SS-Dienstdolche gehören zu den am intensivsten erforschten Blankwaffen des Dritten Reichs. Eingeführt am 15. Dezember 1933, war der Dolch kein Kampfgerät, sondern ein Organisationssymbol — mit streng kontrollierter Fertigung, klarer Trägerhierarchie und bis heute erkennbaren Herstellermerkmalen. Dieser Beitrag dokumentiert Varianten, Hersteller und Markierungspraxis auf Basis von Primärquellen und Originalstücken.
SS-Dienstdolche: Varianten, Hersteller und Markierungen
Einführung und Grundform
Der SS-Dienstdolch orientiert sich in Grundform und Abmessungen am Modell M33 der SA, unterscheidet sich aber in Farbgebung und Symbolik. Schwarzer Griff, schwarze Scheide, Neusilberbeschläge — und auf der Klinge die Devise „Meine Ehre heißt Treue". Die Reichsführung SS betrachtete den Dolch als Ausdruck der Bindung an die Organisation, nicht als Waffe.
Varianten im Überblick
Schwarzer Griff aus Ebenholz oder schwarz gebeiztem Hartholz mit eingelegten SS-Runen und Adler. Scheide früh schwarz brüniert, später schwarz lackiert. Beschläge der frühen Fertigung aus massivem Neusilber.
Für SS-Angehörige, die der Organisation vor der Machtübernahme beigetreten waren (Alte Kämpfer), sowie für Führer. Wesentliches Merkmal: Kettenscheide aus rechteckigen Gliedern mit Totenkopf- und Runenmotiven. Mittelband der Scheide mit umlaufendem Hakenkreuz-Muster. Herstellermarkierung auf der Klinge häufig fehlend; falls vorhanden, nur RZM-Code auf der Klingenrückseite.
Frühe Vergabeexemplare mit rückseitiger Widmung „In herzlicher Kameradschaft Ernst Röhm". Nach dem 30. Juni 1934 wurde das Entfernen der Widmung befohlen. Stücke mit vollständig oder teilweise entfernter Widmung — sogenannte „geschliffene Klingen" — sind dokumentierte Belege dieser politischen Zäsur.
Sonderserie von ca. 200 Stück mit der Widmung „In herzlicher Kameradschaft H. Himmler". Ausgabe an Teilnehmer des Umsturzes und Personen mit besonderen Verdiensten.
Exklusivität der SS-Fertigung
Im Gegensatz zur SA, bei der über 200 Betriebe fertigten, vergab die Reichsführung SS Lizenzen nur an einen kleinen Kreis von Herstellern, die höchste Qualitätsstandards und die Verarbeitung schwieriger Materialien wie Ebenholz garantieren konnten. Viele Firmen, die SA-Dolche in großen Stückzahlen produzierten, erhielten für die SS-Fertigung keine Freigabe durch die Dienststelle des Schatzmeisters der NSDAP.
Frühe Hersteller (1933–1935): Firmenlogos
In der frühen Phase wurden Klingen mit den individuellen Markenzeichen der Hersteller versehen. Diese Stücke haben Beschläge aus schwerem Neusilber und Griffe aus echtem Ebenholz.
- Böker & Co. (Baumwerk), Solingen — Logo: Eiche
- C. Bertram Reinh. Sohn, Solingen — Logo: Henne
- Carl Eickhorn, Solingen — Logo: sitzendes Eichhörnchen
- Gottlieb Hammesfahr, Solingen-Foche — Logo: Pyramide mit „H", teils zusätzlich „NIROSTA"
- Richard Abr. Herder, Solingen — Logo: zwei gekreuzte Schlüssel
- Robert Klaas, Solingen-Ohligs — Logo: zwei Störche (Kissing Cranes)
- Ernst Pack & Söhne (E.P.&S.), Solingen — Logo: Hammer (Siegfried-Waffen)
- Jacobs & Co., Solingen-Gräfrath — sehr seltener früher Hersteller
- C. Gustav Spitzer, Solingen — Logo: Löwenkopf
- J. A. Henckels (Zwillingswerk), Solingen — Logo: Zwillings-Symbol
RZM-Herstellerliste (M7-Serie) ab 1935
Ab 1935 erfolgte die Umstellung auf RZM-Codierung. In der Übergangsphase traten Doppelhersteller auf, die sowohl Logo als auch Code führten, bevor die Markierung vollständig anonymisiert wurde.
| RZM-Code | Hersteller | Standort |
|---|---|---|
| M7/2 | Emil Voos | Solingen |
| M7/5 | Carl Julius Krebs | Solingen |
| M7/9 | SMF (Solinger Metallwarenfabrik) | Solingen |
| M7/10 | J. A. Henckels | Solingen |
| M7/14 | P. D. Lüneschloss | Solingen |
| M7/19 | Edward Wüsthof | Solingen |
| M7/25 | Wilhelm Wagner | Solingen-Merscheid |
| M7/27 | Puma-Werk (Lauterjung & Sohn) | Solingen |
| M7/29 | Klittermann & Moog | Solingen |
| M7/33 | F. W. Höller | Solingen |
| M7/36 | E. & F. Hörster | Solingen |
| M7/37 | Robert Klaas | Solingen-Ohligs |
| M7/42 | WKC (Weyersberg, Kirschbaum & Co.) | Solingen-Wald |
| M7/66 | Carl Eickhorn | Solingen |
| M7/67 | Arthur Schüttelhofer | Solingen-Wald |
| M7/68 | Tiger-Werk (Lauterjung & Co.) | Solingen |
| M7/80 | Gustav C. Spitzer | Solingen |
| M7/112 | Caspar Neiser | Solingen |
Verteilungskennzeichen: Römische Ziffern der Oberabschnitte
Frühe SS-Dienstdolche tragen auf der Rückseite der unteren Parierstange eine römische Ziffer, die den SS-Oberabschnitt der ausgebenden Zeugmeisterei anzeigt. Stücke ohne diese Ziffer stammen meist aus späterer Produktion oder wurden privat über den autorisierten RZM-Fachhandel bezogen.
| Ziffer | SS-Oberabschnitt | Hauptsitz |
|---|---|---|
| I | SS-Oberabschnitt Süd | München |
| II | SS-Oberabschnitt Elbe | Dresden |
| III | SS-Oberabschnitt Ost | Berlin |
Zusätzlich finden sich auf frühen Stücken gelegentlich die SS-Mitgliedsnummern des Trägers, eingeschlagen oder eingraviert auf der Parierstange — mal sauber ausgeführt, mal grob.
Markierungspraxis und Materialentwicklung
Ab 1934/35 anonymisierte das RZM-System die Produktion und zentralisierte die Kontrolle. Mit fortschreitender Kriegsdauer verschlechterten sich die Materialien: Neusilber wich verchromtem Zink, Brünierung wurde durch schwarze Lackierung ersetzt, Griffhölzer verloren an Dichte und Verarbeitungsqualität. Die Produktion wurde 1942 offiziell eingestellt.
Wer ein SS-Stück bestimmen möchte, sollte Parierstange (Ziffer, Mitgliedsnummer), Klingenrückseite (Logo oder RZM-Code) und Griffmaterial (Ebenholz vs. Ersatzholz) systematisch dokumentieren. Das Zusammenspiel dieser Merkmale erlaubt in vielen Fällen eine präzise zeitliche und regionale Einordnung. Weiterführende Informationen zu Blankwaffen der Wehrmacht und des Dritten Reichs finden Sie in der Militaria-Infothek.
Ankauf & Bewertung
Sie möchten SS-Dienstdolche, Blankwaffen oder militärhistorische Objekte aus einem Nachlass oder einer Sammlung verkaufen? Wir sind im nördlichen Deutschland tätig – insbesondere im Raum Kiel, Rendsburg, Schleswig, Husum, Flensburg, Lübeck sowie Hamburg. Auf ankaufmilitaria.de finden Sie weitere Informationen zu unserem Militaria-Ankauf, auch im gesamten Raum Schleswig-Holstein. Wir garantieren eine seriöse Abwicklung, faire Preise und transparente Provenienzangaben.
Thomas Huss & Söhne / German Historica
Direkter Draht für Fragen rund um Ankauf, Bewertung und historische Einordnung militärhistorischer Objekte.
Quellen: Handbuch der Reichszeugmeisterei (1939), RZM-Gesamtverzeichnis (1938), SS-Verordnungsblätter (1933–1936), Siegert: Die Dienstdolche der Schutzstaffel, Katalog der Blankwaffenhersteller Solingen (1938), Thomas Huss Archiv.