KI-Recherche bei Militaria: Immer wieder muss ich mich mit von Kunden erstellten KI-Recherchen auseinandersetzen. Häufig werden dabei ganze Romane produziert – viel Text, aber nur wenig wirklicher Inhalt oder verwertbare Information.

Problematisch ist vor allem, dass eine KI dem Anwender schnell das Gefühl vermitteln kann, eine Bestimmung sei fundiert oder eine Recherche abgeschlossen.

Gerade bei Militaria ist das häufig nicht der Fall.

Das betrifft längst nicht nur diesen Bereich. Auch bei Münzen, Uhren, Schmuck, Antiquitäten und anderen Sammlerstücken wird KI zunehmend für Bestimmung, Originalitätsprüfung und Wertangaben eingesetzt.

Deshalb lasse ich an dieser Stelle einmal eine KI selbst erklären, was sie tatsächlich kann – und was nicht.


KI-Recherche bei Militaria: Was sie bei Bestimmung, Originalität und Wert wirklich leistet

Die KI erklärt: Was ich bei Militaria leisten kann – und was nicht

Militaria anhand von Fotos bestimmen: Was ich als KI erkennen kann

Anhand guter Fotos kann ich vor allem Form, grobe Ausführung, sichtbare Beschriftungen und allgemeine Merkmale erkennen.

Im besten Fall kann ich damit ein Modell eingrenzen, ein Herstellerzeichen erkennen oder Hinweise geben, welche Merkmale genauer untersucht werden müssen.

Für eine sichere Bestimmung reicht das jedoch nicht.

Soll beispielsweise ein Orden oder Ehrenzeichen überprüft werden, sind Aufnahmen und Angaben zu Vorder- und Rückseite, Nadel, Haken, Scharnier, Material, Gewicht, Maßen, Prägung und Herstellermerkmalen unerlässlich.

Bei Blankwaffen müssen unter anderem Klinge, Herstellerzeichen, Griff, Gefäß, Scheide, Materialien und Fertigungsmerkmale zusammen betrachtet werden.

Fehlen diese Angaben, fehlt auch die Grundlage für eine belastbare Bestimmung.

Das eigentliche Problem: das passende Vergleichsstück

Selbst mit sehr guten Fotos und vollständigen Angaben muss ich ein wirklich passendes Vergleichsstück finden, nicht irgendein Stück, das ähnlich aussieht.

Für einen brauchbaren Vergleich sollten Hersteller, Modell, Ausführung, Fertigungszeitraum und Material übereinstimmen.

Das ist häufig schwierig: Ein äußerlich ähnliches Stück kann von einem anderen Hersteller stammen, aus einem anderen Fertigungszeitraum kommen oder eine andere Variante darstellen.

Wird trotzdem damit verglichen, kann die gesamte weitere Einschätzung falsch sein.

Originalität prüfen: Ich brauche konkrete Fragen

Die Frage „Ist das original?“ ist meist zu allgemein.

Für eine vernünftige Recherche brauche ich konkrete Fragen, zum Beispiel:

  • Passt diese Nadelkonstruktion zu diesem Hersteller?
  • Ist dieses Herstellerzeichen in dieser Ausführung dokumentiert?
  • Welche Materialien wurden in diesem Fertigungszeitraum verwendet?
  • Stimmen Maße und Gewicht mit bekannten Originalstücken überein?
  • Ist dieses Scharnier bei diesem Hersteller und dieser Variante bekannt?

Das setzt allerdings voraus, dass der Anwender bereits weiß, welche Merkmale überhaupt geprüft werden müssen.

Fehlt dieses Fachwissen, kann auch meine Recherche schnell in die falsche Richtung laufen.

Das größte Problem: Ich kann trotzdem sehr überzeugend klingen

Ich kann eine lange, sauber formulierte und scheinbar eindeutige Antwort geben, obwohl wichtige Informationen fehlen oder ein ungeeignetes Vergleichsstück verwendet wurde. Darin liegt die Gefahr.

Zwischen „Das Stück ähnelt dieser bekannten Ausführung“ und „Das Stück ist original“ besteht ein erheblicher Unterschied.

Diese Grenze sollte ich deutlich machen. In der Praxis tue ich das jedoch nicht immer klar genug.

Wertbestimmung von Militaria: Hier wird es noch schwieriger

Eine Wertbestimmung setzt voraus, dass geklärt ist, was genau vorliegt.

Dazu gehören unter anderem:

  • Hersteller
  • genaue Ausführung
  • Fertigungszeitraum
  • Material
  • Originalität
  • Zustand
  • Vollständigkeit
  • Seltenheit
  • Reparaturen oder Ergänzungen
  • Provenienz
  • aktuelle Nachfrage

Zwei äußerlich sehr ähnliche Stücke können deshalb völlig unterschiedliche Werte haben.

Hinzu kommt: Ein im Internet gefundener Angebotspreis ist noch kein Marktwert.

Ein Verkäufer kann jeden beliebigen Preis verlangen. Entscheidend ist, ob ein wirklich vergleichbares Stück zu diesem Preis verkauft wurde.

Auch dabei müssen Hersteller, Variante, Zustand und Vollständigkeit übereinstimmen.

Wo ich eine Recherche sinnvoll unterstützen kann

Eine Recherche kann ich durchaus unterstützen. Ich kann helfen,

  • sichtbare Merkmale zu erfassen,
  • Hersteller und Modelle zu recherchieren,
  • Fachbegriffe zu erklären,
  • einzelne Fertigungsmerkmale zu vergleichen,
  • historische Informationen zusammenzutragen,
  • gezielte Fragen für eine weitere Prüfung zu entwickeln.

Damit bin ich ein nützliches Recherchewerkzeug, aber kein Ersatz für die fachliche Prüfung eines konkreten Stückes.

Aus der Praxis: KI-Recherchen im Militaria-Ankauf

Im Ankauf führt das in der täglichen Praxis zu einem Problem.

Ein Verkäufer kommt mit einer ausführlichen KI-Recherche und geht davon aus, dass sein Stück bereits bestimmt und vielleicht sogar bewertet wurde.

Stellt sich bei der persönlichen Prüfung heraus, dass die KI-Recherche Fehler enthält, muss der Ankäufer diese zunächst erklären.

Er muss beispielsweise darauf hinweisen,

  • dass ein Vergleichsstück nicht passt,
  • dass ein Hersteller falsch zugeordnet wurde,
  • dass wichtige Merkmale gar nicht geprüft wurden,
  • dass eine Originalitätsaussage nicht belegt ist,
  • oder dass eine genannte Wertangabe auf einem nicht vergleichbaren Stück beruht.

Für den Verkäufer ist das eine schwierige Situation.

Die KI sagt das eine, der Fachmann etwas anderes. Wem soll er glauben? Was ist richtig?

Schnell entsteht Verunsicherung. Der Verkäufer kann den Eindruck bekommen, der Ankäufer wolle sein Stück schlechter darstellen oder den Wert heruntersetzen.

Der Ankäufer wiederum muss Zeit darauf verwenden, eine fehlerhafte KI-Recherche Punkt für Punkt zu erklären oder zu widerlegen.

Am Ende sind beide Seiten verunsichert oder genervt – obwohl das eigentliche Problem bereits bei einer zu sicheren KI-Aussage entstanden ist.

Fazit zur KI-Recherche bei Militaria

Bei Militaria kann KI Form, grobes Erscheinungsbild und sichtbare Merkmale häufig gut einordnen.

Für eine belastbare Aussage zu Hersteller, Fertigungszeitraum, Variante, Originalität und Wert braucht es jedoch genaue Informationen, geeignete Fotos, konkrete Fragestellungen und vor allem wirklich passende Vergleichsstücke.

Genau diese Voraussetzungen fehlen bei vielen KI-Recherchen.

Das größte Problem ist dabei nicht, dass eine KI Fehler machen kann.

Das Problem ist, dass sie dem Anwender dabei häufig trotzdem das Gefühl vermittelt, die Sache sei bereits eindeutig geklärt.


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Thomas Huss & Söhne / German Historica

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Autor / fachliche Verantwortung
Thomas Huss · Dipl.-Ing. · German Historica / Militaria Kiel

Thomas Huss & Söhne, Kiel