Der SA-Dienstdolch wurde am 15. Dezember 1933 durch die Oberste SA-Führung eingeführt. Das Design orientierte sich am Schweizer Dolch des 16. Jahrhunderts (Holbeindolch). Während der frühen Jahre war die Qualitätskontrolle durch die Firmenzeichen der meist in Solingen ansässigen Handwerksbetriebe geprägt. Mit der zunehmenden Zentralisierung der Rüstungswirtschaft ab 1934 übernahm die Reichszeugmeisterei die Aufsicht über die Produktion, um Standards bei Material und Preisen zu sichern. Dies führte zur Einführung des RZM-Logos und der numerischen Codierung. Die Produktion wurde kriegsbedingt im Jahr 1942 eingestellt.


A Technische Differenzierung

SA-Dienstdolch (M33)

Brauner Griff, braune Scheide (frühe Stücke brüniert, spätere lackiert). Parierstangen bei frühen Stücken mit Gruppenstempelung.

NSKK-Dienstdolch

Brauner Griff, schwarze Scheide. Per Korpsbefehl vom 19. Mai 1936 wurde für das NSKK die schwarze Lackierung der Scheide eingeführt. Frühe Stücke sind oft umgestrichene SA-Dolche, erkennbar an schwarzer Farbe über originaler Brünierung. Bei späteren Fertigungen ab 1938 wurde die schwarze Lackierung direkt im Werk aufgebracht.

NSKK-Führerdolch (M36)

Einführung der Kettenscheide für Führer; die Kettenglieder zeigen NSKK-Embleme und das Rad-Symbol.


B Fertigungsperioden

Frühe Fertigung (1933–1935)

Verwendung von massiven Neusilber-Beschlägen (Alpaka) und Griffen aus Echtholz (meist Birnbaum oder Ahorn). Klingen tragen vollständige Firmenlogos. Parierstangen mit Gruppenstempelung. Die Klingen weisen oft den feinen Pließt-Schliff auf.

Übergangsperiode (1936–1938)

Kombination aus Herstellerlogo und RZM-Codierung („Doppelhersteller“). Schrittweiser Wechsel von Neusilber zu verchromtem Zinkdruckguss bei den Beschlägen.

Späte Fertigung (1938–1942)

Ausschließlich RZM-Codierung (M7/xx). Meist lackierte Scheiden und Beschläge aus verchromtem Zink oder Eisen. Die Materialqualität nahm kriegsbedingt ab.


C Frühe Herstellerbezeichnungen (1933–1935)

In dieser Phase markierten über 200 Betriebe die Klingen mit ihren individuellen Firmenlogos. Bedeutende Hersteller waren:

  • Aesculap (Jetter & Scheerer), Tuttlingen — Logo zeigt eine Schlange am Stab mit Krone.
  • Böker & Co. (Baumwerk), Solingen — Logo mit einem Baum (Eiche).
  • Carl Eickhorn, Solingen — Logo zeigt ein sitzendes Eichhörnchen.
  • C. G. Haenel, Suhl — Schriftzug in einem Oval oder Rechteck.
  • J. P. Sauer & Sohn, Suhl — Firmierung „J.P. Sauer & Sohn, Suhl, gegr. 1751“ mit dem „Wilden Mann“.
  • Ernst Pack & Söhne (E.P.&S.), Solingen — Logo zeigt einen Hammer (Siegfried-Waffen).
  • F. Dick, Esslingen — Schriftzug „F. DICK“ mit einem Pfeil-Symbol.
  • Robert Klaas, Solingen — Logo zeigt zwei Störche (Kissing Cranes).
  • Hammesfahr & Cie., Solingen — Logo mit einer Pyramide und dem Buchstaben „H“.
  • Gebrüder Heller, Marienthal/Schmalkalden — Logo zeigt einen Glockenschläger.
  • Wilhelm Kober & Co., Suhl — Schriftzug in markanter Typografie.
  • Anton Wingen Jr., Solingen — Logo zeigt einen Ritter (Ritter-Marke).
  • SMF (Solinger Metallwarenfabrik), Solingen — Logo mit einem sitzenden König.
  • Puma (Lauterjung & Sohn), Solingen — Logo zeigt einen Puma-Kopf.
  • Gottfried Müller, Herges-Vogtei — Seltener Hersteller aus Thüringen.
  • Paul Kohl, Solingen — Seltener Hersteller früher NSKK-Stücke.

D RZM-Herstellerliste (M7-Serie)

Da SA und NSKK ihre Blankwaffen über die Reichszeugmeisterei bezogen, sind die Codes identisch.

RZM-CodeHerstellerStandort
M7/1Gebrüder ChristiansSolingen
M7/2Emil VoosSolingen
M7/3Kuno RitterSolingen-Grafrath
M7/5Carl Julius KrebsSolingen
M7/6H. & F. LauterjungSolingen
M7/8Eduard GembruchSolingen-Grafrath
M7/9SMF (Solinger Metallwarenfabrik)Solingen
M7/10J. A. HenckelsSolingen
M7/11E. Knecht & Co.Solingen
M7/12WMW (Waffenfabrik Max Weyersberg)Solingen
M7/13Arthur Schüttelhofer & Co.Solingen-Wald
M7/14P. D. LüneschlossSolingen
M7/18Richard Abr. HerderSolingen
M7/19Edward WüsthofSolingen
M7/20Ernst MandewirthSolingen
M7/25Wilhelm WagnerSolingen-Merscheid
M7/27Puma-Werk (Lauterjung & Sohn)Solingen
M7/28Klittermann & MoogHaan
M7/29Klittermann & MoogSolingen
M7/30Gebrüder GräfrathSolingen-Widdert
M7/31August MertenSolingen-Grafrath
M7/32Robt. MüllerSolingen
M7/33F. W. HöllerSolingen
M7/35Jakob SchottleSolingen
M7/36E. & F. HörsterSolingen
M7/37Robert KlaasSolingen-Ohligs
M7/38Paul SeilheimerSolingen
M7/40Hartkopf & Co.Solingen
M7/42WKC (Weyersberg, Kirschbaum & Co.)Solingen-Wald
M7/43Paul Weyersberg & Co.Solingen
M7/45Ottersbach & Co.Solingen
M7/49Friedrich Herder A.S.Solingen
M7/51Anton Wingen Jr.Solingen
M7/52Herbertz & MeurerSolingen-Grafrath
M7/56C. D. SchaaffSolingen
M7/60August MüllerSolingen-Merscheid
M7/62Friedrich Plücker Jr.Solingen
M7/65Karl TiegelRiemberg
M7/66Carl EickhornSolingen
M7/67Arthur SchüttelhoferSolingen-Wald
M7/68Tiger-Werk (Lauterjung & Co.)Solingen
M7/72Karl Rob. KaltenbachSolingen
M7/73Hörster & Co.Solingen
M7/80Gustav C. SpitzerSolingen
M7/83Richard PlümacherSolingen
M7/85Arthur EvertzSolingen
M7/91Carl SpitzerSolingen
M7/94Gebrüder BellSolingen-Gräfrath
M7/112Caspar NeiserSolingen
M7/116Franz WeinzelWien
M7/118Jacobs & Co.Solingen-Gräfrath

E SA-Gruppenstempel (Gau-Markierungen)

Bei frühen Dolchen (1933–1935) befindet sich auf der Rückseite der unteren Parierstange ein eingeschlagenes Kürzel. Dies dokumentiert die Zuweisung an eine bestimmte SA-Gruppe. Da die Parierstangen aus Neusilber bestanden, ließen sich die Stempel sauber einschlagen. Die späteren Dolche waren nicht mehr markiert.

KürzelSA-GruppeHauptsitz
BBerlin-BrandenburgBerlin
BaBayerische OstmarkBayreuth
FrFrankenNürnberg
HaHansaHamburg
HeHessenFrankfurt/Main
HoHochlandMünchen
MiMitteMagdeburg
NmNordmarkKiel
NoNordseeBremen
NwNordwestKoblenz
OmOstmarkFrankfurt/Oder
OstOstpreußenKönigsberg
PPommernStettin
SSchlesienBreslau
SaSachsenDresden
SuSüdwestStuttgart
ThThüringenWeimar
WWestendFrankfurt/Main
WfWestfalenDortmund
WmWestmarkNeustadt/Weinstraße

F Historischer Hintergrund und Markierungspraxis

Die Trennung von SA und NSKK im Jahr 1934 erforderte eine visuelle Differenzierung der Ausrüstung. Da das NSKK als motorisierte Teilorganisation aus der SA hervorging, blieben die Grundformen der Blankwaffen gleich. Nach dem Erlass zur Schwärzung der Scheiden 1936 wurden bestehende Bestände meist manuell umlackiert.

Die Qualitätsprüfung erfolgte stichprobenartig durch RZM-Kontrolleure in den Fabriken, wobei die Hersteller für Abweichungen in der Legierung der Beschläge oder der Holzqualität der Griffe haftbar gemacht wurden.

Die Gruppenstempel dienen heute als wichtiges Indiz für die Authentizität eines frühen Dolches, wobei regionale Korrelationen zwischen Herstellern (z. B. Suhler Betriebe lieferten oft an Gruppe „Th“) und den Stempeln existieren.

G Quellen und Fachliteratur

  • Handbuch der Reichszeugmeisterei (1939) & RZM-Gesamtverzeichnis (1938)
  • SS-Verordnungsblätter (1933–1936) sowie Archivunterlagen der Solinger Industrie
  • Siegert, R.: Die Dienstdolche der Schutzstaffel
  • Katalog der Blankwaffenhersteller Solingen (Ausgabe 1938)
  • Unterlagen und Originalbelege aus dem Thomas Huss Archiv

H Ankauf & Bewertung

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Autor / fachliche Verantwortung
Thomas Huss · Dipl.-Ing. · German Historica / Militaria Kiel

erfahrener Sammler und Fachhändler für militärhistorische Objekte. Beruht auf jahrelanger eigener Recherche, der Auswertung militärischer Nachlässe (Soldbücher, Urkunden, Fotonachlässe) sowie der Dokumentation von Originalen.