Marineschule Kiel Friedrichsort – Wappen, Mützenband und Standortgeschichte
Die Marineschule Friedrichsort war eine Ausbildungseinrichtung der Kriegsmarine im Kieler Stadtteil Friedrichsort. Sie diente der Schulung von Marinepersonal und war Teil der militärischen Ausbildungsstruktur im Raum Kiel, insbesondere im Hinblick auf den späteren Einsatz auf Überwasserfahrzeugen und U‑Booten.
Wappen und Mützenband der Marineschule Friedrichsort bilden den Anlass für diesen Beitrag. Beide Objekte verweisen unmittelbar auf den Ausbildungsstandort an der Förde und den sachlich‑funktionalen Charakter der dortigen Marineeinrichtungen.
Die Marineschule Friedrichsort befand sich am heutigen Skagerrakufer. Der Standort lag direkt an der Förde und war Teil des funktional geprägten Marineareals Friedrichsort. Das Gebäude entstand als wilhelminischer Gründerzeitbau um die Jahrhundertwende (ca. 1890–1905). Friedrichsort war kein repräsentativer Marinestandort. Ausbildung, Erprobung und Vorbereitung bestimmten den Alltag. Die Nähe zu weiteren Marineeinrichtungen sowie zu Fertigungs- und Instandsetzungsbetrieben für Motoren und Torpedos war bewusst gewählt.
Ausbildung
In Friedrichsort fanden Lehrgänge für Marinepersonal statt, darunter Unteroffiziersausbildungen.
Vermittelt wurden dienstliche Grundlagen und praktische Abläufe, die für den späteren Borddienst notwendig waren. Im Vordergrund standen Routine, klare Zuständigkeiten sowie der sichere Umgang mit Ausrüstung und Waffen.
Nachkriegszeit
Das Gebäude überstand das Ende des Zweiten Weltkriegs und bestand noch bis in die 1960er‑Jahre.
Ende der 1960er‑Jahre wurde das Marinegebäude abgerissen. Aus heutiger Sicht wäre der Bau aufgrund seiner Entstehungszeit und baulichen Ausführung ein schützenswertes Beispiel wilhelminischer Architektur gewesen. Über die genauen Gründe und Umstände des Abrisses ist nur wenig bekannt oder veröffentlicht worden. Zeitgenössische Fotografien dokumentieren die Abrissarbeiten, lassen jedoch keine eindeutigen Rückschlüsse auf die Motivation zu. Ein schlechter baulicher Zustand ist auf den erhaltenen Aufnahmen nicht eindeutig erkennbar.
Der Abriss steht exemplarisch für die Stadtentwicklung der 1960er‑Jahre. Alte Bausubstanz wurde häufig vernachlässigt, über Jahre verkommen gelassen und schließlich abgerissen, um Platz für Neubauten zu schaffen. Ein erkennbarer baulicher Zwang bestand dabei nicht immer. Die Folgen dieser Entscheidungen prägen das Kieler Stadtbild bis heute und werden zunehmend kritisch gesehen.
Nach dem Abriss wurde das Gelände neu genutzt. Es entstand das Gebäude der Medienschule Kiel, ergänzt durch eine parkähnliche Anlage im Uferbereich.
Heute finden sich nur noch wenige bauliche Reste im Strandbereich der Förde, die auf die frühere Marine- und Ausbildungseinrichtung hinweisen. Die baulichen Spuren der Marineschule sind damit weitgehend verschwunden.
Persönlicher Bezug
Heute befindet sich auf dem Gelände das Gebäude der Medienschule Kiel. Davor wurde eine kleine, parkähnliche Anlage geschaffen, die sich bis in Richtung des ehemaligen Geländes der Deutschen Werke erstreckt, wo einst auch der Torpedobau angesiedelt war. Das Areal ist über die Straße Skagerrakufer erreichbar.
Entlang des Ufers finden sich ein Bootsanleger, ein kleiner Badestrand sowie ein von mir und meinen Söhnen regelmäßig genutztes Tauchrevier. Die Unterwasserlandschaft ist abwechslungsreich und wird in Teilen noch immer durch Trümmerreste der ehemaligen Marineschule geprägt. So bleibt der Ort mit seiner Vergangenheit verbunden – nicht sichtbar an Gebäuden, sondern spürbar im Gelände und unter der Wasseroberfläche.
Quellen und Hinweise
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Thomas Huss – www.german-historica.de
Eigene Recherche, bauhistorische Einordnung, Auswertung zeitgenössischer Fotografien sowie Ortskenntnis zum Gelände Skagerrakufer und zur heutigen Nutzung. -
Lexikon der Wehrmacht
Eintrag zur Marineschule Friedrichsort (Nutzung, zeitliche Einordnung). -
Wikimedia Commons / Stadtarchiv Kiel
Fotografien zum Abriss der Kaserne / Marineschule Friedrichsort am Skagerrakufer (1969).
Fotograf: Friedrich Magnussen, Stadtarchiv Kiel.
Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE. -
Zeitgenössische Fotografien (Privat- und Archivbestände)
Bildmaterial zum Abriss Ende der 1960er-Jahre; keine eindeutigen Hinweise auf akute Baufälligkeit erkennbar. -
Bauhistorische Einordnung
Einschätzung anhand erhaltener Fotografien und typischer Merkmale wilhelminischer Gründerzeit-Kasernenbauten (Klinkerbauweise, symmetrische Anlage, Bauzeit ca. 1890–1905).
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