Kriegsmarine-Offiziersdolch Modell 1938 ist die Bezeichnung für den Marinedolch mit Adlerknauf. Im Volksmund heißt er auch Portepeedolch. Er entwickelte sich aus den früheren Marinedolchen der Kaiserlichen Marine und der Reichsmarine und bekam mit dem 1938 eingeführten Adlerknauf seine endgültige Form.
Ältere Marinedolche konnten durch Austausch des Knaufs an die neuen Vorschriften angepasst werden. Diese Stücke werden als aptierte Marinedolche bezeichnet. Außer den regulären Ausführungen gab es privat beschaffte Dolche, hochwertigere Sonderanfertigungen und Luxusausführungen. Weitere Beiträge zu Marinedolchen und anderen militärhistorischen Objekten finden Sie in der Militaria-Infothek.
Inhalt
- Kriegsmarine-Offiziersdolch Modell 1938: Ausführungen und Merkmale
- Scheiden: Blitzscheide, gehämmerte Scheide und Sonderscheiden
- Griffstücke: Weiß, Gelb und Orange
- Klingen: Polierter Stahl, geätzte Klingen und Damast
- Hersteller und Herstellerzeichen
- Das Gehänge des Kriegsmarine-Offiziersdolches
- Das Portepee
- Originalität, Zustand und Zusammengehörigkeit
- Ankauf & Bewertung
Kriegsmarine-Offiziersdolch Modell 1938: Ausführungen und Merkmale
Scheiden: Blitzscheide, gehämmerte Scheide und Sonderscheiden
Die Scheiden bestehen üblicherweise aus Messing mit vergoldeter Oberfläche. Durch Abrieb und Alterung kann die Vergoldung teilweise oder vollständig verloren gegangen sein.
Blitzscheide
Die sogenannte Blitzscheide trägt ein regelmäßiges, schräg verlaufendes Dekor aus zickzackförmigen Linien über den gesamten Scheidenkörper. Diese Scheidenform ist beim Kriegsmarinedolch weit verbreitet.
Gehämmerte Scheide
Die gehämmerte Scheide hat eine unregelmäßig strukturierte Oberfläche, das sogenannte Hammerschlagdekor. Auch sie ist eine zeitgenössische Ausführung.
Sonderscheiden
Außer den beiden bekannten Scheidenmustern wurden aufwendiger gestaltete Sonderscheiden angeboten, etwa mit abweichenden Oberflächenmustern, besonders ausgearbeiteten Beschlägen oder zusätzlichen Verzierungen. Sie finden sich vor allem bei privat beschafften und hochwertigen Dolchen. Ihre Originalität muss anhand der Fertigung, der Beschläge und der herstellertypischen Merkmale beurteilt werden.
Griffstücke: Weiß, Gelb und Orange
Die Griffstücke des Kriegsmarinedolches wurden in unterschiedlichen Farbtönen gefertigt.
- Weiße Griffe: Häufig verwendete Ausführung, oft mit einem Zelluloidüberzug auf einem Holzkern.
- Gelbliche Griffe: Sie können ursprünglich in diesem Farbton gefertigt worden sein oder sich durch Alterung und Lichteinwirkung verfärbt haben.
- Orangefarbene Griffe: Auch orangefarbene Griffstücke sind als zeitgenössische Ausführung bekannt. Nicht jeder orangefarbene Griff ist ein ursprünglich weißer, später verfärbter Griff.
Klingen: Polierter Stahl, geätzte Klingen und Damast
Polierte Stahlklingen
Außer verzierten Klingen kommen auch blanke, polierte Stahlklingen ohne Ätzung vor. Hier ist zu prüfen, ob es sich um eine ursprünglich blanke Ausführung handelt oder ob eine vorhandene Ätzung später durch Polieren entfernt wurde.
Geätzte Klingen
Besonders verbreitet waren Klingen mit maritimen Zierätzungen. Typische Motive sind:
- Segelschiffe und Kriegsschiffe
- Anker
- Maritime Ranken und Ornamente
- Seeschlangen- und Wellenmotive
Die Ätzmuster unterscheiden sich teilweise zwischen den Herstellern.
Damastklingen
Damastklingen waren besonders hochwertig und wurden vor allem für Sonderanfertigungen, Luxusdolche und Ehrengeschenke verwendet. Bei echten Damastklingen entsteht das sichtbare Muster durch den Aufbau und die Verarbeitung des Stahls. Davon zu unterscheiden sind Klingen mit lediglich aufgebrachten, damastähnlichen Ätzmustern.
Die Bezeichnung Damast allein ist deshalb kein Nachweis für eine hochwertige zeitgenössische Fertigung.
Hersteller und Herstellerzeichen
Bekannte Hersteller und Anbieter von Kriegsmarine-Offiziersdolchen sind:
| Hersteller | Ort / Kennzeichnung |
|---|---|
| Carl Eickhorn | Solingen, Eichhörnchenmarke |
| WKC – Weyersberg, Kirschbaum & Cie. | Solingen, Ritterhelm |
| Alcoso – Alexander Coppel | Solingen, ACS- und Alcoso-Marken |
| E. & F. Hörster | Solingen |
| F. W. Höller | Solingen |
| Paul Weyersberg | Solingen |
| P. D. Lüneschloss | Solingen |
| Clemen & Jung | Solingen |
| Puma – Lauterjung & Co. | Solingen |
| Robert Klaas | Solingen |
| Carl Julius Krebs | Solingen |
| Ernst Pack & Söhne | Solingen |
| Adolf Braun | Händlerkennzeichnung |
Nicht alle genannten Unternehmen fertigten sämtliche Bauteile selbst. Einige bezogen Klingen, Knäufe, Parierstangen und Scheiden von anderen Herstellern. Auch Dolche ohne Herstellerzeichen kommen vor. Bei selteneren Herstellermarken sollte geprüft werden, ob sie auf zeitgenössischen Kriegsmarinedolchen tatsächlich nachgewiesen sind.
Das Gehänge des Kriegsmarine-Offiziersdolches
Das Gehänge diente zur Befestigung des Dolches an der Uniform. Es bestand aus zwei unterschiedlich langen Trageriemen, die an den beiden Scheidenringen befestigt wurden. Typische Merkmale waren:
- Dunkle, häufig schwarze Ripsbänder
- Schwarze Samtunterlagen auf der Rückseite
- Vergoldete Metallbeschläge
- Löwenkopfverzierungen an den Ripsbändern
- Karabinerhaken zur Befestigung an den Scheidenringen
Es gab unterschiedliche Qualitäten und Beschlagvarianten. Bei Marinebeamten kamen auch silberfarbene Beschläge vor. Die Beschläge konnten aus Buntmetall und später auch aus Ersatzmaterialien gefertigt sein. Abweichungen in Vergoldung und Verarbeitung sind deshalb nicht grundsätzlich ein Hinweis auf eine Kopie.
Das Portepee
Zum Kriegsmarinedolch gehörte ursprünglich ein Portepee, das am Griff befestigt wurde. Es bestand aus einer geflochtenen Schnur mit Schieber und Quaste. Die für Marineoffiziere vorgesehenen Ausführungen waren silberfarben und enthielten goldfarbene Bestandteile.
Mit der Vorschriftenänderung vom 7. Mai 1943 entfiel das Portepee für die Dauer des Krieges. Bereits vorhandene Portepees durften weitergetragen werden. Ein Dolch ohne Portepee ist deshalb nicht automatisch unvollständig.
Originalität, Zustand und Zusammengehörigkeit
Ob ein Kriegsmarine-Offiziersdolch Modell 1938 original und stimmig ist, lässt sich nur anhand mehrerer Merkmale zusammen beurteilen. Von Bedeutung sind insbesondere die Ausführung des Adlerknaufs, die Parierstange mit Ankermotiv, das Klingenprofil, die Herstellerkennzeichnung sowie die Scheidenbeschläge.
Die Hersteller verwendeten teilweise unterschiedliche Gussformen und Bauteile. Außerdem sind zeitgenössische Montagen mit fremdbezogenen Komponenten bekannt. Entscheidend ist, ob die einzelnen Merkmale zeitlich und herstellerspezifisch zusammenpassen.
Besonders sorgfältig sollten Dolche mit Damastklingen oder Sonderscheiden untersucht werden. Solche Ausführungen wurden auch nach 1945 nachgefertigt oder aus alten und neueren Einzelteilen zusammengestellt. Ein originaler Herstellerstempel allein beweist deshalb nicht die Originalität des gesamten Dolches.
Ankauf & Bewertung
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Thomas Huss & Söhne / German Historica
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Rechtlicher Hinweis: Der Adlerknauf des Kriegsmarine-Offiziersdolches trägt das Hoheitszeichen mit Hakenkreuz. Die Darstellung erfolgt ausschließlich im historischen und sammlungskundlichen Zusammenhang, nicht zur Verherrlichung. Bei Darstellung und Handel sind die Vorschriften der §§ 86, 86a StGB zu beachten.