Zwischen Dampfmaschine und „Schrägem Funken“: Die Geschichte der Höheren Schiff- und Maschinenbauschule Kiel
Wer heute durch den Knooper Weg in Kiel geht, sieht an der Ecke zur Legienstraße ein markantes Backsteingebäude. Wo heute die Muthesius Kunsthochschule untergebracht ist, befand sich über viele Jahrzehnte die Höhere Schiff- und Maschinenbauschule Kiel. Hier wurden Ingenieure ausgebildet, die im Schiffbau, im Maschinenbau und in anderen technischen Bereichen tätig waren. Aus dieser Einrichtung ging über die Staatliche Ingenieurschule ein Teil der Fachhochschule Kiel hervor.
Die Ära der Kaiserlichen Marine und der Kriegsmarine (bis 1945)
Gegründet wurde die „Königlich Höhere Schiff- und Maschinenbauschule“ im Jahr 1903. Sie entstand in einer Zeit, in der der Ausbau der deutschen Flotte auch einen steigenden Bedarf an technisch ausgebildetem Personal mit sich brachte. Während an anderen Einrichtungen Offiziere und Führungskräfte der Marine ausgebildet wurden, lag der Schwerpunkt hier auf der technischen Ausbildung im Bereich des Schiff- und Maschinenbaus.
Unter Architekten wie Georg Pauly entstand ein Schulgebäude, das auf die Anforderungen einer technischen Ausbildung ausgerichtet war. Die Absolventen fanden Arbeit auf den großen Kieler Werften, etwa bei der Germaniawerft oder den Howaldtswerken.
Der Neuanfang in der Nachkriegszeit
Nach 1945 wurde der Lehrbetrieb unter britischer Aufsicht wieder aufgenommen, nun unter der Bezeichnung „Staatliche Ingenieurschule“. Die Schule bestand damit unter verändertem Namen weiter. 1969 ging die Institution in der neu gegründeten Fachhochschule Kiel auf. Damit gehört die frühere Höhere Schiff- und Maschinenbauschule zur Vorgeschichte der FH Kiel.
Der „Schräge Funke“ – Ein Stück Kieler Kulturgeschichte
Trotz der harten Ausbildung und der oft schweren Nachkriegsjahre kam der Humor nie zu kurz. Unvergessen bleibt der „Schräge Funke“: Was als kleine Insider-Faschingsfete unter Professor Walter Drunk begann, entwickelte sich zur legendären Ikone für Generationen angehender Ingenieure und Ehemaliger – und damit zum absoluten Highlight im Kieler Veranstaltungskalender.
Einmal im Jahr verwandelten sich die Schule und ihre Schüler in einen Haufen verkleideter Jecken – ein Anblick, der eigentlich so gar nicht dem norddeutsch-unterkühlten Kieler Naturell entsprach. Die Studenten investierten Unmengen an Herzblut in die Vorbereitung: Zahlreiche Räume wurden liebevoll und aufwendig umgestaltet, sogar die Gänge verwandelten sich in dunkle Labyrinthe. Es spielten Live-Bands, es wurde getrunken, getanzt und leidenschaftlich gefeiert. Diese Nächte schrieben Geschichte; nicht selten nahm hier im Trubel die eine oder andere feste Beziehung für das ganze Leben ihren Anfang.
Über die Jahre wurde der Andrang immer größer, sodass das Fest schließlich über zwei Wochenenden lief, jeweils am Freitag und Samstag. Da die Veranstaltung in der Schule ein festes Ende hatte, war die Kieler Kneipenszene zu später Stunde mit befremdlich bekleideten Personen bevölkert, die dort weiterfeierten. Wer dabei sein wollte, musste Hindernisse überwinden, die fast so hoch waren wie eine Ingenieursprüfung: Karten waren das begehrteste Gut der Stadt und unter normalen Bedingungen kaum zu bekommen. Wer kein Student der Schule war oder über exzellente Beziehungen verfügte, hatte praktisch keine Chance auf Einlass.
Der Name war Programm: Ein bisschen schräg, ein bisschen unangepasst, aber immer mit dem nötigen „Funken“ Genialität. Dass die Grünfläche gegenüber der alten Schule heute offiziell Schräger-Funken-Park heißt, ist eine späte, aber wohlverdiente Verbeugung vor jenen Frauen und Männern, die Kiel als Stadt der Schifffahrtstechnik und des Schiffbaus weltweit bekannt machten – oder besser gesagt: Es ist eine schöne Erinnerung an die feuchtfröhlichen Abende in den Räumlichkeiten dieser ehrwürdigen alten Lehranstalt.
Autor & fachliche Einordnung
Dipl.-Ing. Thomas Huss
Dieser Beitrag basiert auf eigener militärhistorischer Recherche und der Auswertung von Originalen, Primärquellen und Nachlässen aus dem eigenen Archiv. Schwerpunkte meiner Arbeit sind die Bestimmung und historische Einordnung militärischer Blankwaffen, Orden, Ehrenzeichen und maritimer Nachlässe, insbesondere aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Ziel ist die sachliche Dokumentation solcher Stücke in ihrem geschichtlichen Zusammenhang.
Schwerpunkte:
Militärhistorische Recherche · Blankwaffen · Marinedolche · Marineoffiziersdolche · Orden und Ehrenzeichen · Eisernes Kreuz · Ritterkreuz · Pour le Mérite · militärische Nachlässe · maritime Nachlässe · Primärquellen · Soldbücher · Urkunden · Fotonachlässe · Erster Weltkrieg · Zweiter Weltkrieg · Thomas Huss
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