beiträge zur Marinegeschichte der Stadt stehen im Kiel-Blog.
Erster Aufenthalt in China auf SMS Geier
Von 1899 bis 1901 war Meyer-Waldeck Erster Offizier auf dem Kleinen Kreuzer SMS Geier. Das Schiff lag zunächst an der amerikanischen Westküste und wurde während des Boxeraufstandes nach China entsandt. Am 29. August 1900 traf die Geier in Yantai ein. Im Oktober 1900 lag sie in Tsingtau, danach mehrere Monate in Shanghai. Im April 1901 war sie erneut in Tsingtau. Meyer-Waldeck kannte den deutschen Stützpunkt in China also schon Jahre vor seiner Zeit als Gouverneur.
Admiralstab, Namensänderung und Rückkehr nach Tsingtau
Von 1901 bis 1905 war Alfred Meyer im Admiralstab der Marine in Berlin tätig. 1903 nahm er den Namen Meyer-Waldeck an und wurde im selben Jahr Korvettenkapitän. 1905 war er einige Monate Erster Offizier auf dem Linienschiff SMS Wettin, anschließend bis 1908 im Stab des I. Geschwaders an Bord der SMS Wittelsbach.
1907 wurde er Fregattenkapitän, am 27. Januar 1909 Kapitän zur See. Schon am 24. Juni 1908 hatte man ihn zum Chef des Stabes des Gouvernements Kiautschou ernannt. Am 24. Dezember 1908 traf er in Tsingtau ein. Vom 6. April 1909 bis 2. April 1910 vertrat er den abwesenden Gouverneur Oskar von Truppel und leitete das Pachtgebiet.
Gouverneur von Kiautschou
Im Februar 1911 kehrte Meyer-Waldeck nach Deutschland zurück. Wenige Monate später wurde er als Nachfolger Oskar von Truppels zum Gouverneur von Kiautschou bestimmt. Am 22. November 1911 traf er wieder in Tsingtau ein und übernahm das Amt.
Als Gouverneur leitete er die Zivilverwaltung und war zugleich militärischer Befehlshaber. Tsingtau war damals der wichtigste deutsche Marinestützpunkt in Ostasien, mit Hafen, Kasernen, Befestigungen und Verwaltungseinrichtungen.
Die Belagerung von Tsingtau 1914
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs geriet Tsingtau in eine aussichtslose Lage. Am 23. August 1914 erklärte Japan dem Deutschen Reich den Krieg, kurz darauf begann die Belagerung durch japanische und britische Truppen. Meyer-Waldeck organisierte die Verteidigung, doch militärisch war der Stützpunkt kaum zu halten. Nach schweren Kämpfen und anhaltendem Artilleriebeschuss kapitulierte Tsingtau am 7. November 1914.
Während der Verteidigung war Meyer-Waldeck noch Kapitän zur See. Zum Konteradmiral wurde er erst in der Kriegsgefangenschaft befördert, am 22. März 1915. Am 27. Januar 1918 folgte die Beförderung zum Vizeadmiral.
Kriegsgefangenschaft und Lebensende
Nach der Kapitulation kam Meyer-Waldeck in japanische Kriegsgefangenschaft. Im Mai 1920 kehrte er mit der Nankai Maru nach Deutschland zurück und wurde am 31. August 1920 pensioniert. Danach lebte er in Berlin. Im Sommer 1928 hielt er sich aus gesundheitlichen Gründen in Bad Kissingen auf, wo er am 25. August 1928 starb. Beigesetzt wurde er im Familiengrab in Heidelberg.
Sammlerische Bedeutung
Dieser Offiziersdolch eines Admirals der Kaiserlichen Marine lässt sich einem namentlich bekannten Träger zuordnen. Damit kommt zur handwerklichen Qualität die Geschichte des Mannes hinzu, der ihn getragen hat. Bei diesem Stück sind das die Kaiserliche Marine, die deutsche Präsenz in Ostasien und die Belagerung von Tsingtau, verbunden mit einem Offizier, der durch Ausbildung, Heirat und Familie eng an Kiel gebunden war. Die eingeritzten Buchstaben und die besondere Ausführung stützen die Angabe der Familie. Weitere Objekte mit belegter Herkunft stellen wir im Militaria-Blog vor.
Quellen
- Wilhelm Matzat: Meyer-Waldeck, Alfred (1864–1928), Gouverneur. tsingtau.org, 2009: Tsingtau.org/meyer-waldeck-alfred-1864-1928-gouverneur
- Eberhard von Mantey, in: Deutsches Biographisches Jahrbuch, Bd. X: Das Jahr 1928, Stuttgart 1931, S. 172–176.
- Kiautschou-Post, 2. Halbband 1911, S. 378 (26.11.1911).
Ankauf & Bewertung
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