Wehrmachtsdolch bestimmen: Sie haben bei einer Haushaltsauflösung, in einem Nachlass, auf dem Dachboden, im Keller oder in einer alten Kiste einen Dolch gefunden und wissen nicht, um welches Stück es sich handelt? Dann stellen sich meist zuerst einige Fragen: Welcher Dolch ist das? Aus welcher Zeit stammt er? Ist er original? Darf ich ihn besitzen oder verkaufen? Welchen Wert hat er? Wir helfen bei der Bestimmung und Einordnung historischer Dolche und Blankwaffen. Modell, Hersteller, Fertigungszeitraum, verwendete Materialien, Erhaltungszustand und mögliche spätere Veränderungen geben die entscheidenden Hinweise. Bei Offiziersdolchen aus der Zeit der Wehrmacht handelt es sich häufig um einen Heeres-Offiziersdolch Modell 1935, einen Luftwaffendolch 1. Modell, einen Luftwaffen-Offiziersdolch 2. Modell 1937 oder einen Kriegsmarine-Offiziersdolch. Die Unterschiede lassen sich meist schon an Griff, Parierstange, Beschlägen und Scheide erkennen.
Inhalt:
- Offiziersdolche von Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine
- Der Heeres-Offiziersdolch Modell 1935
- Der Luftwaffendolch 1. Modell
- Der Luftwaffen-Offiziersdolch Modell 1937
- Der Offiziersdolch der Kriegsmarine
- Klingen, Ätzungen und Damastklingen
- Hersteller der Offiziersdolche
- Gehänge, Portepee und Zusammengehörigkeit
- Alten Dolch gefunden – zunächst so belassen, wie er ist
- Lagerung, Fundumstände und Veränderungen nach 1945
- Nicht jeder alte Dolch muss alt aussehen
- Darf ich einen alten Dolch besitzen, transportieren oder verkaufen?
- Wehrmachtsdolch bestimmen
- Ankauf & Bewertung
Wehrmachtsdolch bestimmen: Heeresdolch, Luftwaffendolch und Kriegsmarinedolch
Offiziersdolche von Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine
Einen einheitlichen „Wehrmachtsdolch" gab es nicht. Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine führten eigene Dolchmodelle, die sich in Form, Ausstattung, Material und Trageweise deutlich voneinander unterschieden. Der Offiziersdolch gehörte zur Uniform und war in erster Linie eine repräsentative Seitenwaffe. Je nach Hersteller, Fertigungszeit und Ausführung finden sich zahlreiche Unterschiede.
Der Heeres-Offiziersdolch Modell 1935
Der Heeres-Offiziersdolch Modell 1935, meist kurz Heeresdolch genannt, wurde 1935 eingeführt und von mehreren Herstellern gefertigt, vor allem von Firmen aus Solingen. Er zeigt den hellen, spiralförmig ausgearbeiteten Griff, den silberfarbenen Knauf mit Eichenlaubdekor, die breite Parierstange mit Heeresadler, die gerade zweischneidige Klinge sowie die silberfarbene Metallscheide mit zwei Trageringen für das Dolchgehänge.
Die Griffe können farblich stark variieren – von nahezu weiß über elfenbeinfarbene und gelbliche Töne bis zu kräftigem Orange. Unterschiedliche Griffmaterialien, Fertigung und Alterung beeinflussen das heutige Erscheinungsbild.
Zwischen frühen und späteren Fertigungen bestehen Unterschiede bei Material und Verarbeitung. Frühe Stücke weisen häufig hochwertiger ausgeführte Beschläge auf, während bei späteren Fertigungen zunehmend andere Legierungen, insbesondere Zink, verwendet wurden.
Der Luftwaffendolch 1. Modell
Der frühe Luftwaffendolch 1. Modell entwickelte sich aus den zuvor verwendeten Dolchen des Deutschen Luftsportverbandes (DLV). Er trägt den blau beziehungsweise dunkelblau belederten Griff, die ebenfalls lederbezogene Scheide, die Metallbeschläge und das Kettengehänge. Durch den belederten Griff und die belederte Scheide lässt er sich leicht von der späteren Ausführung unterscheiden. Er wird heute auch als Fliegerdolch oder Borddolch bezeichnet.
Der Luftwaffen-Offiziersdolch Modell 1937
1937 wurde eine vollständig neu gestaltete Ausführung eingeführt, heute meist als Luftwaffendolch 2. Modell oder Luftwaffen-Offiziersdolch Modell 1937 bezeichnet. Er zeigt den hellen, weißlichen bis gelblichen oder orangefarbenen Griff mit Drahtwicklung, den runden Knauf, die weit ausladende Parierstange in Form des Luftwaffenadlers, die gerade zweischneidige Klinge sowie die reliefierte Metallscheide mit zweiteiligem Dolchgehänge. Je nach Hersteller und Fertigungszeit unterscheiden sich Parierstange, Knauf, Griff, Scheide und Beschläge in einzelnen Details.
Der Offiziersdolch der Kriegsmarine
Der Kriegsmarine-Offiziersdolch geht auf eine wesentlich ältere Entwicklungslinie zurück als die Dolche des Heeres und der Luftwaffe – über die Kaiserliche Marine und die Reichsmarine bis zur Kriegsmarine. Bereits frühere deutsche Marinedolche besaßen helle Griffe, goldfarbene Beschläge, maritime Verzierungen und häufig geätzte Klingen.
Unmittelbarer Vorgänger war der Reichsmarinedolch Muster 1929, dessen Grundform zunächst weitergeführt wurde. 1938 erhielt der Marinedolch den charakteristischen Adlerknauf; ältere Marinedolche konnten entsprechend angepasst und weitergetragen werden. Der Kriegsmarine-Offiziersdolch war damit keine Neuentwicklung, sondern die Fortführung einer bereits bestehenden deutschen Marineblankwaffenform.
Typisch sind der helle Griff mit Drahtwicklung, goldfarbene beziehungsweise vergoldete Beschläge, die Parierstange mit Ankermotiv, der Adlerknauf, die zweischneidige Klinge und die verzierte Metallscheide.
Klingen, Ätzungen und Damastklingen
Auch bei den Klingen bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Modellen. Bei Kriegsmarine-Offiziersdolchen waren dekorativ geätzte Klingen verbreitet, mit Motiven wie Anker, Ranken, Blattwerk und Schiffsdarstellungen. Bei Heeres- und Luftwaffen-Offiziersdolchen waren geätzte Klingen dagegen erheblich seltener – regulär angebotene Zierätzungen sind insbesondere von Emil Voos, Solingen, bekannt.
Davon zu unterscheiden sind Geschenk-, Ehren- und Schießpreisdolche. Sie entsprachen grundsätzlich der jeweiligen üblichen Dolchform, konnten jedoch mit einer zum Anlass passenden Ätzung, Widmung oder zusätzlichen Verzierung versehen sein. Solche Sonderausführungen sind auch von Herstellern wie Carl Eickhorn, WKC und weiteren Firmen bekannt.
Eine besonders kostspielige Ausführung waren Dolche mit Damastklingen – bereits damals wesentlich teurer als normale Serienausführungen und entsprechend selten. Neben einfacheren Damastklingen gab es aufwendig handgeschmiedete Ausführungen, etwa von den Klingenschmieden Carl Wester und Paul Müller. Damastklingen konnten zusätzlich mit Ätzungen, Widmungen oder weiteren Verzierungen versehen sein und finden sich vor allem bei hochwertigen Geschenk-, Ehren- und Sonderausführungen.
Hersteller der Offiziersdolche
Ein großer Teil der Offiziersdolche der Wehrmacht wurde von Blankwaffenherstellern in Solingen gefertigt, darunter Carl Eickhorn, WKC – Weyersberg, Kirschbaum & Cie., E. & F. Hörster, Alcoso – Alexander Coppel, Puma, Robert Klaas, SMF, Paul Weyersberg, E. Pack & Söhne und Emil Voos.
Die Herstellerkennzeichnung befindet sich bei vielen Dolchen auf der Klinge unmittelbar unterhalb der Parierstange, ausgeführt als Firmenname, Warenzeichen oder Logovariante. Herstellerzeichen und herstellertypische Bauteile können wichtige Hinweise bei der Bestimmung eines alten Dolches geben.
Dolche desselben Modells können sich je nach Hersteller und Fertigungszeit in Einzelheiten unterscheiden – bei Knauf, Parierstange, Griff, Scheide, Beschlägen und Herstellerzeichen. Für eine genaue Bestimmung zählt deshalb nicht ein einzelnes Merkmal, sondern die Kombination der Bauteile.
Gehänge, Portepee und Zusammengehörigkeit
Zum Offiziersdolch gehörten je nach Modell auch das entsprechende Dolchgehänge und Portepee. Diese Teile wurden nach 1945 häufig vom Dolch getrennt oder später ergänzt. Bei einem erhaltenen Stück sollte deshalb geprüft werden, ob Dolch, Scheide, Gehänge und Portepee zusammengehören.
Offiziersdolche lassen sich konstruktionsbedingt zerlegen. Im Laufe der Jahrzehnte konnten Griff, Knauf, Parierstange, Klinge, Scheide oder andere Teile ausgetauscht werden. Ein Dolch kann somit aus zeitgenössischen Originalteilen bestehen, ohne noch der ursprünglichen Zusammenstellung zu entsprechen. Bei einer Prüfung zählen Hersteller und Herstellervariante, Griff, Knauf, Parierstange, Klinge, Scheide, Schrauben und Befestigungen, Beschläge und Oberflächen sowie Alterungs- und Gebrauchsspuren – entscheidend ist das Gesamtbild.
Alten Dolch gefunden – zunächst so belassen, wie er ist
Ein gefundener Dolch sollte zunächst genau so bleiben, wie er aufgefunden wurde: nicht reinigen, nicht polieren, nicht schleifen, nicht auseinanderbauen, keine Teile entfernen oder ergänzen. Auch Korrosion, Flugrost, Verfärbungen oder alte Verschmutzungen bleiben zunächst unangetastet.
Durch Putzen und Polieren können originale Oberflächen, Vergoldungen, Versilberungen, Vernickelungen und Klingenoberflächen beschädigt oder vollständig entfernt werden. Bei fest sitzenden oder korrodierten Bauteilen kann bereits der Versuch, den Dolch auseinanderzubauen, zusätzliche Schäden verursachen. Eine gut gemeinte Aufarbeitung vergrößert damit oft den Schaden und mindert den historischen und sammlerischen Wert. Im Zweifel gilt: den Dolch so belassen, wie er gefunden wurde.
Lagerung, Fundumstände und Veränderungen nach 1945
Der heutige Zustand eines Dolches hängt wesentlich davon ab, wo und wie er über Jahrzehnte gelagert wurde. Ein Stück aus einem trockenen Schrank, einer Schublade oder einem geschützten Nachlass kann noch ungewöhnlich gut erhalten sein. Andere Dolche wurden erst Jahrzehnte später wiedergefunden – unter Fußbodendielen, auf Dachböden, in Kellern, Kisten oder Werkstätten. Feuchtigkeit und ungünstige Lagerbedingungen können Korrosion, Flugrost, Verfärbungen und Schäden an Griff, Klinge und Scheide verursachen.
Nicht selten wurden Dolche nach dem Krieg auch zweckentfremdet und als Werkzeug benutzt. Angeschliffene Klingen, beschädigte Spitzen, Schlagspuren und andere Veränderungen können darauf zurückzuführen sein.
Häufig finden sich außerdem abgeschliffene oder entfernte Hoheitszeichen und NS-Embleme, ausgeschliffene Devisen oder Klingenätzungen, gekürzte beziehungsweise abgesägte Klingen, entfernte Beschläge oder spätere Reparaturen. Bei abgesägten oder stark gekürzten Klingen ist auch die Entwaffnung nach 1945 als mögliche Ursache zu berücksichtigen: Blankwaffen wurden im Zusammenhang mit den Maßnahmen der alliierten Besatzungsmächte teilweise gekürzt oder auf andere Weise unbrauchbar gemacht. Solche Veränderungen gehören heute zum überlieferten Zustand des Stückes und sollten nicht durch erneutes Schleifen, Polieren oder Ergänzen verdeckt werden.
Nicht jeder alte Dolch muss alt aussehen
Ein originaler Dolch muss nicht zwangsläufig stark gealtert, angelaufen oder korrodiert sein. Dolche, die nur wenig getragen und anschließend über Jahrzehnte trocken und geschützt gelagert wurden, können auch heute noch sehr gut erhaltene Oberflächen, saubere Klingen und frische Griffe besitzen. Ein außergewöhnlich guter Erhaltungszustand ist deshalb kein Beweis für eine Kopie oder Nachkriegsfertigung – umgekehrt beweisen starke Korrosion, Patina oder Verschmutzung ebenfalls nicht die Originalität. Für die Bestimmung zählen Material, Verarbeitung, Herstellermerkmale, Konstruktion, Oberflächen und die Zusammengehörigkeit der einzelnen Bauteile.
Darf ich einen alten Dolch besitzen, transportieren oder verkaufen?
Bei einem gefundenen Dolch sollte neben Alter und Originalität auch die rechtliche Einordnung geprüft werden. Viele historische Militärdolche können nach dem deutschen Waffengesetz als Hieb- und Stoßwaffen einzuordnen sein. Das Waffengesetz zählt Gegenstände, die ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind, durch Hieb, Stoß oder Stich Verletzungen beizubringen, zu den Hieb- und Stoßwaffen. Der Umgang mit Waffen ist grundsätzlich Personen gestattet, die das 18. Lebensjahr vollendet haben.
Vom Besitz zu unterscheiden ist das Führen in der Öffentlichkeit. § 42a WaffG verbietet grundsätzlich das Führen von Hieb- und Stoßwaffen; auch das Mitführen im Fahrzeug oder in einer Tasche kann problematisch sein. Das Gesetz nennt unter anderem den Transport in einem verschlossenen Behältnis als Ausnahme; daneben kann ein berechtigtes Interesse eine Rolle spielen.
Bei Dolchen mit Kennzeichen aus der Zeit des Nationalsozialismus sind außerdem die Vorschriften der §§ 86 und 86a StGB zu beachten. § 86a erfasst insbesondere das Verbreiten und öffentliche Verwenden entsprechender Kennzeichen. Die in § 86 Abs. 4 genannten Ausnahmen – etwa Wissenschaft, Forschung, Lehre sowie Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte – gelten über § 86a Abs. 3 entsprechend.
Für Besitz, Transport und Verkauf zählt deshalb immer das konkrete Stück und die jeweilige Art des Umgangs.
Für eine erste Bestimmung sind meist gute, aussagekräftige Fotos ausreichend: der gesamte Dolch mit Scheide, Griff und Knauf, Vorder- und Rückseite der Parierstange, die Klinge, das Herstellerzeichen sowie vorhandene Ätzungen oder Widmungen. Auch Gehänge, Portepee und vorhandenes Zubehör sollten mit fotografiert werden.
Sind noch Dokumente, Fotos, Etuis oder Informationen zum ursprünglichen Besitzer vorhanden, sollten diese nicht getrennt oder aussortiert werden – gerade bei einem Fund aus einem Nachlass oder einer Haushaltsauflösung können solche Unterlagen wichtige Hinweise auf Herkunft und Zusammengehörigkeit geben.
Melden Sie sich mit Fotos, wenn Sie einen Wehrmachtsdolch bestimmen lassen möchten – ob Heeresdolch, Luftwaffendolch, Kriegsmarinedolch oder eine andere historische Blankwaffe. Weitere Hintergründe zu Militaria-Objekten finden Sie auch in unserer Militaria-Infothek. Belassen Sie das Stück bis dahin so, wie Sie es gefunden haben.
Ankauf & Bewertung
Sie besitzen einen Wehrmachtsdolch, einen anderen historischen Offiziersdolch oder eine vergleichbare Blankwaffe und möchten diesen bestimmen, bewerten oder verkaufen lassen? Wir beraten Sie fundiert und diskret.
Thomas Huss & Söhne / German Historica
Direkter Draht für Fragen rund um Ankauf, Bewertung und historische Einordnung militärhistorischer Objekte.
Hinweis zu Kennzeichen des Nationalsozialismus: Der Umgang mit entsprechend gekennzeichneten Gegenständen unterliegt den §§ 86, 86a StGB. Die gesetzlichen Ausnahmen, etwa für Wissenschaft, Forschung, Lehre und die Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte, bleiben hiervon unberührt.
Fachwissen und Praxiserfahrung aus Ankauf und Bewertung historischer Militaria und Blankwaffen.