Marine-Intendantur Kiel – Verwaltungsbau in der Adolfstraße
Wer sich mit der Marinegeschichte Kiels beschäftigt, stößt auf den ausgedehnten Backsteinbau in der Adolfstraße 14–28. Der heute von der Finanzverwaltung genutzte Gebäudekomplex diente über Jahrzehnte als wichtigste Verwaltungsstätte der deutschen Marine an der Kieler Förde. Von hier aus wurden logistisch und organisatorische Aufgaben für die in Kiel stationierten Marineeinheiten bearbeitet.
Bauzeit und Architektur
Der Gebäudekomplex wurde zwischen 1891 und 1893 errichtet. Die Architektur folgt der staatlichen Verwaltungsbauweise der wilhelminischen Zeit und orientiert sich formal an der Neorenaissance. Verwendet wurdender typische roter Backstein und heller Sandstein.
Zeitgenössische Fotografien und Postkarten zeigen den ursprünglichen Zustand mit hohen Dachaufbauten, Ziergiebeln und steilen Dächern.
Bombenschäden und Wiederaufbau
Während der Luftangriffe auf Kiel im Zweiten Weltkrieg wurde der Gebäudekomplex beschädigt. Die Zerstörungen betrafen vor allem die Dachbereiche und die oberen Fassadenzonen. Die ursprüngliche Dachlandschaft ging verloren.
Nach 1945 erfolgte der Wiederaufbau in vereinfachter Form. Auf eine Rekonstruktion der historischen Dachaufbauten wurde verzichtet. Die Fassaden wurden schlichter ausgeführt, die Dächer niedriger gestaltet. Der massive Baukörper und der Grundriss des Verwaltungsgebäudes blieben erhalten.
Nutzung durch die Marine
Der Gebäudekomplex war Teil der Marinestation der Ostsee und beherbergte mehrere Marine-Dienststellen.
Stationskommando
Im Gebäude befand sich der Sitz des Kommandierenden Admirals der Marinestation der Ostsee. Das Stationskommando war zuständig für organisatorische, personelle und administrative Angelegenheiten der Marineeinheiten im Ostseeraum.
Marine-Intendantur
Die Marine-Intendantur war für die Versorgung und Verwaltung der Marine zuständig. Zu ihren Aufgaben gehörten unter anderem:
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Organisation der Verpflegung für Schiffe und Landdienststellen
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Beschaffung und Ausgabe von Bekleidung und Ausrüstung
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Verwaltung von Depots und Magazinen
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Abrechnung und Auszahlung der Besoldung
Zwischen dem Verwaltungsbau in der Adolfstraße und den Marinekasernen an der Feldstraße bestand eine interne Verbindung („Marinegang“) für den dienstlichen Verkehr.
November 1918
Im November 1918 war der Bereich um die Adolfstraße Teil der Ereignisse des Kieler Matrosenaufstandes. In der Umgebung des Gebäudekomplexes kam es zu Kontakten und Gesprächen zwischen militärischen Stellen und Arbeiter- und Soldatenräten.
Vizeadmiral Wilhelm Souchon trat in dieser Phase in Verhandlungen mit den revolutionären Vertretern. Die militärische Befehlsstruktur der Marine brach in diesen Tagen zusammen.
Nutzung nach 1945
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verlor der Gebäudekomplex seine militärische Funktion. In der Nachkriegszeit erfolgte die zivile Nutzung. Heute dient der Bau als Sitz der Finanzverwaltung.
Quellen
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Stadtarchiv Kiel: Bauakten Adolfstraße 14–28
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Wilhelm Deist: Die deutsche Marine 1848–1918
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Gerhard Paul: Der Kieler Matrosenaufstand 1918
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Deutsches Marinearchiv: Unterlagen zur Marinestation der Ostsee
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Zeitgenössische Fotografien, Stadtpläne und Verwaltungsakten
Autor & Expertise: Dipl.-Ing. Thomas Huss
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